Altes Eisen:
Münchens lahmster PC gekürt

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

20.04.2010

Der Münchner Radiosender Charivari und der Systemotimierungs-Spezialist PC Pitstop haben den langsamsten aktiven PC Münchens gekürt. Der »Gewinner« ist ein Pentium II mit 350 MHz, der teils sogar zu schleppend für die Testprogramme lief. Seine Besitzerin wurde umgehend mit einem nagelneuen Rechenknecht ausgestattet.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)

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Schlecht gepflegte werden mit zunehmendem Alter extra-langsam. (Bild: liliya kulianionak, Fotolia.com)

Die Hardware-Hersteller, insbesondere die Chip-Produzenten, versuchen bei den Anwendern ständig mit neuen Produkten aufzutrumpfen, die noch mehr Geschwindigkeit und Leistung versprechen. Ging dies früher meist hautsächlich über die Taktrate als Marketingargument, so übertrumpft man sich inzwischen mit sechs bis acht Kernen in einer Desktop-CPU. Daher glaubt man heutzutage schnell, dass ein PC von letztem Jahr schon zum Alt(en)Eisen gehört und dem Arbeitsalltag nicht mehr gewachsen sei.

Doch auch wenn manche der alten Mühlen tatsächlich mit einigen heutigen Programmen und Anforderungen nicht mehr zurechtkommen, sieht die Realität in Deutschlands Wohnzimmern – abgesehen von der jugendlichen Gaming-Fraktion – anders aus. Das hat jetzt auch eine gemeinsame Aktion von Radio Charivari [1] und dem Systemoptimierungs-Spezialisten PC Pitstop [2] in München deutlich gezeigt: Bei der Suche nach dem langsamsten aktiven (Privat-) PC Münchens wurden gleich reihenweise Uralt-Modelle ins Rennen geschickt, bei denen sich mancher echte oder selbst ernannte IT-Profi an längst vergangene Zeiten erinnert fühlt.

Den eindeutigen »Spitzenplatz« belegte jedoch ein Desktop-PC mit Intel Pentium II Prozessor und mit 350 MHz Taktfrequenz. Seit rund zehn Jahren ist das System seiner Besitzerin bereits mehr oder weniger hilfreich zu Diensten. Eine ehemalige Power-Rechenmaschine, deren Leistungsdaten inzwischen jedoch von jeder Grafikkarte und sogar von einigen Smartphones mit Leichtigkeit übertroffen werden. Die CPU-Leistung wurde im Test gar mit einem negativen Wert gemessen (Einzelne Testergebnisse siehe Bilderstrecke auf Seite 3).

Zu langsam für die Mess-Software

Einst ein echter Bolide in Sachen Performance (und Größe): Der Pentium II von Intel.

Das altersschwache Pentium-System war dabei sogar so schlecht, dass es gar neue Maßstäbe definierte – nach Unten: Der Gewinner-PC arbeitete so schleppend, dass bei einigen der durchgeführten Leistungstests die Werte nicht einmal mehr richtig erfasst werden konnten. Und auch diejenigen Messwerte, die erfasst werden konnten, sind im Vergleich zu Millionen von aktuellen Messergebnissen von PC Pitstop beinahe schon eine Klasse für sich. Bei der Festplattenleistung zählt der alte Pentium Desktop etwa zu den langsamsten sieben Prozent weltweit, bei der Grafikleistung gar zu den schlechtesten vier Prozent.

Ergebnisse, die selbst die einiges gewohnten Profis deutlich überraschten: »Beim Sieger-PC war für uns erstaunlich, dass mit ihm überhaupt noch gearbeitet werden konnte«, wunderte sich Ralf Biesemeier, Marketingleiter bei PC Pitstop in Castrop-Rauxel. In so einem hoffnungslosen Fall könnten auch die Speed-Experten nicht mehr helfen: »Bei derart alten und schlecht ausgestatteten Rechnern lässt sich dann selbst mit Tuning nicht mehr viel ausrichten. PCs, die nur einige Jahre auf dem Buckel haben, können mit Tuning aber deutlich an Leistung zulegen. Hier kann man die Nutzungsdauer ohne weiteres um ein paar Jahre verlängern.«

Wie die Tuning-Spezialisten bei einer genaueren Untersuchung des Rechners herausfanden, lag das enorm schlechte Abschneiden zum Teil auch an einer schlechten Systempflege in den letzten zehn Jahren. So fanden sie mit ihren Analysetools alleine rund 11.000 unnütze und doppelte Dateien auf der Festplatte, die die Leistung des Systems weiter einschränkten.

Der langsamste Firmenrechner?

Vielleicht gibt es in einigen Unternehmen noch solche Schätze wie den Tandy TRS 80?

Zumindest für die Besitzerin der lahmsten Krücke hat die Sache ein gutes Ende: Sie bekommt einen Einkaufsgutschein in Höhe von 500 Euro für einen neuen PC, der dann einiges mehr an Leistung »unter der Haube« haben dürfte. Ihr alter Rechner ist hingegen ein Fall für den Elektroschrott – oder im besten Fall noch fürs Museum.

Mehr Hoffnung gibt es für diejenigen PC-Besitzer, deren Geräte im Wettbewerb die Plätze zwei bis sechs belegten. Sie erhalten kostenlose Lizenzen für die PC-Tuning-Lösung von PC Pitstop, um die Lebenszeit ihrer Rechner noch etwas zu verlängern. Allerdings lässt es sich auch mit Software-Beschleunigern auch nicht vermeiden, ab und an selbst Hand anzulegen: Wer seinen Rechner und die Lüfter von CPU und Grafikkarte regelmäßig entstaubt sorgt für bessere Belüftung und damit sowohl für mehr Geschwindigkeit, als auch eine längere Lebensdauer der Komponenten (siehe: »Lazy Friday: Staubige Bilder aus der PC-Hölle [3]«).

Nach dem großen Erfolg der Aktion überlegen die Veranstalter nun auch einen ähnlichen Wettbewerb für Firmen-PCs ins Leben zu rufen. Man möchte fast glauben, dass es hier oder da noch einige Maschinen im Einsatz gibt, die den jetzt aufgestellten Negativrekord nochmals deutlich übertreffen werden – immerhin sollen selbst in manchem IT-Fachverlag dem Vernehmen nach noch einige PCs mit »Intel Pentium inside« Aufklebern im täglichen Einsatz sein.

Die einzelnen Testergebnisse des alten Pentiums im weltweiten Vergleich:

Bildergalerie: Der lahmste PC Münchens

Bild 1Bild 2Bild 3

Klicken Sie auf ein Bild, um die Bildergalerie zu öffnen.

[1] http://www.charivari.de/
[2] http://www.pcpitstop.com/de/
[3] http://www.informationweek.de/panorama/artikel-33396.html

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