Ziel verfehlt
Die Arbeit an den Real-World-Labs-Beiträgen zum Thema Patch-Management ließ mich wieder einmal daran denken, welches Ziel die elektronische Datenverarbeitung ursprünglich einmal verfolgte:
Sie sollte Daten elektronisch verarbeiten, natürlich nicht als Selbstzweck, sondern um den Menschen die Arbeit zu erleichtern, sie mehr Arbeit in kürzerer Zeit erledigen lassen, ihnen Zeit für andere Arbeiten zu geben, weniger Menschen dieselbe Arbeit in derselben Zeit erledigen zu lassen. Wie man es auch betrachtet, das ursprüngliche Ziel war es, Kosten zu senken oder bei gleichbleibenden Kosten mehr zu leisten, also mehr
Geld zu verdienen.
Hat die elektronische Datenverarbeitung dieses Ziel erreicht?
Ich behaupte, nein. Anfangs, vor Jahrzehnten, vielleicht schon, aber dann kam das Internet und hat es sich die elektronische Datenverarbeitung verselbstständigt, ist zu einer eigenen, ganz besonderen Industrie geworden, einer Geldverbrennungsindustrie. Das wurde mir einmal mehr deutlich, als ich mir angesehen habe, was es allein nur kostet, Software schön sicher zu halten. Vor allem Betriebssystemsoftware. Da geben Unternehmen irrsinnige Summen aus, um in erster Linie Betriebssysteme (und Web-Browser) zu patchen, die kaum ein Mensch wirklich braucht. Und stopfen muss man die Löcher darin ja eigentlich nur dann, wenn der jeweilige PC irgendwie mit dem Internet verbunden ist, denn der größte Teil der Patches flickt nun mal Sicherheitslöcher. Dass solche Löcher in einem Produkt, dass teuer zu bezahlen ist, überhaupt existieren, ist ein Thema für sich.
Die Patch-Management-Software »BigFix« – hier stellvertretend für viele andere Produkte genannt – unterstützt mehr als 50000 Geräte. Wie kommt eine solche Zahl zustande? Gibt es eine Organisation, die dringend 50000 PCs am Internet hängen haben und darum patchen muss? Offenbar ja.
Und das kann ich mir nur so erklären, dass in solchen Organisationen selbst die Gehilfin des Gehilfen des Lohnbuchhalters mit ihrem PC ganz dringend ins Web und die eine oder andere E-Mail-Nachricht senden können muss. Da dies wohl tatsächlich der Fall ist – warum auch immer –, benötigen wir eben für jeden PC ein Patch-Management. Und außerdem Firewalls, IDS-Systeme, Anti-Virus- und -Spam-Software, Software-Distributions-, -Metering- und -Inventory-Software, Helpdesk-Tools, Heerscharen von IT-Spezialisten und und und. Und angesichts der Summe, die für all dies zu bezahlen ist, glaube ich, dass die elektronische Datenverarbeitung ihr (ursprüngliches) Ziel verfehlt hat.
Ihr Dirk Jarzyna
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