CRN-Interview mit Michaela Höllering von Allnet: »Für ›nebenbei‹ eignet sich Sicherheitstechnik nicht«

Im Gespräch mit CRN erklärt Michaela Höllering, Director Sales Video Surveillance & Physical Security bei Allnet, welche Chancen sich für den Channel durch Sicherheitstechnik ergeben und welche Rolle das Zusammenspiel verschiedener Lösungen spielt. Ohne Einarbeitung in das Thema gehe es aber nicht.

Michaela Höllering, Director Sales für Video Surveillance und Physical Security bei Allnet
(Foto: Allnet)

CRN: Frau Höllering, bei IT-Security denken viele Unternehmen vor allem an Malware, Hackerangriffe und Datendiebstahl. Wird die physikalische Absicherung von Firmengebäuden und IT-Infrastruktur vernachlässigt?

Michaela Höllering: Das Bewusstsein für physikalischen Gebäude- und Personenschutz steigt seit einigen Jahren stark an. Wir haben heute ein größeres Empfinden für die Notwendigkeit und auch eine höhere Akzeptanz von Videoüberwachung als noch vor zehn Jahren. Ich denke, die Aufgabe für den Channel ist es daher weniger, Kunden von den Mehrwerten einer Absicherung zu überzeugen, als dem Kunden ein Bewusstsein dafür zu geben, qualitative Produkte in den Anlagen zu verbauen. Zum Teil wird hier, auf Kosten der Qualität und Datensicherheit, gespart.

Dass Kameras in Projekten angeboten werden, die bekanntlich enorme Probleme in puncto Datensicherheit und Cybersecurity aufweisen, ist mir persönlich unverständlich. Hier werden Sicherheitslücken aufgrund von niedrigen Produktpreisen zum Teil billigend in Kauf genommen. Darum sollten sich Unternehmen, die sich logischerweise gegen Hackerangriffen und Datendiebstahl schützen möchten bewusst sein, dass auch die Hardware der Videoanlage eine enorme Rolle spielen kann.

CRN: Auch bei Physical Security ist die Digitalisierung in vollem Gange. Aber wie weit sind die deutschen Unternehmen tatsächlich schon damit, digitale Videoüberwachung einzusetzen, Alarmsysteme zu vernetzen und Zutrittskontrollsystem in die IT zu integrieren?

Höllering: Hier muss man die Gewerke differenzieren. Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und Einbruchmeldeanlagen sind komplett unterschiedliche Gewerke, die nur von wenigen Anbietern aus einer Hand angeboten werden können, da die einzelnen Themen sehr diffizil und anspruchsvoll sind.

Die Videoüberwachungsbranche ist eines der Gewerke, das sich bereits seit vielen Jahren sehr IP-lastig entwickelt. Die meisten Anlagen werden heute auf Netzwerkbasis geplant und umgesetzt. Durch die hervorragenden Schulungsangebote von Herstellern wie Axis, die von Anfang an das Thema IP-Video forciert und vorangetrieben haben, arbeiten eine Vielzahl von IT-Fachhändlern sehr erfolgreich und kompetent an Video-Installationen und -Projekten.

Ich denke, dass auch in der Zutrittskontrolle ein Trend in Richtung unserer Branche stattfinden wird. So weit wie in der Videoüberwachung sind wir hier aber noch nicht.

CRN: Welche Chancen bietet die Sicherheitstechnik für Fachhändler und Systemhäuser aus der IT?

Höllering: Wenn sinnvoll mit der Migration und Zusammenführung der Gewerke umgegangen wird, eröffnet der Sicherheitsmarkt dem Kunden natürlich eine große Chance, um sein Geschäftsfeld zu erweitern, Mehrwerte und Alleinstellungsmerkmale an seine Kunden offerieren zu können und so auch neue Wege zur Margenerzielung zu finden. Wichtig ist jedoch, dass die Sicherheitsanlagen einen hohen Qualitätsanspruch erfüllen.

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