IT-Sicherheit: Social-Networking-Plattformen:
Kaspersky Lab entdeckt Würmer für Myspace und Facebook

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

01.08.2008

Der russische Virenspezialist Kaspersky Lab hat zwei Varianten eines neuen Wurms entdeckt, die Myspace und Facebook attackieren. Networm.Win32.Koobface.a und Networm.Win32.Koobface.b verwandeln die infizierten Rechner in Zombies und bauen mit ihrer Hilfe ein Bot-Netz auf.

Die Würmer sind laut Kaspersky Lab [1] in der Lage, via Internet weitere Schadmodule mit anderen Funktionen nachzuladen. Dadurch kann das Bot-Netz auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden, etwa zum Versenden von Spam- und Phishing-Mails sowie Malware.

Die infizierten, ferngesteuerten Rechner, die Teil des Netzes sind, lassen sich außerdem dazu verwenden, um Distributed-Denial-of-Service-Attacken durchzuführen (DDoS-Attacken).

Net-Worm.Win32.Koobface.a verbreitet sich, sobald Anwender ihr Myspace [2]-Profil aufrufen. Der Wurm erstellt daraufhin verschiedene Kommentare in den Profilen von »Freunden«.

Social-Networking-Plattformen wie Facebook und deren Nutzer geraten immer stärker ins Visier von Verbreitern von Malware.

Net-Worm.Win32.Koobface.b, der Facebook [3]-User angreift, generiert Spam-Nachrichten und schickt diese über Facebook an Freunde des infizierten Anwenders. Die Nachrichten und Kommentare enthalten Texte wie zum Beispiel: »Paris Hilton Tosses Dwarf On The Street«, »Examiners Caught Downloading Grades From The Internet«, »Hello; You must see it!!!« und viele mehr.

Schadcode wird über angeblich Youtube-Seite verbreitet

Die Nachrichten und Kommentare bei Myspace und Facebook enthalten Links zu youtube.[skip].pl. Klickt der Anwender auf diesen Link, wird er auf die Adresse youtube.[skip].ru umgeleitet, auf der sich angeblich ein Videoclip befindet.

Möchte der User den Clip ansehen, erscheint die Meldung, dass er zu diesem Zweck die aktuelle Version des Adobe-Flash-Players benötigt. Anstelle des Players wird jedoch die Datei codesetup.exe auf den infizierten Rechner geladen – ebenfalls ein Netzwurm. Auf diese Weise laden Anwender, die über Facebook auf die Website gelangt sind, den Myspace-Wurm auf ihren Computer und umgekehrt.

Malware-Schreiber setzen auf Gutgläubigkeit der Nutzer

»Leider sind Anwender gegenüber Nachrichten von ‚Freunden’ in sozialen Netzwerken kaum misstrauisch«, sagt Alexander Gostev, Senior Virus Analyst bei Kaspersky Lab. »Die Wahrscheinlichkeit, dass ein User auf einen Link wie diesen klickt, ist daher sehr hoch.«.

Bereits Anfang des Jahres prognostizierten die Experten von Kaspersky Lab, dass Cyber-Kriminelle verstärkt Myspace, Facebook und ähnliche soziale Netzwerke ausnutzen werden. »Unsere Prognose hat sich nun bestätigt. Ich bin sicher, dass dies erst der Anfang ist und die Virenschreiber derartige Quellen künftig verstärkt angreifen werden«, so Gostev weiter.

Alexander Gostev, Viren-spezialist bei Kaspersky:

Die Sicherheitssoftware »Kaspersky Internet Security« erkannte laut Kaspersky diese Bedrohungen und hat die entsprechenden Signaturen am 31. Juli 2008 in die Antiviren-Datenbank aufgenommen.

Social-Networking-Seiten werden gehackt

Wie bereits berichtet [4], hat auch die amerikanische Sicherheitsfirma Websense [5] festgestellt, dass die Internet-Seiten von Social Networks für Virenprogrammieren und Hacker immer interessanter werden. Sie versuchen unter anderem, solche Plattformen zu hacken und über sie Schadcode zu verteilen.

Laut Websense dienen in 75 Prozent aller Fälle, in denen Malware via Internet-Seiten unter die Leute gebracht wird, renommierte Web-Sites als Trägerplattform. Laut Stephan Chenette, Leiter der Security-Labs von Websense, nehmen das vor allem die Betreiber von Social-Networking-Plattformen in Kauf. Sie wollten Nutzer nicht durch zu strenge Sicherheitsvorkehrungen verprellen.

Da auch viele Firmenmitarbeiter am Arbeitsplatz auf Web-2.0-Seiten zugreifen, sind Websense zufolge die laxen Sicherheitsmaßnahmen von Social Networks und Anbietern von Weblog-Plattformen auch eine Gefahr für Corporate Networks.

[1] http://www.kaspersky.de/
[2] http://www.myspace.com/
[3] http://www.facebook.com/
[4] studie-hacker-verteilen-malware-ueber-renommierte-web-seiten/
[5] http://www.websense.com/