Lazy Thursday: Geheime Marketingmaßnahmen:
Von Fiasco Systems bis Badyear: Firmenlogos in der Krise
Außergewöhnliche Wirtschaftsflauten erfordern außergewöhnliche Anstrengungen. Auch von den Marketingabteilungen von Weltunternehmen. Im stillen Kämmerchen arbeiten sie an (wirtschafts-) politisch korrekten Versionen ihrer Firmenlogos. Einige davon gerieten auf dubiosen Wegen ins Internet.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 9)
Keiner will mich!
Wenn jemand Grund zum Jammern hat, dann die Hersteller der »Schluckspechte« unter den Automobilen – kurzum amerikanische-Firmen. Außer ein paar Scheichs mit eigener Ölquelle will keiner mehr ihre Karossen kaufen.
Umso lobenswerter ist, dass sich offenkundig auch in den Chefetagen Zerknirschung breit macht. Der Vorstandvorsitzend kommt plötzlich mit dem Ford Ka ins Büro, und selbst Chrysler hat leichte, wenn auch stilistisch gelungene Modifikationen an seinem Markenauftritt vorgenommen.
Der rassige Ackergaul
Der Trend hin zu Fahrrad und Roller lässt auch Automobil-Ikonen wie Ferrari nicht ungeschoren.
Für sein neues Modell, das angeblich nur noch lächerliche 25 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll, haben sich die Italiener ein adäquates Symbol ausgedacht: statt des rassigen Rappen einen brav-biederen Ackergaul, ein Symbol für Erdverbundenheit und eine neue Bescheidenheit. Wenn schon ein Autobahnraser, dann wenigstens ein »grüner«.
Wer will gute Reifen haben? Kauft Reifen, Leute!
Wenn nur noch Gefährte über die Straßen schleichen, die statt mit rasanten 18-Zoll-Niederquerschnitt-Sportreifen mit jämmerlichen Gummirädchen für 80 bis 90 km/h bestückt sind, leidet nicht nur der Fahrer. Auch die Reifenindustrie muss Federn lassen, zumal selbst die Formel 1 auf dem Ökotrip ist und nicht mehr als potenter Abnehmer in Frage kommt.
Immerhin sieht Goodyear dieser Situation mutig ins Auge. Der neue Firmenname »Badyear« sagt uns Wankelmütigen: »Ein schlechtes Jahr – na und. Im nächsten geht es wieder voran!« Ein exzellentes Beispiel für positives Denken.
Life’s good – or bad?
Apropos positives Denken, Aufbruchsstimmung in der Krise, »Chakka«: Werte wie diese will uns LG offenkundig nicht wirklich vermitteln. Stattdessen ein zwar an der Realität angelehnter, aber nach unserem Geschmack zu wenig optimistischer Markenauftritt. Dass das Leben hart ist, wissen wir selbst, meine Damen und Herren, ob mit oder ohne Ihre Produkte!
Keine Verbindung mit diesem Handy
Sollte Nokia etwa die Angst vor dem iPhone derart in die Knochen gefahren sein, dass die Finnen vor einem Emporkömmling namens Steve Jobs die Waffen strecken? Niemals!
Die trübe Stimmung dürfte wohl eher auf den zu Ende gehenden langen nordischen Winter, inklusive schwindender Schnapsvorräte, zurückzuführen sein. Unser Rat: Weg mit dem defätistischen »Disconnecten« und stattdessen lieber Versuch Nummer 18 starten, den ultimativen iPhone-Killer zu entwickeln.
Fiasko mit oder für Cisco?
Es ist ein haltloses Gerücht, dass sich Cisco Systems bei der Wahl seines neuen Slogans von Erfahrungsberichten der Käufer seiner Netzwerksysteme inspirieren ließ. Richtig ist dagegen, dass die Wallstreet, Banken und Versicherungen zu den treuesten Kunden des Unternehmens zähl(t)en. Und nebenbei bemerkt auch zum erlesenen Kreis derjenigen Firmen, die sich die exquisit bepreisten Geräte leisten konnten.
Bis die Rettungsmilliarden der Steuerzahlen bei diesen Unternehmen angekommen sind, ist Sparsamkeit angesagt – und Katerstimmung bei Cisco. In der Tat ein Fiasko.
Nicht viel übrig vom Äpfelchen
Auf den Spuren seines immer mehr abmagernden Chefs Steve Jobs wandelt Apple. Schwant dem Lieblings-IT-Lieferanten von Frauen und Kreativlingen, dass die Zeiten näher rücken, in denen leicht überteuerte Spielzeuge wie iPhones und iPods der normativen Kraft der faktisch vorhandenen Krise zum Opfer fallen?
Aber vermutlich ist das neue Logo wieder einmal ein genialer Marketing-Schachzug, gewissermaßen ein Symbol für Green IT: zurück zu naturbelassenen, schmackhaften Äpfeln aus Bioproduktion – die genauso zum Anbeißen sind wie ein iPhone.
Dezent ins Stolpern geraten
Vielleicht sollte sich Apple ein Beispiel an Dell nehmen. Der Anbieter von PCs, Servern und Netzwerkgeräten bewahrt Haltung. Und das, obwohl sich Emporkömmling Acer derzeit anschickt, Dell auf seinem Heimatmarkt USA von Platz zwei in der Rangliste der größten PC-Hersteller zu verdrängen.
In sublimer Form vermittelt uns Dell in seinem neu arrangierten Logo, dass da etwas aus dem Takt (oder gar Gleichgewicht?) geraten ist. Trotzdem macht das Signet Hoffnung, nach dem Motto »Das rücken wir schon wieder gerade«.
Down mit dem Jones
Börsianer müssen derzeit froh sein, wenn sie sie nicht bei Nennen ihres Berufs von geprellten Anlegern öffentlich geteert und gefedert werden. Angeblich haben es auch uneinsichtige Angehörige der letztgenannten Spezies durchgesetzt, dass der Dowjones, Sinnbild des Turbokapitalismus und der immerwährend steigenden Kurse, eine leichte Korrektur seines Namens hinnehmen musste.
Und was ist mit den Deutschen?
Der aufmerksame Beobachter wird festgestellt haben, dass deutsche Unternehmen in dieser Aufstellung fehlen. Keine Spur von BMW, Mercedes, der Hypo Real Estate oder diversen Landesbanken.
Gott sei Dank hat wenigstens Adidas die Zeichen der Zeit erkannt. Doch bei genauerem Hinsehen sind auch hier positive Zeichen zu erkennen: Der starke Sportlerfuß, der dem Logo einen Tritt verpasst, steckt in einem (na was wohl?) Sportschuh – von Adidas.
Das kann nur eines bedeuten: »Wiederauferstehen aus Ruinen«. Aber hatten wir das nicht schon einmal in Deutschland, kombiniert mit »blühenden Landschaften«?
- 1. Seite: Von Fiasco Systems bis Badyear: Firmenlogos in der Krise
- 2. Seite: Der rassige Ackergaul
- 3. Seite: Der rassige Ackergaul (Fortsetzung)
- 4. Seite: Life’s good – or bad?
- 5. Seite: Life’s good – or bad? (Fortsetzung)
- 6. Seite: Life’s good – or bad? (Fortsetzung)
- 7. Seite: Life’s good – or bad? (Fortsetzung)
- 8. Seite: Life’s good – or bad? (Fortsetzung)
- 9. Seite: Down mit dem Jones
- 10. Seite: Und was ist mit den Deutschen?
» Newsletter abonnieren
Täglich aktuelle News und Hintergründe für Fachhändler, ITK-Hersteller, Distributoren und aus der Online-Welt.
» Tipp der Redaktion
Das sind die Top-Notebooks
Auf der Suche nach neuen Notebooks sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Unsere Kollegen von der PC Go haben daher die besten Geräte für Sie getestet.
NEC prämiert die schönste Installation
Einen Fotowettbewerb der etwas anderen Art startet NEC Display Solutions für seine Partner. Unter dem Motto »Application Picture Competition« können NEC-Partner Bilder einsenden, die NEC-Produkte im Einsatz zeigen. Für die kreativsten Fotografen winkt als Preis ein iPhone.
SAP will den Cloud-Anbieter Ariba übernehmen
Der Softwareanbieter SAP steht vor einem weiteren großen Zukauf im SaaS-Segment: Für 4,3 Milliarden Dollar wollen sich die Walldorfer den kalifornischen Beschaffungsspezialisten Ariba einverleiben und das Cloud-Geschäft auf diese Weise ausbauen.
» Bilderstrecken
» Meistgelesene News
So sexy sind Deutschlands Bäuerinnen
Vor kurzem war es wieder soweit: Die Macher des Deutschen Bauernkalenders suchten nach den schönsten Botschafterinnen für die Landwirtschaft. Die ansprechendsten Bewerberinnen kamen zum Casting nach München und Hamburg. Wir zeigen Ihnen die besten Bilder der Vorauswahlen in unserer Bilderstrecke ...
Massenentlassungen bei HP geplant
Der Rückgang der PC-Nachfrage und die Zusammenlegung von PC-und Druckersparte haben einschneidende Konsequenzen für die Mitarbeiter von HP. Es sollen laut Medienberichten 30.000 Mitarbeiter entlassen werden.