Börsenkampf der IT-Giganten:
Apple erstmals mehr wert als Microsoft
Als gestern Abend die US-Börsen den Handel einstellten, endete der Börsentag für die IT-Branche mit einer Sensation: Am 26. Mai 2010 war Apple den Anlegern an der Börse mit 222 Milliarden Euro erstmals mehr wert als der große Erzrivale Microsoft, der auf 219 Milliarden Euro Gesamtwert fiel.
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Vom belächelten Nischenanbieter an die Weltspitze: Der Apfel hat sich durchgesetzt. (Bild: fotolia.de)
Gut zehn Jahre nachdem viele Analysten Apple [1] schon abgeschrieben hatten, zeigte sich der Konzern von Steve Jobs gestern an der Börse als wahrer Phönix aus der Asche. Im Verlauf des Handelstages vom 26. Mai 2010 überholte der Börsenwert des Unternehmens erstmals den des ewigen und weitaus größeren Rivalen Microsoft [2]. Schon kurz nach Handelsbeginn am Morgen hatte sich der Aktienwert von Apple an Microsoft vorbei geschoben und konnte sich anschließend im Verlauf des Tages leicht absetzen. Zum Handelsschluss war Apple dann 222 Milliarden US-Dollar wert, während es Microsoft nur noch auf 219 Milliarden Dollar brachte.
Damit ist Apple nun das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen der USA nach dem Exxon Mobil Konzern. Besonders befeuert wurde der Marktwert des Unternehmens im Zeichen des Apfels in letzter Zeit durch das iPad und die Erwartungen an die neue Generation des iPhones, die demnächst vorgestellt werden soll. Insgesamt konnte Apple in diesem Jahr etwa 17 Prozent an Marktwert zulegen, während Microsoft fast im selben Ausmaß Boden verlor.
Mit solchen Erfolgen hat Apple in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt, den so schon kaum noch jemand für möglich gehalten hätte. Noch 1997 hatte etwa IT-Größe Michael Dell den Apple-Verantwortlichen folgenden Rat mit auf den Weg gegeben: »Was würde ich an Ihrer Stelle machen? Ich würde den Laden zusperren und den Investoren ihr Geld zurück geben.«. Spätestens jetzt wird Steve Jobs herzlich darüber lachen, wenn er Dells Börsenwert sieht, der bei rund einem Zehntel desjenigen seines eigenen Unternehmens liegt. Aber auch Microsoft durfte nicht ganz traurig über die Wertsteigerung von Apple sein – immerhin ist man seit 2003 selbst Anteilseigner am Konkurrenten.
Skandale um Fertigung
Das iPad katapultierte Apple in den letzten Wochen auch an er Börse noch weiter nach Oben.
Für Apple kommen solche Jubelmeldungen momentan zu einem günstigen Zeitpunkt, da es momentan auch wieder einige Kritik am Unternehmen und seiner Produktpolitik gibt. Viel wichtiger als die Apple-üblichen Diskussionen um die Stärken, Schwächen und Chancen von iPad und Co sind dabei neue Anschuldigungen über skandalöse Zustände in den Fabriken der Auftragsfertiger. So berichteten Medien wie Der Spiegel in den letzten Wochen mehrfach über eine Selbstmordserie unter den Arbeitern der taiwanesischen Fertigungsgesellschaft Foxconn.
Menschenrechtsorganisationen sehen darin eine zumindest absichtlich in Kauf genommene Ausbeute der asiatischen Arbeitskräfte zur Steigerung des Konzernerfolges: Während die Produkte in Asien zu billigsten Preisen und oft auch auf Kosten der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter hergestellt werden, verkauft Apple sie in den westlichen Ländern mit Margen von teilweise über 30 Prozent. Doch ganz so tatenlos wie es die Gegenseite darstellt, sieht Apple den zuständen bei den Fertigern nicht zu. So sollen jetzt beispielsweise gemeinsam mit anderen Herstellern wie Dell und HP die Zustände bei Foxconn eingehend untersucht werden.
Gleichzeitig zu den Produktionsbedingungen droht Apple derzeit auch noch von ganz anderer Seite Ungemach: die US-Kartellbehörden prüfen aktuell, ob Apples abgeschlossene iTunes-Umwelt nicht einer Art Monopol gleichkommt und damit zerschlagen oder für Drittanbieter geöffnet werden muss.
[1] http://www.apple.com/de/
[2] http://www.microsoft.com/de/de/default.aspx
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