Social Data Mining:
1,6 Millionen Datensätze aus SchülerVZ kopiert

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

05.05.2010

Das Social Network SchülerVZ hat erneut mit einem unangenehmen Datenvorfall zu kämpfen. Einem Computerexperten ist es gelungen Datensätze von über 1,5 Millionen Schülern zu kopieren, knapp einem Drittel der gesamten Nutzer des Netzwerkes. Als Hilfestellung für Eltern bietet der BVDW einen Leitfaden über den richtigen Umgang mit Social Media Angeboten an.

Erneut konnten die Daten von 1,6 Millionen Schülern aus dem SchülerVZ kopiert werden. (Bild: Mykola Velychko, fotolia.com)

Nur wenige Monate nach dem tragischen Fall eines Schülers, der sich Daten aus dem Social Network SchülerVZ [1] kopiert hatte und das Netzwerk damit erpressen wollte (siehe: Über eine Million Datensätze von SchülerVZ »abgesaugt« [2]), gibt es dort nun erneut ein unschönes Datenproblem. Über einen gefälschten Login konnte ein Computerexperte Daten von 1,6 Millionen SchülerVZ-Nutzern aufrufen und kopieren. Damit sind Daten von über einem Drittel der großteils minderjährigen Nutzer von dem neuen Vorfall betroffen.

Die Verantwortlichen von SchülerVZ versuchen die Wogen nun zu glätten und verweisen darauf, dass nur solche Daten von den Profilen kopiert worden seien, die sowieso für alle registrierten Mitglieder sichtbar seien. Ihnen lägen keine entwendeten Datensätze vor, die private Daten der Nutzer enthalten würden. Andere Quellen im Netz gehen hingegen davon aus, dass auch weiterführende Daten abgegriffen wurden. Weitere Einzelheiten dazu werden wohl erst in den nächsten Tagen ans Licht kommen, wenn der aktuelle Vorfall genauer untersucht wurde.

Nichtsdestotrotz verweist gerade dieser Sachverhalt auf das grundsätzliche Problem hinter den Datenpools der Netzwerke. Denn über entsprechende Software lässt sich, beispielsweise wie im aktuellen Fall mit einem gefälschten eigenen Profil, eine veritable Datensammlung über die Nutzer anlegen. So wäre es mit den entsprechenden Tools etwa relativ problemlos möglich, eine Daten- und Bildersammlung über alle 17 jährigen Mädchen einer Region zu erstellen, die Single sind und Pferde mögen. Neben pubertären Dummen-Jungen-Streichen bieten solche Datensätze damit auch eine Plattform für allerlei weitaus gefährlichere Aktionen, etwa durch Triebtäter, Erpresser oder ähnliche kriminelle Elemente.

Keine Sperre ist wirklich sicher

Die Datensicherheit des SchülerVZ trägt sogar das entsprechende TÜV-Siegel.

Wie bereits bei anderen Vorfällen bekommt nun die Diskussion über die Datensammlungen der Netzwerke wieder neuen Zündstoff. Vor allem stellen sich die Fragen: Welche Daten sollen und dürfen überhaupt in einem Profil hinterlegt werden und wie können sie gegen unbefugte Zugriffe geschützt werden? Denn wie der aktuelle Fall wieder deutlich zeigt, ist es nahezu unmöglich, die Daten wirklich gegen alle Eventualitäten abzusichern.

So gibt es bei VZ seit dem Fall im vergangenen Herbst sogar ein spezielles System das eigentlich verhindern soll, dass Profildaten in größeren Mengen abgesaugt werden können. Sogar der TÜV bescheinigt dem Netzwerk mit seinem Prüfzeichen die geprüfte Datensicherheit. Allerdings umging der Computerfachmann diese Sperre einfach, indem er mehrere Profile und Mailadressen benutzte, um die Datensammlung anzulegen. Mit solchen Methoden finden Angreifer – wie im Schattenreich Internet üblich – immer wieder neue Wege, die Sperren doch auszuhebeln und an die Daten zu gelangen.

Dabei sind die VZ-Netzwerke (SchülerVZ, StudiVZ, MeinVZ) zumindest bei ihren Grundeinstellungen zum Datenschutz auf den Profilen sowieso schon einer der vernünftigeren Kandidaten. Bei anderen Netzwerken wäre der aktuelle Fall wesentlich gefährlicher gewesen, da bei einigen Netzwerken per Grundeinstellung fast alle Daten freigegeben werden – damit sind auch den Datensammlern nochmals wesentlich mehr Profile voll zugänglich. Die wichtigste und beste Vorsichtsmaßnahme ist und bleibt es damit, eigene Verantwortung zu übernehmen und sich sehr genau zu überlegen, welche Daten wirklich ins Profil sollen und entsprechende Einstellungen für die (Un)Sichtbarkeit zu setzen.

BVDW-Leitfaden: Richtiges Verhalten in Sozialen Netzwerken

Axel Schmiegelow vom BVDW empfiehlt Eltern unbedingt eigene Erfahrung im Umgang mit Social Networks zu sammeln.

Einen Leitfaden, wie Eltern ihre Kinder vernünftig beim Umgang mit den sozialen Medien des Web 2.0 unterstützen können, bietet beispielsweise der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW [3]) an. Darin bekommen die Eltern, die auf diesem gebiet oft selbst noch nicht sonderlich bewandert sind, Antworten auf die häufigsten Fragen, praktische Tipps, erste Handlungsempfehlungen und allgemeingültige Informationen für die sichere Nutzung von Sozialen Netzwerken. Unter den Autoren finden sich Mitarbeiter der Netzwerke wie Christiane Biederlack (VZ), Christina Brenck (lokalisten.de) ebenso wie Mike Schnoor (sevenload), Unitleiter Business Development/Marketing der Fachgruppe Social Media im BVDW.

Folgende 10 Themen werden Eltern und Kindern im Leitfaden »Meine Kinder in Sozialen Netzwerken - 10 Tipps für Eltern, um den richtigen Umgang zu fördern« näher gebracht:

  1. Wie kann ich mein Kind beim sicheren Umgang mit Sozialen Netzwerken unterstützen?
  2. Wie viel Zeit darf mein Kind in Sozialen Netzwerken verbringen?
  3. Wie kann ich die Medienkompetenz meines Kindes zielgerichtet aufbauen?
  4. Welche Angaben sollte mein Kind in Sozialen Netzwerken machen?
  5. Was geschieht mit den Daten und Informationen meines Kindes?
  6. Kann sich mein Kind bei den Sozialen Netzwerken abmelden und sind die Daten dann gelöscht?
  7. Welche Rechte hat mein Kind und welche Rechte habe ich als Elternteil?
  8. Wie kann ich handeln, wenn mein Kind gemobbt, bedroht oder belästigt wird?
  9. Muss ich mit Kosten rechnen?
  10. An wen kann ich mich mit meinen Sorgen wenden?

Eigene Erfahrung wichtiger als alle Tipps

Hilfe, Anleitungen und Tipps für den richtigen umgang mit Social Media: der Leitfaden des BVDW.

»Oft ist es Eltern nicht möglich, die Aktivitäten ihrer Kinder in Sozialen Netzwerken im Auge zu behalten und notfalls einzugreifen beziehungsweise zu reglementieren. Es fehlt schlichtweg das Know-how. Der neue BVDW Leitfaden ist ein erster Schritt zur Stärkung der Medienkompetenz sowohl der Erziehenden, als auch der Kinder. Wichtig ist aber auch praktisches Wissen. Wir empfehlen daher allen Eltern, eigene Erfahrungen mit Sozialen Netzwerken zu sammeln«, sagt Axel Schmiegelow (sevenload), Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im BVDW.

Der Leitfaden ist kostenlos auf der Homepage des BVDW [4] zu erhalten. Dort gibt es auch weitere Leitfäden zu Themen wie »Social Media Code of Ethics« und »Sicherer Einstieg in Soziale Netzwerke - 10 Tipps, die Nutzer beachten sollten«, die auch den Einsatz sozialer Netzwerke im Unternehmensumfeld genauer beleuchten.

[1] http://www.schuelervz.net/
[2] http://www.networkcomputing.de/netzwerk/sicherheit/artikel-8346.html
[3] http://www.bvdw.org/
[4] http://www.bvdw.org/medien/bvdw-10-social-media-tipps-fuer-eltern?media=1861

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