Wie Mitarbeiter erfolgreich kommunizieren:
Lazy Friday: Die schlimmste Fehler im Social-Web
Warum geht es einer Ölsardine besser als einer Verkäuferin im Schleckermarkt? Social-Web beantwortet wichtige Fragen, die sonst nie gestellt worden wären. Wir sagen Ihnen, worauf es bei einer Social-Media-Strategie ankommt. 10 Tipps zur Vermeidung grober Schnitzer.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 4)
Tipp 1: Definieren Sie Ziele (auch wenn Sie keine finden)
Sauerreien wie schlechte Arbeitsbedingungen bei Schlecker sollten im Social-Web lieber unter Verschluss bleiben
Dem Social-Web, also das institutionalisierte und organisierte Mitarbeiter-Gequatsche im Internet, kann sich kein Unternehmen entziehen, schreibt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) in einem Leitfaden zum Social-Media [1]. Klingt so selbstverständlich wie die Feststellung des Verbands deutscher Lungenfachärzte, dass der Mensch Luft zum Atmen braucht. Ist es aber nicht. Denn selbst letzteres ist längst widerlegt (siehe Tipp 2). Was nichts daran ändert, dass die schöne neue Social-Web-Welt, die uns der BVDW verkaufen will, einem höheren Ziel dient. Auch wenn Ihnen weder das Ziel noch gar der Weg dorthin klar ist: Innovative Firmen lassen sich nicht von ihrem Weg ins digitale Kommunikationszeitalter abbringen. Selbst dann nicht, wenn diese erkennbar das Ziel aus den Augen verloren haben. Dann verdoppeln Sie eben ihre Anstrengungen!
Tipp 2: Geheimnisse sind geheim und Interna bleiben intern (und Schlecker bleibt Schlecker)
Luft zum Atmen? Aber woher! Der Mensch braucht sie nicht einmal zum Arbeiten, wie uns Anton Schlecker lehrt. Deutschlands Drogeriemarktkönig lässt Mitarbeiter in so engen Läden arbeiten, dass Pneumologen noch in Ölsardinenbüchsen eine höhere Konzentration an Sauerstoff messen können als im Schleckermarkt. Solche brisanten Studien dürften natürlich niemals in einem öffentlichen Blog erscheinen, sie müssen wie die Büchse der Pandora tunlichst unter Verschluss bleiben!
Identitätsstörungen
Tipp 3: Mitarbeiter müssen authentisch sein (bitte kein Analog-Käse)
Hilfe, ich bin viele - das darf es bei Social-Media nicht geben
»Ich bin 100 Banken«, hört man von einem großen Online-Hypothekenfinanzierer, der hier nicht etwa die dissoziativen Identitätsstörungen seiner Vorstände und Mitarbeiter thematisiert. Multiple Persönlichkeiten sind allenthalben im Web unterwegs und manchmal vereinen sie sich eben zu einem Geschäftsmodell auf einer Website wie Interhyp. Schreibt ein Mitarbeiter aber darüber, warum kein einziger Kunde die Baufinanzierung für sagenhafte 2,69 Prozent erhält, will der Chef natürlich schon wissen, wer diesen Analog-Käse unbedingt auftischen musste.
Tipp 4: Wer veröffentlicht, übernimmt Verantwortung (Lacherfolg verbuchen)
Wussten Sie, dass der italienische Adel im 17. Jahrhundert falsche Augenbrauen aus Mäusepelz trug? Woher wir das wissen? Aus dem Handbuch des nutzlosen Wissens. Solche Hinweise auf den Urheber brisanter und wertvoller Informationen in Social-Media-Plattformen sind wichtig, will man einen Ratschlag des Bundesverbands Digitale Wirtschaft vorbildlich umsetzen: »Zeigen Sie Integrität, Kompetenz und Humor», heißt es im Leitfaden. Natürlich können Sie auch mit der Veröffentlichung eigener sachdienlicher Hinweise einen Beitrag zum Erfolg einer neuen Kommunikationsplattform leisten.
Auch Tipps können irren
Tipp 5: Interne Kritik ist erlaubt, bleibt aber intern (typische Querdenker-Falle)
Fehltritte lauern überall - auch in Ratgebern zu Social-Web
Vorsicht Missverständnis! Jede Form von Kritik, und sei es lediglich im Intranet geäußert, kann den Job kosten. Lassen Sie sich durch die vermeintliche »Wir-sind-ja-so-offen-Firmenkultur« nicht einlullen! Querdenker und Stirn-in-Falten-Leger stehen in Firmen nämlich völlig zu unrecht im Ruf, schlaue und kreative Köpfe zu sein, die Innovationen vorantreiben würden. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wer allzu viele kritische Gedanken zu seinem Arbeitgeber äußert und das für Intelligenz hält, findet sich schnell auf der Abschussliste. Denn spätestens seit der IBM-Manager und Buchautor Gunter Dueck uns über Lean Brian Management aufgeklärt hat, wissen wir, wie Karrieren ganz ohne Social-Media funktionieren: Erfolg und Effiziensteigerung durch Nullhirn, so der Untertitel des sehr lesenswerten Buches [2].
Tipp 6: Gehen Sie mit Fehlern (vor allem der anderen) offen um
Auch so eine Falle, in die uns Social-Web in der Firma führen kann! Es heißt zwar, dass man durch Fehler klug werde, aus Fehlern lernen können oder wie auch immer ähnlich gelagerte Derivate dieses hartnäckigen Irrglaubens daherkommen mögen. Fest steht doch: Klüger ist es, durch aktives Nichtstun die Fehlerquote auf Null zu halten (ganz im Sinne von Lean Brian Management, siehe oben). Blöd ist bei dieser Strategie nur, dass Nullbeiträge in Form von Blogs, Kommentaren oder Tweets solche Kommunikationsplattformen nicht gerade attraktiv erscheinen lassen. Besser agiert daher, wer auf die Desaster der werten Kollegen wartet und sie schließlich ins Spiel bringt. Hier zahlt sich ein wenig Geduld aus, getreu dem chinesischen Sprichwort: Du musst nur lange genug am Ufer des Flusses stehen, dann wirst Du deinen Feinde vorbei treiben sehen!
Respektvolles Mobbing
Tipp 7: Schonen Sie Ihre Geschäftsbeziehungen (Twitter-Würgegriff erlaubt, aber sanft bitte!)
Mobbing im B2B-Segment klappt am Besten über Twitter
Buchhalter in der Debitorenabteilung haben es in liquiditätsarmen Zeiten wie diesen mit dem Geldeintreiben wahrlich schwer. Man muss allerdings zahlungsunwillige Kunden nicht gleich an die Russeninkasso verkaufen. Dafür gibt es doch den Microblogging-Dienst Twitter. Ein knapper Tweet mit dem Hinweis, dass der Bonitätsindex des Kunden bei Creditreform in Richtung 600 sinkt (Zahlungseinstellung), kostet nichts – außer einem kleinen Imageschaden Ihres Kunden. Soviel Respekt im Umgang mit Geschäftspartnern muss bei Social-Media schon sein.
Tipp 8: Beachten Sie das geltende Recht (oder gerade nicht)
Der BVDW rät beim Einsatz von Social-Web zum Verzicht auf Obszönitäten, Beleidigungen und Diskriminierungen hinsichtlich Rasse, Religion, Geschlecht oder Herkunft. Das mag im Einzelfall sicher richtig sein, wenn allerdings ein betont aggressiver Kommunikationsstil zu Ihrem Geschäftsmodell passt, lassen sich solche Forderungen mit Ihrer Unternehmensphilosophie nicht vereinbaren. Al-Qaida ohne ein Hassforum? Das wäre so als würde Scientology Videobotschaften verbreiten, die den Eindruck erwecken sollen, diese Sekte hätte sich die Wahrung und Durchsetzung der Menschenrechte zum Ziel gesetzt. Was sie sogar tatsächlich tut! Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass Social-Media auch im extremistisch-weltanschaulichen Business längst erfolgreich etabliert ist.
Über den realen Firmen-Tod hinaus
Tipp 9: Schränken Sie private Nutzung von Sozial-Media während der Arbeitszeiten ein (kaum verkündet, schon irrelevant)
Das Internet ist so dynamisch, dass Ratschläge für den Umgang mit ihm eine Halbwertszeit von wenigen Tagen, oft sogar nur Stunden haben. Da vermutlich schon im Jahr 2015 die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ungefähr so hoch sein wird wie die Seychellen Einwohner haben, brauchen Sie als Arbeitgeber nicht fürchten, dass kostbare Arbeitszeit durch sinnfreies Quatschen auf Social-Media-Sites verplempert wird. Um den verbliebenen Rest der dann noch ungefähr 90.000 Beschäftigten müssen Sie sich nicht sorgen: Ähnlich wie die Inselgruppe im indischen Ozean werden auch hierzulande die kümmerlichen Reste des Arbeitsmarkts in cirka 5 Jahren auf ganz natürliche Weise untergehen.
Tipp 10: Social-Media erfordert kontinuierliches Engagement (und zwar von der Wiege bis zur Bahre)
Am Ziel aller Social-Web-Stategien
Wenn Innovationsdruck und allgemeine Ratlosigkeit zusammenfallen (was in deutschen Firmen ausnahmslos der Fall ist) wird zunächst eine Kommission gegründet. Installieren Sie, weil es gut klingt, ein Kompetenz-Team Social-Media und beauftragen Sie den chronisch unterbeschäftigten PR- oder Marketing-Manager mit der Ausarbeitung eines Richtlinienkatalogs für Mitarbeiter. Lassen Sie durch einen Rechtsanwalt ein ausführliches Gutachten zu Rechtsfolgen bei Anwendung von Social-Media erstellen und engagieren Sie mindestens fünf unabhängige Unternehmensberater, damit Sie sechs Konzepte zum strategischen Einsatz von Social-Media im Business-Umfeld erhalten, die sich zwar widersprechen, aber alle zum Schluss gelangen, dass Sie in den nächsten fünf Jahren mindestens 20 Millionen Euro in Aufbau, Pflege, Schulung und weiterer strategischer Begleitung in das Projekt investieren müssen. Wenn der Etat aufgebraucht ist, was viel schneller geht, als Sie gemeinhin denken, melden Sie anschließend Insolvenz an und veröffentlichen einen schönen Erfahrungsbericht. Wo? In Facebook natürlich, weil Sie auch im Untergang an einem kontinuierlichen Engagement für Social-Media festhalten sollten.
[1] http://www.bvdw.org/medien/bvdw-veroeffentlicht-social-media-leitfaden-fuer-unternehmen-und-mitarbeiter?media=1770
[2] http://omnisophie.com/lit_lean_brain.php
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