Browsererweiterung als Spion: Drei Millionen deutsche Internetnutzer ausgespäht

Die Daten von rund drei Millionen deutschen Internet-Nutzern wurden vermutlich durch die beliebte Browsererweiterung »Web of Trust« ausgespäht und weitergegeben. Darunter befinden sich auch Angaben zu zahlreichen Politikern, wie das NDR Magazin »Panorama« jetzt berichtet.

Beliebte Browsererweiterung spioniert offenbar Anwender aus.
(Foto: Kurhan - Fotolia.com)

Die auch hierzulande beliebte Browsererweiterung »Web of Trust« späht offenbar Daten aus und gibt sie weiter. Unter den detaillierten Daten von drei Millionen deutschen Internet-Nutzern, die das NDR Magazin »Panorama« im Handel beziehen konnte, finden sich auch Angaben zu zahlreichen Bundes- und EU-Politikern. Die Datenspur reiche bis ins Bundeskanzleramt, heißt es. Damit sind sensible Informationen ausgeforscht worden, etwa zu Reisen und Treffs, zur Vorbereitung interner Sitzungen, zum Umgang mit Interessengruppen oder auch zu privaten Dingen wie Vermögensverhältnissen und Gesundheit.

Was das konkret bedeutet, zeigt der Fall von Valerie Wilms, Bundestagsabgeordnete der Grünen. Die Browser-Daten zeigen Reiseverläufe von Wilms, geben Hinweise auf ihre Gesundheit, ihre Steuerdaten und lassen Einblicke in ihre politische Arbeit zu. »Natürlich kann es schaden. Man wird damit durchaus erpressbar«, sagt Wilms dem NDR. In den Daten tauchen auch Politiker auf, die in hochsensiblen Bereichen arbeiten, wie beispielsweise vom CDU-Politiker Helge Braun, der als Vertrauter von Angela Merke gilt. Über den Computer eines seiner Mitarbeiter sind Brauns Informationen in den Datensatz gelangt. Den Politiker überrascht vor allem, »dass es oftmals ungeachtet der Unzulässigkeit des Datenabflusses schwierig ist, als Anwender diesen überhaupt nachzuvollziehen«, so Braun auf NDR-Anfrage.

Der Europa-Parlamentarier Martin Häusling, ebenfalls betroffen, zeigt sich geschockt: »Aus sowas kann ja jeder ablesen, an was ich arbeite, wo ich selber Recherchen mache, mit wem ich mich treffe«. Wer Häusling politisch schaden wolle, könnte mit Hilfe dieser Daten seine Informanten und Gesprächspartner enttarnen, seine Strategien erahnen - und damit seine Arbeit sabotieren. Ähnlich äußert sich Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD gegenüber dem NDR. Er ist in dem ausgewerteten Datensatz ebenfalls personalisierbar. »Ich habe nicht gewusst, dass solche Sachen identifizierbar sind. Vielleicht ist man da naiv an der Stelle, aber man braucht auf jeden Fall Aufklärung darüber, welche Daten eigentlich erhoben werden und was mit den Daten dann passiert«, so Klingbeil. Wenn sich herausstelle, dass man den Firmen nicht einfach vertrauen könne, müssten Gesetze her.

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