Nur jeder Zweite holt sich Hilfe: Firmen verschlafen DSGVO-Endspurt

Obwohl in rund sechs Monaten die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung umgesetzt sein müssen, beschäftigen sich längst nicht alle Unternehmen mit dem wichtigen Thema. Nur die Hälfte der Unternehmen hat bislang einen externen Experten konsultiert.

Unternehmen müssen sich mit der Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung beschäftigen.
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In sechs Monaten müssen die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) umgesetzt sein. Trotzdem lassen es noch immer viele Firmen ruhig angehen: Nur jedes zweite Unternehmen in Deutschland mit 20 oder mehr Beschäftigten hat sich bei der Umsetzung der Verordnung bislang Hilfe von externen Experten geholt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Bitkom hervor.

Rund jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) hat mit Blick auf die DSGVO einen Anwalt konsultiert. Auf die Hilfe externer Prüfer oder Auditoren haben 29 Prozent aller Unternehmen gesetzt und eine externe Datenschutzberatung ist in jedem fünften Unternehmen (21 Prozent) durchgeführt worden. »Nur rund jedes achte Unternehmen wird nach eigener Einschätzung bis zum Stichtag die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung vollständig umgesetzt haben«, ist Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsführung für Recht und Sicherheit, überzeugt. Angesichts dieses geringen Anteils und der Höhe der möglichen Bußgelder sei die eher geringe Inanspruchnahme von externer Hilfe bei der Umsetzung überraschend. Praktisch alle Unternehmen seien von den EU-Vorgaben betroffen, da sie für alle Unternehmen gelte, die personenbezogene Daten verarbeiten. »Für Unternehmen, die noch gar nichts getan haben, wird allmählich die Zeit knapp«, so Dehmel. Am 25. Mai 2018 endet eine zweijährige Übergangsfrist, die den Firmen für die Umstellung eingeräumt wurde. Ab diesem Zeitpunkt drohen Unternehmen bei Verstößen Bußgelder in Höhe von bis zu vier Prozent des weltweiten Unternehmensumsatzes.

Nur jedes vierte Unternehmen setzt auf zusätzliches Personal, um die Umsetzung der DSGVO voranzubringen. Personal zu diesem Zweck eingestellt haben sogar nur fünf Prozent der Firmen, die anderen setzen bereits vorhandene Mitarbeiter für die Umsetzung der Vorgaben ein. »Das Thema EU-Datenschutzgrundverordnung sollte in allen Unternehmen eine hohe Priorität haben – oder schnellstmöglich bekommen«, ist Dehmel überzeugt. Den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten könne teuer werden. Der Verband stellt online kostenlose Informationen für Firmen rund um die Datenschutzgrundverordnung zur Verfügung. Dazu zählen neben allgemeinen Infos zum Einstieg die Praxisleitfäden »Datenübermittlung in Drittstaaten«, »Verarbeitungsverzeichnis«, «Risk Assessment und Datenschutzfolgenschutzabschätzung« sowie die «Mustervertragsanlage zur Auftragsverarbeitung«.