CeBIT 10 Jahre Greencard für IT-Experten:
Bitkom fordert liberaleres Einwanderungsrecht

von Matthias Hell (matthias.hell@crn.de)

05.03.2010

Anlässlich der CeBIT erinnert der Bitkom an die Einrichtung der Greencard für IT-Spezialisten vor zehn Jahren. Seitdem wurden rund 33.000 Arbeitserlaubnisse erteilt. Doch fordert der Branchenverband eine Weiterentwicklung des Zuwanderungsgesetzes: Der Expertenmangel bleibe in der IT-Branche ein Problem.

Vor zehn Jahren kündigte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder bei der Eröffnung der CeBIT 2000 die Greencard-Initiative für ausländischen IT-Experten an. Damit reagierte Schröder auf den großen Mangel an IT-Spezialisten, den die Hightech-Branche zuvor immer wieder artikuliert hatte. Zum damaligen Zeitpunkt waren 75.000 IT-Stellen im abgeschotteten deutschen Arbeitsmarkt unbesetzt. Wie der Branchenverband Bitkom [1] zum zehnjährigen Jubiläum der Initiative mitteilt, sind seit der Bewilligung der ersten Greencards im August 2000 bis heute rund 33.000 IT-Fachkräfte auf diesem Weg nach Deutschland gekommen. Im Jahr 2005 wurde die Greencard durch eine nahezu gleichlautende Regelung im Zuwanderungsgesetz abgelöst. »Die Greencard ist eine Erfolgsgeschichte«, erklärt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. »Sie hat drei volle Hochschuljahrgänge der Informatik zusätzlich nach Deutschland gebracht.«

Doch für den Bitkom sind die derzeit bestehenden Möglichkeiten zur Anwerbung von IT-Experten noch lange nicht ausreichend: »Das aktuelle Zuwanderungsgesetz ist für den Zuzug von Hochqualifizierten immer noch zu restriktiv«, erklärt Scheer. So könnten Hochqualifizierte in Deutschland nur dann eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten, wenn sie einen Arbeitsplatz mit einem Jahresgehalt von 66.000 Euro vorweisen könnten. Von dieser Regelung machten pro Jahr allerdings nur rund 150 Personen Gebrauch.

Expertenmangel trotz Krise

Nach Ansicht des Bitkom bleibt der Fachkräftemangel im ITK-Sektor auch zehn Jahre nach Einführung der Greencard ein Problem. So würden aktuell ein Drittel der IT-Unternehmen angeben, dass der Fachkräftemangel ein Hindernis für ihre Geschäftstätigkeit darstelle. Auf dem Höhepunkt des Aufschwungs im Jahr 2008 habe es sogar zeitweise 45.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte in der deutschen Wirtschaft gegeben. Selbst im September 2009 seien trotz der Krise noch rund 20.000 Arbeitsplätze frei gewesen.

Der Branchenverband fordert daher eine Senkung der für die Erteilung der Arbeitserlaubnis maßgeblichen Verdienstgrenze. Zudem solle Deutschland als Arbeits- und Lebensstandort im Ausland offensiv beworben werden. Mittelfristig wird ein Ersatz der aktuell gültigen Regelungen durch ein Punktesystem angeregt. Nach diesem würde eine bestimmte Zahl von Hochqualifizierten nach Deutschland einwandern könnte, wenn sie Kriterien wie Qualifikation, Alter oder Sprachkenntnisse erfüllten und ein entsprechender Arbeitskräftebedarf bestünde. »Die Kriterien und die Zahl der Zuwanderer könnten von Politik und Wirtschaft gemeinsam je nach Bedarf und konjunktureller Lage festgelegt werden«, regt Bitkom-Chef Scheer an.

[1] http://www.bitkom.org/

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