Neue Geschäftsfelder für Fachhändler und Systemhäuser: Die Digitalisierung der Sicherheitstechnik

Das Geschäft mit Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Alarmanlagen und Brandschutz boomt. Für Fachhändler und Systemhäuser aus der IT-Branche tut sich ein attraktives Geschäftsfeld auf, weil die einst analoge Technik zunehmend digitalisiert und damit zum Bestandteil der IT-Infrastruktur wird. Gegen neue Konkurrenten aus dem Elektro- und Errichter-Business können sie vor allem mit ihrer IT-Erfahrung punkten.

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Bei Security wird in der IT-Branche meist an Malware, Hackerangriffe und Datendiebstahl gedacht, doch zur Absicherung der Unternehmensinfrastruktur zählen auch Videoüberwachung, Zutrittskontrollsysteme, Alarmanlagen und Brandschutzvorrichtungen. Bislang war dieses Geschäft eine Domäne spezieller Systemintegratoren, Errichter und Elektrobetriebe. Mit der Digitalisierung der Sicherheitstechnik wird es allerdings auch für Fachhändler und Systemhäuser aus der IT attraktiv. Zumal nicht nur auf der Unternehmensseite das Bedürfnis nach einer physikalischen Absicherung von Gebäuden und Räumlichkeiten wächst, sondern auch bei Privatnutzern. Diese rüsten ebenfalls auf und lassen immer häufiger Videokameras und Alarmanlagen installieren. »Bei den Bürgern steigt das Sicherheitsbedürfnis«, erklärt Norbert Schaaf, Vorstandvorsitzender beim BHE Bundesverband Sicherheitstechnik, »gleichzeitig wirkt sich die Förderung der Kreditbank für Wiederaufbau sehr positiv aus.« Allein 2016 seien von der KfW mehr als 40.000 Zuschussanträge für Einbruchschutzmaßnahmen gewährt und dadurch rund 50.000 Wohneinheiten mit Sicherungstechnik ausgestattet worden.

Keine Frage, der Markt boomt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut BHE mehr als 3,9 Milliarden Euro mit Sicherheitstechnik umgesetzt – ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber 2015 und eine neue Bestmarke. Am größten waren die Zuwächse mit 8 Prozent bei Einbruchsmeldetechnik und Videoüberwachung; speziell die Videoüberwachung ist auch der Bereich, in dem die Umstellung auf IP-Technologie schon am weitesten fortgeschritten ist und in dem Fachhändlern und Systemhäusern der Einstieg am leichtesten fällt. »Einige Hersteller haben spezielle Produktlinien für den Einstieg im Portfolio, bei denen kein komplexes Vorwissen vonnöten ist. Diese Produkte zeichnen sich insbesondere durch einfache Installation und Inbetriebnahme aus und können somit auch von Händlern angeboten werden, die noch neu in der Sicherheitsbranche sind«, sagt Klaus Donath, der bei Ingram Micro bereits vor fast fünf Jahren eine eigene Business Unit für Physical Security aufbaute und mittlerweile das Value Business des Broadliners verantwortet.

Dass Unternehmen an ihrer analogen Technik festhalten, hat zumeist Kostengründe. Dabei hat die Umstellung auf digitale Kameras, die ihre Bilder über das Netzwerk übertragen, zahleiche Vorteile. Dazu zählen beispielsweise der Fernzugriff auf die Geräte, eine hohe Bildqualität sowie die Weiterverarbeitung der Daten ohne Konvertierungen, aber auch die Integrationsmöglichkeiten mit Zutrittskontrollsystemen und Alarmanlagen. Dadurch würden sich die Kosten schnell amortisieren, erklärt Ernst Westerhoff, Business Development Manager Access Control für die Region Middle Europe bei Axis. Zudem müsse die Umstellung nicht auf einmal erfolgen, sondern könne nach und nach passieren.

Über Video-Encoder kann das Videomaterial alter Anlagen digitalisiert und für die neuen Systeme übernommen werden. So lässt es sich dann ebenfalls per Software verarbeiten. Das erleichtert nicht nur das Erkennen und Analysieren von Sicherheitsvorfällen, sondern bietet auch völlig neue Möglichkeiten. »Im stationären Handel beispielsweise können über Videoüberwachung wichtige Daten wie Zählstatistiken, Kundenstrom, Verweildauer, Alter und Geschlecht der Kunden gewonnen werden, die in gezielten Analysen aufschlussreiche Informationen hinsichtlich Personalplanung und Marketing geben«, betont Klaus Donath.

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