Hilfreiche und teils eigenwillige Alternativen zu IE, Firefox und Co.:
Lazy Friday: Es muss nicht immer der Internet Explorer sein

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

26.02.2010

Ein Faktor, der das Online-Leben dröge macht, ist die Browser-Monokultur: Die meisten verwenden den Internet Explorer, etliche Firefox. Das war es denn auch fast schon, sieht man von Exoten wie Safari, Chrome oder Opera ab. Warum nicht Neues wagen? Wir haben ein paar bunte bis eigenwillige Alternativen für Dauer-Surfer zusammengestellt, von Flock bis Lunascape.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 4)

Zugegeben, Microsoft, Mozilla, Google, Opera und Co. geben sich alle Mühe, den Alltag des Internet-Nutzers abwechslungsreich zu gestalten. Mithilfe von zig Add-ons für den Internet Explorer, Firefox oder Chrome.

Aber wie im richtigen Leben, Stichwort Lebensabschnittspartnerin, hat man hin und wieder die Nase voll von dem allzu vertrauten (Browser-)Gesicht. Ein wenig Abwechslung tut gut, auch wenn der eine oder andere IT-Manager das gar nicht gerne sieht: »Bernd, Du hast auf Deinem Rechner inzwischen 250 Anwendungen installiert. Das ist doch Wahnsinn!«

Am besten Anmerkungen wie diese einfach ignorieren und sich einen der unten aufgeführten Browser auf den Rechner klatschen.

Im Bauhaus-Stil: Ultra Browser

Schnell, aber ein wenig schlicht: der Ultra Browser

Wer es schlank mag, ist beim Ultra Browser [1] bestens aufgehoben. Version 11 ist gerade einmal 1 MByte groß. Angeblich basiert die Software auf dem Internet Explorer. Zu den nützlichsten Features gehört eine Seitenleiste mit den aktuellen Suchmaschinen. Ein Klick, und der User kann sein (Such-)Glück nicht nur mit Google, sondern auch mit Bing oder Yahoo versuchen.

Ebenfalls nett sind die integrierte Bookmark-Verwaltung und der Direktzugang zu Messaging-Diensten.

Wähle Deine Engine: Lunascape

Drei Engines stellt Lunarscape zur Auswahl: die des IE, Gecko (Firefox) und Webkit.

Einen interessanten Ansatz hat Lunascape [2] gewählt: Man nehme die Engines von Internet Explorer (Trident) und Firefox (Gecko) sowie Webkit und packe alle drei in einen Browser. Damit kann der User seine Browsing-Erfahrung nach Lust und Laune machen: heute IE, morgen Firefox, übermorgen Webkit.

Auch das Look-and-Feel von Safari steht zur Wahl. Neben der Standard-Version gibt es auch eine Extended-Ausgabe, die auf USB-Speichermedien installiert werden kann. Und noch ein kleines »Zuckerl«: Die brandneue Lunascape-Version 6 »Orion« steht auch in Deutsch zur Verfügung.

Amerikanisch-norwegische Kreuzung: Avant

Was passiert, wenn sich ein Cowboy mit einem schnieken Wikinger-Mädel paart? Ein Resultat heißt Avant [3], eine Kombination aus Internet Explorer und dem norwegischen Browser Opera. Ein Highlight der schlanken und damit flotten Software: Sie lässt sich auch von einem USB-Stick oder MP3-Player aus starten.

Kann auch vom Stick aus gestartet werden: die amerikanisch-norwegische Kreuzung Avant.

Ein weiteres nettes Feature: Der User kann Bookmarks und Benutzereinstellungen online speichern und von jedem Rechner mit Internet-Zugang aus downloaden beziehungsweise nutzen. Die Voraussetzung: Der Nutzer muss sich bei Avant registrieren.

Ein Manko: Nicht jedes Antivirus-Programm mag Avant und meutert, wenn der Browser installiert wird.

Für echte Surfer: Irider

Schade, denn Irider ist wirklich schön anzuschauen. Der Haken: Der Browser von Wymea Bay [4] ist nur in einer Testversion erhältlich, die 21 Tage lang aktiv ist. Danach heißt es zahlen, und zwar rund 20 Dollar. Ein bisschen happig, angesichts so vieler kostenloser Alternativen.

Macht Schluss mit angeblich altmodischen Tabs: der kostenpflichtige Browser Irider.

Eine Besonderheit von Irider: Statt »primitiver Tabs«, so die Firma, zeigt der Browser in einer Seitenleiste die zuletzt besuchten Web-Sites an, inklusive eines Bildchens. Diese »Stapel« von Internet-Seiten kann der User in einem Rutsch zu seiner Favoriten-Liste hinzufügen. Diese Links lassen sich ebenfalls in einem Zug via E-Mail oder Instant-Messenger an Kollegen, Freude, Bekannte et cetera schicken.

Zugegeben, das Hin- und Herflippen zwischen vielen Web-Seiten macht mit Irider richtig Spaß. Und dass Ruckzuck mehrere Search-Engines bereitstehen, ist ebenfalls »nice«. Wären da nur nicht die 20 Dollar …

Wohl eher gelb als grün: der Green Browser

Für Suchmaschinen-Junkies hat der Green Browser [5] einiges zu bieten. So kann der User Textpassagen oder einzelne Begriffe einfach in ein Fenster ziehen und startet damit eine Suche mittels Google oder einer anderen Search Engine. Zudem lassen sich oft benutzte Programm ein eine externe Toolbar auslagern und stehen somit schneller zur Verfügung.

Viele Suchmaschinen auf einen Klick: Der Green Browser ist etwas für Search-Junkies.

Eine Anleihe haben die Entwickler aus China bei den Kollegen von Opera gemacht: Auch der »Grüne Browser unterstützt Maus-Gesten, allerdings nicht ganz so ausgefeilt wie das Produkt aus Norwegen.

Volle Kontrolle: K-Meleon

Schnell, schlank und in jeder Hinsicht unter voller Kontrolle des Users. Damit wirbt das Open-Source-Projekt K-Meleon [6]. Im Inneren steckt (der Name verrät es) die Gecko-Engine von Firefox.

Kontrolle groß geschrieben: Bei K-Meleon kann der User alles verbieten - oder erlauben.

Bei K-Meleon kann der User alles festlegen oder verbieten: Ob Flash, Werbung, einzelne Frames blockiert oder zugelassen werden sollen oder was Javascript »darf«. In Version 1.5.3 wurde eine Tab-Leiste integriert. Zudem kann der Benutzer zwischen mehrere Skins wählen.

Ansonsten alles wie gehabt: kein Schnickschnack, sondern Browsing pur. Etwas für Puristen oder Fans der guten alten Netscape-Zeit.

Reise in die Vergangenheit: Smart Bro

Wer Déjà-vu-Erlebnisse mag, ist bei Smart Bro [7] richtig. Dieses Exemplar unseres kleinen Browser-Zoos wartet mit Dingen auf, die mittlerweile jeder »große« Anbieter integriert hat: Tabbed-Browsing (siehe IE 8, Firefox und Co.), Öffnen von Tabs in einem eigenen Prozess (siehe Firefox), Toolsbars, dank denen sich der Wechsel zwischen Web-Seiten schnell bewerkstelligen lässt.

Back to 2007: Damals war Smart Bro ein innovativer Browser, heute ist er etwas für Nostalgiker.

Kurzum: So sah vor drei Jahren ein fortschrittlicher Browser aus. Daher eher etwas für Nostalgiker.

Flock: Facebook, Twitter und Youtube immer im Blick

And the Winner is … Flock! Denn für den Web-2.0-Fetischisten ist Flock [8] genau das Richtige. Er macht den User zum Herrn all seiner Facebook-, Twitter-, Youtube- und Flickr-Accounts. Nicht zu vergessen die RSS-Feeds, die man so braucht, und natürlich E-Mail-Services wie Google Mail.

Etwas für Web-2.0-Freaks: Flock packt Facebook, Google-Mail, Flickr, Twitter, Myspace und Youtube auf die Startseite.

All das lässt sich auf die Startseite pflanzen. Zugegeben, ein wenig geht das zu Lasten der Übersichtlichkeit. Auf jeden Fall aber verpasst der Web-2.0-Enthusiast nichts von dem, was in der Online-Welt vor sich geht.

Flock basiert übrigens auf Firefox. Aber bitte die aktuelle Version 2.5 (leider nur in Englisch) herunterladen. Denn die unterstützt auch Twitter.

[1] http://www.ultrabrowser.com/
[2] http://www.lunascape.tv/
[3] http://www.avantbrowser.com/
[4] http://www.irider.com/index.htm
[5] http://www.morequick.com/indexen.htm
[6] http://kmeleon.sourceforge.net/
[7] http://www.smartbro.com/
[8] http://www.flock.com/

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