Der Preis der Digitalisierung: Logistikbranche im Visier von Cyberkriminellen

Immer häufiger werden Unternehmen der Transport- und Logistikbranche zu Opfern von Cyberkriminellen. Grund dafür ist die zunehmende Digitalisierung der Prozesse bei Verladern, Spediteuren, Transportunternehmen und Infrastrukturbetreibern.

Cyberkriminelle nehmen die Logistikbranche ins Visier.
(Foto: Jaroslav Pachý Sr. - Fotolia)

Die zunehmende Digitalisierung der Prozesse bei Verladern, Spediteuren, Transportunternehmen und Infrastrukturbetreibern hat ihren Preis: Unternehmen der Transport- und Logistikbranche sind stärker denn je gefährdet, Opfer von Cyberkriminalität zu werden. Die eingespielten Systeme des internationalen Güterverkehrs sind vielfältig bedroht. Mit ihren vielen Schnittstellen zwischen zahlreichen beteiligten Unternehmen bieten die Transportketten in großem Umfang Angriffspunkte für illegale Zugriffe. Das umfasst das Hacken von Kunden- und Mitarbeiterdaten ebenso wie die Überwindung von Sicherheits- und Kontrolleinrichtungen von Lägern, Eingriffe ins Hafenmanagement oder das »Entführen« von Lieferdrohnen.

Auch wenn die Branchenführer der Logistik damit begonnen haben, sich auf Cyber-Bedrohungsszenarien einzustellen, verursachen Lücken in Sicherheitssystemen immer größere Schäden in der Branche. Eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman für 2017 allein in Deutschland mit rund drei Milliarden Euro an Schäden durch Cyberkriminelle. 2020 könnten es bereits rund sechs Milliarden Euro sein. Das umfasst lediglich die direkten Kosten von Hacking-Angriffen und Datenlecks. Indirekte, langfristige Kosten, wie Reputationsschäden oder Verluste geistigen Eigentums sind dabei nicht berücksichtigt. »Unabhängig von der Branche liegen die durchschnittlichen Kosten eines Datenlecks bei einem großen Unternehmen schnell bei mehr als einer Million Euro«, sagt Claus Herbolzheimer, Sicherheitsexperte und Partner bei Oliver Wyman. Für die weltweite Logistikbranche rechnet die Analyse im Jahr 2020 sechs mit Milliarden Euro an Schäden durch Cyberkriminalität.

Cyberangriff für Piraten

Bereits heute manipulieren hochspezialisierte Hacker Transportketten gezielt für ihre Zwecke und arbeiten dazu beispielsweise mit Schmugglern zusammen. Dazu dringen die Kriminellen in Hafen- und Zollsysteme ein, um in Erfahrung zu bringen, ob ein Container, der illegale Ware enthält, vom Zoll als unverdächtig eingestuft wurde. Ein Extremfall ist der Eingriff in die GPS-Navigationssysteme von Schiffen. So stehen Piraten exakte Positionsdaten zur Verfügung, um ihre Angriffe zu planen und abzusichern. »Gezielte Attacken sind eine deutlich größere Gefahr für Transport- und Logistikanbieter als etwa die auf Erpressungssoftware basierende Wannacry-Attacke im Mai dieses Jahres«, sagt Max-Alexander Borreck, Principal bei Oliver Wyman.

Auch aus dem Darknet drohen Logistikunternehmen laut der Analyse Gefahr. Dort fanden die Berater beispielsweise Angebote für Kunden- und Mitarbeiterdaten von Logistikern, Hacking-Software für Internet of Things-Anwendungen wie Drohnen sowie gehackte, anonyme Zugänge zu Paketstationen. Gezahlt wird anonym mit der Internet-Währung Bitcoin. »Die missbräuchliche Nutzung von Daten setzt heute kaum noch tiefer gehende Programmierkenntnisse voraus, denn vieles lässt sich im Darknet bereits als Dienstleistung oder Softwarepaket erwerben«, so Borreck.

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