Mehr als die Hälfte der Systeme bereits infiziert:
Internet-Mafia kapert Zugangsdaten für 200.000 Server

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Dr. Jakob Jung

07.10.2008

Sicherheitsexperten von Aladdin Knowledge Systems haben eine extrem groß angelegte Operation Online-Krimineller aufgespürt. Diese haben es auf über 200.000 Server in öffentlichen Behörden, Großkonzernen und der Rüstungsindustrie abgesehen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Auf eine der größten bisher entdeckten Operationen von Online-Kriminellen ist Aladdin Knowledge Systems [1] gestoßen. Dies geschah bei der Erforschung des kürzlich entdeckten Hacker-Toolkits »Neosploit 3.1«. Ian Amit, Director of Security-Research im Forschungszentrum des israelischen Unternehmens, berichtet von einer Operation globalen Ausmaßes: Deren Hintergründe würden nicht nur die betroffenen Unternehmen interessieren. Auf dem Server der Cyberkriminellen seien über 200.000 Zugangsdaten zu Servern wichtiger Organisationen und Unternehmen entdeckt worden. Diese kämen unter anderem auch aus der Rüstungsindustrie.

Auch knapp 15.000 deutsche Server sind vom Datenklau betroffen

Von den 200.000 Daten hat der kriminelle Server mittlerweile fast 107.000 als gültig validiert. Von den letzteren fast 82.000 auch bereits benutzt, um Web-Content zu modifizieren: Die Benutzer der zugehörigen Websites lassen sich dadurch angreifen.

Aladdin arbeitet hier mit dem Computer-Emergency-Response-Team (CERT) und zahlreichen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Gemeinsam hat man größere Unternehmen unter den mehr als 80.000 Websites informiert, die kompromittiert werden sollten. Eine der größeren in dieser Liste enthaltenen Websites ist »usps.gov«, der Internetauftritt der staatlichen US-Post.

Die Mehrzahl der anvisierten Ziele liegt in Europa. Genauso muss auch die Mehrzahl der Nutzer dieses Servers europäischen Kriminellen und deren Vereinigungen zugerechnet werden. Dies lässt sich insofern bestimmen: Die internen Managementoberflächen für die Kompromittierung der FTP-Server und die Verwaltung anderer interner Prozesse beschränken sich auf ausgewählte IPs.

Geographische Verteilung der betroffenen Server

Man geht davon aus, dass die verbleibenden valedierten 25.000 Daten bisher aufgehoben wurden, um mit anderen Online-Kriminalitäts-Organisationen Handel zu treiben. Ein späterer Einsatz in den Bereichen Business-Intelligence und Online-Unternehmensspionage erscheint möglich.

[1] http://www.aladdin.de/

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