Markt im Umbruch: Comodo verkauft Zertifikatsgeschäft

Nach Symantec hat sich auch Comodo von seinem Zertifikate-Business getrennt. Es geht an Francisco Partners, was ob der Beteiligung des Investors an der Spionagesoftwareschmiede NSO Group nicht überall auf Gegenliebe stößt.

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Der Markt für Zertifikate befindet sich im Umbruch. Erst im August hatte Symantec sein einst von Verisign übernommenes SSL-Business an Digicert verkauft, nachdem man wiederholt Ärger mit Google wegen falsch ausgestellter Zertifikate hatte. Und nun trennt sich auch der Marktführer Comodo von diesem Geschäft und verkauft einen Mehrheitsanteil an Francisco Partners, das den früheren Entrust-COO Bill Holtz zum CEO berufen hat. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht veröffentlicht.

Als eigenständiges Unternehmen soll Comodo CA schneller auf Veränderungen im Markt reagieren können und Holtz zufolge auch durch den Verkauf der Symantec-Sparte neue Kunden gewinnen. Der Bedarf an verantwortungsvoller Verifikation von verschlüsseltem Netzwerkverkehr werde noch wachsen, betonte er: »Vertrauenswürdige digitale Zertifikate bleiben eine grundlegende Voraussetzung für die heutige Netzwerksicherheitsinfrastruktur im E-Commerce und das sich entwickelnde IoT.«

Ob Comodo CA allerdings unter dem Dach von Francisco Partners diese vertrauenswürde Instanz sein kann, wird in der Sicherheitsbranche teilweise bezweifelt. Immerhin zählt zum Portfolio des Investors auch die NSO Group, die Spionagesoftware für staatliche Stellen entwickelt und im vergangenen Jahr mit dem Ausspähen von iPhones von sich reden machte. Allerdings bietet Francisco die umstrittene Beteiligung bereits seit Sommer zum Kauf an, doch noch hat sich kein Interessent gefunden, der bereit ist die geforderte Summe von einer Milliarde Dollar zu zahlen.

Chairman von Comodo CA wird Bill Conner, seines Zeichens CEO von Sonicwall, das ebenfalls zu Francisco Partners gehört. Unternehmensgründer Melih Abdulhayoglu wird den verbleibenden Comodo-Teil als eigenständigen Security-Anbieter weiterführen und eine Minderheitsbeteiligung am Zertifikatsgeschäft behalten. Damon Kachur, Leiter des Bereichs IoT Solutions bei Comodo, erklärte gegenüber CRN USA, mithilfe Francisco Partners könne man in den Channel und das IoT-Ökosystem investieren. Man brauche mehr Leute im IoT-Bereich, um international besser Fuß zu fassen.

Vorerst soll das Zertifikatsgeschäft weiter unter der Marke Comodo betrieben werden, doch irgendwann dürfte auch ein Re-Branding anstehen, um Verwechslungen der beiden Unternehmen zu vermeiden.