CRN-Interview mit Thomas Fritz von Kentix: »Physical Security gehört wie IT-Security zur Grundabsicherung«

Kentix-Geschäftsführer Thomas Fritz erklärt im Gespräch, wie die hohe Standardisierung in der Schließtechnik sowie Lösungen mit PoE und Funk dem IT-Channel einen einfachen Einstieg in den Markt für Zutrittskontrollsysteme ermöglichen. Der biete mehr Potenzial als das Smart Home, ist er sicher.

Thomas Fritz, Geschäftsführer von Kentix
(Foto: Kentix)

CRN: Herr Fritz, wie hat sich der Markt für Alarm- und Zutrittskontrollsysteme in den vergangenen Monaten entwickelt, wie sind die Zukunftsaussichten?

Thomas Fritz: Elektronische Physical-Security-Lösungen wie Alarmsysteme oder Zutrittskontrollsysteme wandeln sich immer mehr zu IT-basierten Lösungen. IP-basierte Videolösungen haben es in den letzten Jahren vorgemacht und sind heute fester Bestandteil im Physical Security Business bei Systemhäusern und Integratoren mit zweistelligem Umsatzwachstum. Der Markt für elektronische Physical-Security-Lösungen ist noch ein Konvergenzmarkt, das heißt derzeit verschmelzen die verschiedenen Systeme der klassischen Alarmtechnik zu integralen und immer leistungsfähigeren Lösungen. Die Integration in bestehende IT-Infrastrukturen ist dabei ein Muss.

Die Sicherheitstechnik war bisher ein sehr konservativer Markt mit langen Innovationszyklen. Angetrieben durch die neuen Marktanforderungen nach integralen Lösungen und Services und nicht zuletzt durch den Smart-Building-Markt wird auch der Bereich Physical Security in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum erfahren. Der Ausstattungsgrad an Sicherheitstechnik in den Unternehmen und Haushalten ist besonders in Deutschland noch sehr gering ausgeprägt. Neue IT-Sicherheitsgesetze und Compliance-Anforderungen legen immer mehr Augenmerk auf den Bereich Physical Security; somit werden solche Lösungen auch zum integralen Bestandteil einer sicheren Unternehmensinfrastruktur. Für den IT-Channel sehen wir hier wesentlich mehr Potenzial als im Bereich Smart Home, der mit hohem Wettbewerb und geringen Margen einhergeht.

CRN: Haben Unternehmen das Thema auf der Agenda oder vernachlässigen sie es, weil aktuell gerade klassische IT-Security – der Schutz vor Malware und Hackerangriffen – sehr stark im Fokus steht?

Fritz: Bisher war das so; durch die neuen Anforderungen der Informationssicherheits-Managementsysteme, wie zum Beispiel die ISO27000, rückt aber auch der Bereich physische Sicherheit mehr und mehr in den Fokus. Physical Security gehört wie die klassischen IT-Security-Themen zur Grundabsicherung in den Unternehmen. Da Angriffe von außen für Angreifer immer schwieriger werden, wird auch das Thema Innentäter in Zukunft wichtiger werden. Hier laufen derzeit Forschungen um Innentäter zukünftig mit Methoden des Deep Learning und Daten aus der Physical Security schneller zu identifizieren.

CRN: Alarmanlagen und Zutrittskontrolle sind keine klassischen IT-Themen. Welche Chancen bieten sich IT-Fachhändlern und Systemhäusern, die diesen Markt erschließen wollen?

Fritz: Durch den Wandel der Sicherheitstechnik hin zu IT-basierten Lösungen wird die Integration unweigerlich auch zum Thema für die IT-Systemhäuser werden. Umgekehrt werden sich Unternehmen aus der Sicherheitstechnik viel mehr mit den IT-Themen auseinander setzen müssen. Also ein Markt, in dem die Karten neu gemischt werden und somit für beide Seiten neue Herausforderungen und Chancen entstehen. Eine große Chance für die Systemhäuser ergibt sich sicherlich durch die Integration der Alarm- und Zutrittslösungen in Managed-Service-Angebote. Hier kann man den Kunden mit besserem Service abholen.

CRN: Welche Kenntnisse und Fertigkeiten brauchen Player aus der IT-Branche?

Fritz: Für die IT-Systemhäuser wird die Installation und die physische Integration eine wesentliche Rolle spielen. Hier wird handwerkliches Know-how im Bereich Mechanik und Elektrotechnik benötigt. Die Industrie reagiert darauf mit einfacher zu installierenden Systemen; so werden Zugangskontrollsysteme zunehmend auch über Power over Ethernet versorgt und benötigen keinen Eingriff in die Elektroanlage. Mechanische Türzylinder können durch elektronische, vernetzbare Zylinder einfach ausgetauscht werden. Im Bereich Alarmtechnik spielen funkbasierte Systeme eine immer größere Rolle. Aber natürlich wird es auch Installationen geben, welche einen Spezialisten mit handwerklicher Ausbildung benötigen. Hier ist dann die Zusammenarbeit mit dem passenden Partner wichtig. Es gibt auch Hersteller, die den Systemhäusern solche Serviceleistungen anbieten.

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