Google-Mail-Postfächer gehackt:
Wegen Hackerangriffen: Google erwägt Rückzug aus China

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

13.01.2010

Von der höchst umstrittenen Praxis, Internet-Nutzern in China »politisch« vorgefilterte Suchergebnisse zu präsentieren, will Google nun angeblich Abstand nehmen. Der Grund: Ein Angriff auf seinen E-Mail-Dienst Gmail, hinter dem vermutlich chinesische Behörden stecken. Eventuell wird Google sogar die Aktivitäten in China ganz einstellen.

Google [1] will die Zensur von Treffern seiner Suchmaschine in China aufzuheben. Auf Druck der chinesischen Regierung hatte sich das Unternehmen 2006 dazu bereit erklärt, bestimmte Resultate für Internet-Nutzer aus dem Reich der Mitte auszublenden.

Dazu gehören Informationen über politisch heikle Themen, etwa über Taiwan oder über die Proteste in Tibet und die Unruhen in der Provinz Xinjiang im Juli 2009. Die Selbstzensur hatte dem Unternehmen massive Kritik durch die Internet-Gemeinde und Menschrechtsorganisationen eingetragen.

Google will auf seiner chinesischen Seite nun keine Zensur von Suchergebnissen mehr durchführen.

Nun prüft Google, ob die Zensur wegfallen soll. Auslöser sind gezielte Angriffe auf die E-Mailpostfächer von Menschenrechtsaktivisten und mindestens 20 Firmen, die Googles Service Gmail (in Deutschland Google Mail) nutzen. Betroffen waren Unternehmen aus den Bereichen Finanzwesen, Chemie, Medien und einigen High-Tech-Branchen.

Profis waren am Werk

Die Art der Attacken, die im Dezember 2009 liefen, deutet darauf hin, dass es sich bei den Angreifern nicht um Gelegenheits-Hacker, sondern Profis handelte. Der Verdacht liegt nahe, dass hinter der Aktion chinesische Behörden stecken.

Neben den Gmail-Postfächern von Menschenrechtlern in China waren auch die Mailboxen von Aktivisten und Anwälten in Europa und den USA Ziel der Angriffe. Wie David Drummond, Senior Vice President Corporate Development und Chief Legal Officer von Google in einem Blog-Beitrag [2] schreibt, wurden allerdings nur zwei Postfächer geknackt.

Als Werkzeug nutzten die Angreifer Spam- und Phishing-E-Mails. Auf diese Weise wollten sie Schadsoftware auf den Rechnern der Zielpersonen platzieren.

Google erwägt Rückzug aus China

Als Konsequenz aus diesen Angriffen will Google nun auf www.google.cn [3] keine Zensur mehr durchführen. »Wir werden zudem mit der chinesischen Regierung Gespräche über die Grundlagen einer weiteren Zusammenarbeit führen«, erläutert Drummond.

Damit nicht genug: Google prüft zudem, ob sich das Unternehmen komplett vom chinesischen Markt zurückziehen soll. »Die Entscheidung, unsere geschäftlichen Aktivitäten in China auf den Prüfstand zu stellen, ist uns unglaublich schwer gefallen«, so David Drummond im Blog-Beitrag weiter. Das Unternehmen wolle, auch wegen seiner Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter in China, an einer Lösung des Problems arbeiten.

Allerdings ist dazu anzumerken, dass Google in China auf dem Suchmaschinenmarkt weit abgeschlagen hinter der chinesischen Search Engine Baidu auf dem zweiten Platz rangiert. Laut der Marktforschungsfirma Analysys hatte Google im zweiten Quartal 2009 in China einen Anteil von 29,1 Prozent. Baidu kam auf 61,6 Prozent.

[1] http://www.google.de/
[2] http://googleblog.blogspot.com/
[3] http://www.google.cn

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