Abzocke mit Apple-Auslaufmodellen:
Vorsicht Falle: Faule Äpfel bei Saturn

von Dr. Joachim Gartz (joachim.gartz@crn.de)

29.04.2010

Ein CRN-Redakteur hat am eigenen Leib erfahren, dass die Beratungsqualität bei den großen Retail-Ketten zuweilen stark zu wünschen übrig lässt. Wenn arglosen Kunden Auslaufmodelle zum exakten Preis der bereits verfügbaren neuen Rechner-Generation angeboten werden, ist das im Grunde schon fast kriminell.

Wer als Kunde bei Saturn auf eine optimale Beratung vertraut, kann eventuell eine böse Überraschung erleben

Nachdem bei meinem guten alten Macbook das Trackpad seinen Geist aufgegeben hatte, beschlichen mich plötzlich geheime Wünsche, die ich bisher stets souverän verdrängt hatte. Schon lange gefiel mir das schicke Design der neuen MacBook Pro-Rechner von Apple, die mit ihren schwarzen Glasrahmen einfach cool aussehen. Und hatte ich mich nicht schon lange über die elend langen Reaktionszeiten bei meinem derzeitigen Rechenknecht geärgert? Der Wunsch nach einem neuen Rechner war auf einmal so groß, dass alle rationalen Erwägungen in den Hintergrund traten. Und hatte Apple nicht gerade eine neue MacBook-Generation gelauncht, die auf ultraschnellen Intel-i5- und i7-CPUs basierten? Konnte es einen besseren Zeitpunkt geben, sich einen neuen Mac zuzulegen? Selbst Berichte im Internet laut denen sich das aus einem einzigen Stück Aluminium gefertigte 17-Zoll-Modell bei extremer Rechenbelastung auf über 100 Grad erhitzen soll, konnten mich jetzt nicht mehr aufhalten.

Konnte es einen besseren Zeitpunkt geben, sich einen neuen Mac zu kaufen?

Das Objekt der Begierde: Das neue MacBook Pro

Es war mein freier Tag, die Sonne schien und ich machte mich auf zu den Riem-Arcaden im Münchner Osten, wo ein großer Saturn-Markt zu finden ist, über den ich – aufmerksame CRN-Leser erinnern sich – vor einiger Zeit schon einmal berichtet hatte. Damals ging es darum, dass in ganz Europa in den Filialen der Media Saturn Holding ausschließlich Intel-basierte Rechner zu finden sind. Das ist übrigens immer noch so. Doch davon ein andermal mehr.

Im Saturn Markt schweifte mein Blick über die neuen MacBooks, die in natura noch schicker als auf den Fotos der offiziellen Apple-Pressemiteilung aussahen. Um wenigstens noch einen kleinen Rest an rationaler Zurückhaltung walten zu lassen, entschied ich mich für das kleinste MacBook-Pro mit 13-Zoll-Monitor. Im Apple Online Store hatte ich vorher schon ganz kurz nachgeschaut und festgestellt, dass der EVK bei 1.149 Euro liegt. Mit den technischen Spezifikationen hatte ich mich dagegen gar nicht so intensiv beschäftigt. Mit einem Mac der neuesten Generation konnte ich doch nicht viel falsch machen, dachte ich mir. Ich fragte also den freundlichen Saturn-Verkäufer, der bereits herbeigeeilt war, was das gute Stück denn kosten möge: Der Preis des 13-Zöllers läge bei 1.149 Euro. Und: Nein, bei dem Preis könnte man nichts mehr machen, antwortete mir der gute Mann auf meine Frage. »Was wollen Sie denn noch? Sie haben vier GByte RAM, eine große Festplatte und ein 13-Zoll-Display. Nein, da kann man nix mehr machen«, bekräftige der Verkäufer nochmals seine Aussage. Nun ja, dachte ich mir. Dann ist es eben so. Die Entscheidung war gefallen. Dieses MacBook Pro sollte ab sofort in mir einen ebenso kompetenten wie würdigen Besitzer finden.

Der Moment der Ernüchterung

Wenig später zu Hause beim Auspacken des Rechners war die Freude zunächst groß, das Objekt der Begierde endlich in den eigenen vier Wänden zu haben. Doch dann der Moment der Ernüchterung. Im System Profiler des Rechners stand etwas von Juni 2009. Bei einem neuen Rechner konnte so etwas aber nicht möglich sein. Schließlich hatte Apple die Teile im April 2010 gerade erst auf den Markt gebracht. Ich schaute mir die technischen Spezifikationen noch etwas genauer an und realisierte nun, dass man mir nicht das funkelnagelneue MacBook-Pro mit 320 GByte Festplatte, sondern das Vorgängermodell mit 160 GByte und einer wesentlich langsameren CPU verkauft hatte. Das durfte doch nicht wahr sein. Wie konnte ich mir als gestandener CRN-Redakteur, der schon unzählige Artikel über die Firma mit dem Apfel-Logo geschrieben hat, nur einen veralteten Mac unterjubeln lassen?

Saturn-Abteilungsleiter: Kunde ist selbst schuld

Ich griff zum Telefon und ließ mir die PC-Abteilung bei Saturn geben. Ich schilderte dem Abteilungsleiter was vorgefallen war, der daraufhin zunächst meinte, dass es meine eigene Schuld sei, wenn ich nicht richtig aufgepasst hätte. Ich fragte dann in einem höflichen aber bestimmten Ton, ob der Verkäufer mich nicht in dem Moment, wo ich gefragt hatte, ob man an dem Preis nicht noch etwas machen könnte, darauf hätte aufmerksam machen müssen, dass es sich bei dem fraglichen Rechner um das Vorgängermodell handelte. Der Abteilungsleiter gab nun langsam nach und bot mir den Rechner zu einem Abschlag von 100 Euro an. Immerhin, aber eigentlich hatte ich einen neuen Rechner kaufen wollen. Am nächsten Tag ging ich zu Saturn und gelangte letztlich doch noch an einen neuen Rechner.

Verkäufer gibt am Ende Fehler zu

Zuvor hatte mir der Abteilungsleiter erklärt, dass an dem Tag des Kaufes zwar neue 15-Zoll-Modelle verfügbar gewesen seien, zugleich aber auch noch alte 13-Zöller im Regal standen, weil diese noch nicht verfügbar gewesen seien. Alles gut und schön, aber ich wage jetzt einfach mal zu behaupten, dass es noch unbedarftere Kunden geben mag, die womöglich überhaupt nicht gemerkt hätten, dass man ihnen einen alten Rechner zum Preis des aktuellen Modells angedreht hat, zumal sich die alte und neue Generation äußerlich sehr stark gleichen. Zum Abschied sagte ich dem Saturn-Verkäufer, der schließlich auch zugab, dass er sich wohl nicht ganz korrekt verhalten habe, dass ich mir in Zukunft eine seriösere Beratung wünschen würde. Gleichzeitig überlegte ich in diesem Moment schon, ob die ganze Angelegenheit nicht einen kleinen Artikel wert wäre ...

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