Intrusion-Prevention-Systeme:
Tippingpoint distanziert sich von 3Com
Tippingpoint hat sich bereits kurz nach dem Kauf durch 3Com schriftlich vom Partner distanziert und kritisiert jetzt scharf, dass 3Com den Partner nicht unterstütze. Künftig wird der IPS-Anbieter eigene Wege gehen – auch über einen Gang an die Börse.
Nur wenige Akquisitionen von IT-Firmen haben die Erwartungen erfüllt. Der Kauf von Tippingpoint [1] durch 3Com [2] gehört definitiv nicht dazu. Dies belegen die heterogenen Channel- und Produktstrategien und die mageren Synergien zwischen beiden Firmen.
Wünscht sich bessere Unter-stützung durch 3Com: StefanSchmid, Sales Director CentralEurope von Tippingpoint.
Derzeit hat die Sicherheitsfirma rund zehn zertifizierte Partner in Deutschland, von denen ein einziger zugleich qualifizierter 3Com-Reseller ist. »Von 3Com kommt sehr wenig«, klagt Stefan Schmid, Sales Director Central Europe bei Tippingpoint. »Für deren Größe ist ihr Beitrag verschwindend gering.«
Über 3Com kämen kaum Projekte im Bereich Intrusion-Protection herein. Anders herum ist es genauso: Hätte Tippingpoint seinen Kunden und Partner kurz nach der Akquisition nicht schriftlich versichert, dass Channel und Strategie getrennt bleiben, »es wären einige Tippingpoint-Kunden abgesprungen«, so Schmid. »Sie haben sich mit Händen und Füßen gegen 3Com gewehrt.«
Alte Fehler von 3Com belasten Geschäft von Tippingpoint
Zu der schwierigen Partnerschaft tragen auch die Fehler bei, die der Netzwerkanbieter 3Com in den vergangenen zehn Jahren gemacht hat. Vor allem der überraschende Ausstieg aus dem Markt der High-End-Switches vor rund acht Jahren hat viele Anwender in Deutschland verärgert, vor allem große Firmen.
Genau im Enterprise-Segment ist Tippingpoint aber stark. »Wir haben zahlreiche DAX-Unternehmen als Kunden«, sagt Schmid, mit denen der Hersteller im Jahr 2007 rund 9,3 Millionen Euro erwirtschaftet hat.
Für das Ende der Zweckehe spricht die Ankündigung von 3Com, Tippingpoint an die Börse zu bringen. Zwar ist dieser Schritt noch nicht vollzogen, könnte aber 3Com dabei helfen, ein schwerwiegendes Problem aus der Welt zu schaffen.
3Com will Tippingpoint zu Geld machen
Zu Beginn des Jahres erhoffte sich der Anbieter einen gewaltigen Geldstrom, da die Venture-Capital-Firma Bain Capital und die größte chinesische Netzwerkfirma Huawei [3] insgesamt 2,2 Milliarden Dollar in die Firma investieren wollten.
Die IPS-Systeme von Tippingpoint sind vor allem bei Großfirmen im Einsatz, unter anderem Banken und Versicherungen.
Die US-Behörde CFIUS hat diesen Deal allerdings blockiert: Durch den Kauf könne Security-Know-how von Tippingpoint in die Hände der Chinesen geraten, so die Argumentation. Gingen 3Com und Tippingpoint allerdings getrennte Wege, wäre die Grundlage für das Verbot obsolet.
Nur auf dem Papier war die Übernahme durch 3Com sinnvoll. Dies wird spätestens durch Tippingpoints aktuelles Engagement beim Thema Network-Access-Control deutlich. Hier spielen Netzwerk und IPS-Systeme Hand in Hand, um die Rechner externer User auf ihre Gesundheit und Compliance zu untersuchen.
Aber auch diesen Bereich will Tippingpoint mit eigenem Vertriebspersonal abdecken und sucht gezielt nach neuen Partnern. Interessant wären laut Tippingpoint- Manager Schmid Reseller, die NAC als strategische Lösung interpretieren und »nicht unter der Knute von Cisco stehen«.
Intrusion-Protection und NAC auf einer Plattform
Aus Produktsicht bereitet Tippingpoint die Autonomie ebenfalls bereits vor. Geplant ist eine Hardware-Plattform, die IPS- und NAC-Funktionen miteinander verschmilzt. Diese hybride Appliance wird auf einer neu entwickelten Hardware aufsetzen, da die Leistungskraft der bisherigen Systeme nicht ausreicht.
Das Threat Management Center von Tippingpoint sammelt Informationen über neue Angriffstechniken und passt die Schutzmechanismen der IPS-Geräte entsprechend an.
Die NAC-Funktion wird dann als separates Modul lizenziert. »Wir sind aber noch rund eineinhalb Jahre von dieser Lösung entfernt«, sagt Brain Hein, Senior Systems Engineer Central EMEA bei Tippingpoint.
Auf hohen Durchsatz geeicht
Gegenwärtig bietet das Unternehmen acht Modelle seiner Intrusion-Prevention-Systeme an (hier der Link zur entsprechenden Produktbroschüre [4]). Die leistungsstärksten Geräte überwachen bis zu mehr als einer Millionen Connections und zwei Millionen TCP- und UDP-Sitzungen pro Sekunde. Das Einstiegsmodell Tippingpoint 50 kommt auf 5000 Connections und 128.000 Sitzungen.
Das Herzstück, die Threat-Suppression-Engine (TSE), basiert auf selbst entwickelten Bausteinen (ASICS), Netzwerk-Prozessoren und einer Backplane-Technik, die 20 GBit/s unterstützt. Bei Datenpaketen, die durch das IPS geschleust werden, tritt eine Verzögerung von höchsten 84 Mikrosekunden auf. Das lässt selbst Echtzeitdaten, wie Voice und Video over IP unbeeinträchtigt.
Ergänzt werden die IPS-Systeme durch Tippingpoints »Digital Vaccine Service«. Dahinter verbirgt sich die Arbeit von Sicherheitsexperten des Unternehmens. Sie analysieren neue Angriffsformen und passen die Filtermechanismen der IPS-Geräte entsprechend an.
[1] http://www.tippingpoint.com
[2] http://www.3com.de/
[3] http://www.huawei.com/
[4] http://www.tippingpoint.com/pdf/resources/datasheets/400917-007_TippingPointIPS.pdf
- 1. Seite: Tippingpoint distanziert sich von 3Com
- 2. Seite: Auf hohen Durchsatz geeicht
» Newsletter abonnieren
Täglich aktuelle News und Hintergründe für Fachhändler, ITK-Hersteller, Distributoren und aus der Online-Welt.
» Tipp der Redaktion
Das sind die Top-Notebooks
Auf der Suche nach neuen Notebooks sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Unsere Kollegen von der PC Go haben daher die besten Geräte für Sie getestet.
NEC prämiert die schönste Installation
Einen Fotowettbewerb der etwas anderen Art startet NEC Display Solutions für seine Partner. Unter dem Motto »Application Picture Competition« können NEC-Partner Bilder einsenden, die NEC-Produkte im Einsatz zeigen. Für die kreativsten Fotografen winkt als Preis ein iPhone.
SAP will den Cloud-Anbieter Ariba übernehmen
Der Softwareanbieter SAP steht vor einem weiteren großen Zukauf im SaaS-Segment: Für 4,3 Milliarden Dollar wollen sich die Walldorfer den kalifornischen Beschaffungsspezialisten Ariba einverleiben und das Cloud-Geschäft auf diese Weise ausbauen.
» Bilderstrecken
» Meistgelesene News
So sexy sind Deutschlands Bäuerinnen
Vor kurzem war es wieder soweit: Die Macher des Deutschen Bauernkalenders suchten nach den schönsten Botschafterinnen für die Landwirtschaft. Die ansprechendsten Bewerberinnen kamen zum Casting nach München und Hamburg. Wir zeigen Ihnen die besten Bilder der Vorauswahlen in unserer Bilderstrecke ...
Massenentlassungen bei HP geplant
Der Rückgang der PC-Nachfrage und die Zusammenlegung von PC-und Druckersparte haben einschneidende Konsequenzen für die Mitarbeiter von HP. Es sollen laut Medienberichten 30.000 Mitarbeiter entlassen werden.