Gastkommentar: Datenpannen im Sozialen Netz:
»SchülerVZ-Nutzer aufgepasst: Ihr bezahlt mit Euren Daten«
Für die jüngeren Generationen ist es heute selbstverständlich, Freundschaften und Kontakte über Social Networks zu suchen und pflegen, sowie darüber zu kommunizieren und die Freizeit zu gestalten. Dabei verlieren die Kids - aber auch gestandene Erwachsene - schnell aus den Augen, welche gigantische Datensammlungen hinter diesen Netzwerken stehen, mahnt Frank Schwittay, Managing Director Central Europe bei Trend Micro, mehr Eigenverantwortung an.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
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Frank Schwittay, Managing Director Central Europe bei Trend Micro.
1,6 Millionen abgegriffene Datensätze bei SchülerVZ – so oder so ähnlich lauten die neuesten Schlagzeilen zur beliebten Online-Plattform, an der rund 5,5 Millionen Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Nach ersten Recherchen unserer Sicherheitsforscher handelt es sich nicht um eine Datenpanne oder Datendiebstahl, sondern »nur« um das massenhafte Abgreifen von öffentlich zugänglichen Daten, die von den Kindern und Jugendlichen selbst ins Netz gestellt wurden.
Viel wichtiger als das Abgreifen dieser Daten ist aber die Tatsache, dass sie miteinander zu Profilen verknüpft wurden. So wird es für einen Pädophilen unter Umständen möglich, alle Kinder unter 11 Jahren zu ermitteln, die in seiner Nähe wohnen – ein Horrorszenario, das leider nur zu realistisch ist.
Ganz ähnlich gehen viele »kostenlose« Online-Plattformen vor, wenn sie Daten ihrer Nutzer miteinander in Beziehung setzen. Denn in Wahrheit ist natürlich nichts kostenlos, nur heißt die Währung, mit der die Nutzer auf frei zugänglichen Online-Plattformen bezahlen, nicht Euro, sondern persönliche Daten. Wer sie intelligent miteinander in Beziehung setzt, erfährt mehr über die Gewohnheiten und Vorlieben der Nutzer, als diesen lieb ist. Dies gilt umso mehr, wenn Daten aus verschiedenen Plattformen miteinander verknüpft werden. Wer aber durchschaut ist, wird unter Umständen auch manipulierbar und zur leichten Beute für Cyberkriminelle.
Daten-Geiz ist geil
Der Preis für die »kostenlosen« Social Media Dienste sind die eigenen Daten. (Bild: ktsdesign, Fotolia.com)
Bei dem für den Datenabgriff bei SchülerVZ verwendeten Werkzeug – einem so genannten Crawler mit Namen LenaML – handelt es sich um ein Forschungsprojekt; die Aktion stellt somit einen Weckruf für mehr Wachsamkeit und keinen kriminell motivierten Angriff dar.
Wenn der aktuelle Fall Schülerinnen und Schüler - aber auch Unternehmensverantwortliche - etwas lehrt, dann dieses: Weniger ist mehr. Mit persönlichen Daten muss im Internet sorgsam, sparsam, ja geizig umgegangen werden. Anonymität gibt es nur im privaten Bereich, nicht aber im Internet, auch wenn es noch so sehr den Anschein hat.
Diese Lektion gilt für Unternehmen genauso, wie im privaten Bereich: Soziale Netzwerke stellen für Unternehmen eine hervorragende Chance dar, mit Kunden und Partnern in einen regelmäßigen Austausch zu treten und Neuheiten zu kommunizieren. Umso wichtiger ist aber der sorgsame Umgang mit den dort veröffentlichten Daten. Gerade wenn die Nutzung von Online-Plattformen aus unternehmerischen Gründen gewollt ist, müssen klare Regeln herrschen, welche Informationen veröffentlicht werden sollen und dürfen und welche nicht.
Dabei wird es nicht ohne die Unterstützung der Anwender mit Hilfe von professionellen Sicherheitslösungen gegen Datenverlust und -diebstahl (DLP, Data Leak Prevention) gehen. Nur durch das Zusammenspiel von klaren Regeln und IT-Sicherheitstools lässt sich verhindern, dass intellektuelles Eigentum und Betriebsgeheimnisse über soziale Netzwerke ihren Weg in die Öffentlichkeit finden – und sei es nur aus Versehen.
*Frank Schwittay ist Managing Director Central Europe bei Trend Micro [1].
[1] http://de.trendmicro.com/de/home/
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