Harte und weiche Faktoren:
Thema der Woche: Storage-Virtualisierung, Teil 2

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Engelbert Hörmannsdorfer

25.08.2008

Storage-Virtualisierung avanciert neuerdings zur Schlüsseltechnologie für dynamische IT-Infrastruktur- und Datenverwaltungslösungen. Es sind nicht nur die harten, sondern auch die weichen Faktoren die Vorteile bringen. Letztere lassen sich aber nicht so einfach darstellen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 4)

Das Thema Virtualisierung berücksichtigt eine Reihe harter Faktoren, wie die Einsparung von Hardware, Fläche sowie Betriebs- und Wartungskosten. Geringere Stromkosten – Stichwort »Green IT« – spielt ebenfalls zunehmend eine Rolle. Aber auch weiche Faktoren sind hier zu nennen: So können Unternehmen vorhandene Ressourcen flexibler nutzen oder Dienste schneller bereitstellen. Die Kosten, die durch die Virtualisierung eines Rechenzentrums entstehen, lassen sich mit den Einsparungen – den harten Faktoren – in TCO-Berechnungen gegen rechnen. Die Wettbewerbsvorteile, die ein Rechenzentrum aus den weichen Faktoren einer Virtualisierung ziehen kann, sind zwar monetär nicht vollständig zu erfassen, stellen aber oft den wichtigsten Aspekt dar.

Lesen Sie im zweiten Teil die Statements von AMI American Megatrends International [1], Datacore Software [2], Dell [3], Fast Lane [4], Fujitsu Siemens Computers [5], Hitachi Data Systems Deutschland [6], IBM [7], Network Appliance [8] und Quantum [9] über die Gründe zum Einsatz von Virtualisierung. In einem ersten Abschnitt ging es dann die Notwendigkeit von Storage-Virtualisierung. Im dritten Teil gibt es dann Tipps für Interessierte, die über Virtualisierung nachdenken.

Thomas Hatton, Channel-Consultant Global-Partner bei Hitachi Data Systems (HDS)

Thomas Hatton, Channel-Consultant Global-Partner bei Hitachi Data Systems (HDS): »Virtualisierung zeigt ihren Mehrwert auch dadurch, dass man dem Kunden aufzeigen kann, dass er auch bei den Prozessabläufen sparen kann.« Es sei eben nicht nur die Physik, durch er die Kapazität bessere nutzen könne. »Einer unserer Kunden bestätigt, dass er beispielsweise jetzt nur noch ein Neuntel der bisherigen Zeit für ein Backup braucht. Ein Restore erfolgt siebenmal so schnell. Gegenüber der vorherigen Implementierung sparte er nachweislich 70 Prozent der Betriebskosten.«

Siegfried Betke, Director Central-Europe bei Datacore Software

Siegfried Betke, Director Central-Europe bei Datacore Software: »Ein Kunde von uns, ein Verpackungsmittel-Hersteller, hatte 60 Prozent Datenwachstum pro Jahr. Nach einer Virtualisierungsinstallation konnte er wegen der besseren Speicherauslastung ein Jahr mit dem Speicherkauf aussetzen. 60 Prozent der physikalischen Kapazitäten wurden für weiteres Wachstum freigesetzt. Das war zum damaligen Zeitpunkt der sofortige Return-on-Investment der Installation.«

Stefan Roth, IT-Architecture-Consultant der Sales-Consulting-Organisation bei Fujitsu Siemens Computers (FSC)

Stefan Roth, IT-Architecture-Consultant der Sales-Consulting-Organisation bei Fujitsu Siemens Computers (FSC): Die Erfolge seien sehr abhängig von der installierten Infrastruktur sind: »Wenn ein Kunde sehr viel dezentralen Storage in Servern eingebaut hat, dann ist der Return-on-Investment natürlich höher. Bei zentralen Systemen zählen eher die Einsparungen in der Administration und schnellen Bereitstellung sowie Sicherstellung von SLAs. Die Einsparung von Hardware ist durch die niedrigen Platten-Kosten oft nicht entscheidend. Neben den monetär messbaren Vorteilen wie TCO und ROI zählt heute immer mehr, welchen Mehrwert die Veränderung für das Unternehmen bietet. Bei FSC hat sich hier eine so genannte Value-Study bewährt, die viele Kunden schätzen, um auch den Mehrwert der IT darstellen zu können.«

Marcellus Scheefer, Brand-Leader Storage bei IBM

Marcellus Scheefer, Brand-Leader Storage bei IBM: Auch die rapide steigenden Installationen zeigten letztendlich, dass sich Storage-Virtualisierung rechne. »Vor rund drei Jahren hatten wir weltweit circa 600 Kunden, die unsere Software einsetzten. Mittlerweile sind wir bei über 3000 Kunden mit mehr als 10.000 Instanzen. Unsere Kunden würden hier nicht investieren, wenn schlussendlich die TCO-Betrachtungen nicht stimmen würden.« Das größte Potenzial ergebe sich im Management-Bereich: »Ein Unternehmen muss beispielsweise im 24 x 7-Hochverfügbarkeitsbereich Migrationen durchführen. Das kann es jetzt ohne Ausfallzeiten bewältigen. Dies sind dann plötzlich beträchtliche Summen, die ein Unternehmen einsparen kann. Dasselbe gilt für Effizienzen durch das zentrale Management.«

Dr. Frank Nobbe, Director Enterprise-Business bei Fast Lane

Dr. Frank Nobbe, Director Enterprise-Business bei Fast Lane: »Vereinfachtes Management, wie will man das berechnen?« Es ließen sich zwar die harten Faktoren, wie eingesparter Speicherplatz, in einer TCO-Berechnung gut darstellen. »Aber wie will man weiche Faktoren wie vereinfachtes Management oder höhere Ausfallsicherheit veranschlagen?«

Wilfried Platten, Marketing & Public-Relations bei AMI American Megatrends International

Wilfried Platten, Marketing & Public-Relations bei AMI American Megatrends International: Die Storage-Hardware werde austauschbarer. »AMI ist ein Softwareentwicklungs-Unternehmen. Auch bei den Storage-Systemen steckt die Intelligenz in der Software. Sie macht bei Funktionen wie Thin-Provisioning oder den diversen Replikationsfähigkeiten den Unterschied aus. Klar ist aber auch, die Software muss zur Hardware passen.« Alles lasse sich dann doch nicht über Server-Virtualisierung abbilden.

Peter Wüst, Director Systems Engineering bei Network Appliance

Peter Wüst, Director Systems Engineering bei Network Appliance: Die ganze Diskussion, ob sich Virtualisierung rechne und welche Vorteile sich daraus ergäben, sei zu hinterfragen. Denn bei Netapp sei Storage-Virtualisierung Standardbestandteil ihres Betriebssystems »Data Ontap«. Insofern werde es bei Netapp auch nicht als expliziter Punkt hervorgehoben. »Die Schmerzpunkte der Unternehmen sind doch die explodierenden Datenmengen. Hinzu kommt, dass ein Administrator dies mit sinkenden Budgets handhaben soll. Also was macht derjenige, der für diese Umgebung zuständig ist? Da sind wir beim den Services, die wir aus dem Storage zur Verfügung stellen können. Beispielsweise: Wie kann ein Admin Exchange-Speicherbereiche vergrößern ohne Downtime, ohne Performance-Nachteile oder ohne migrieren zu müssen? Das sind die Themen, die ich beispielsweise mit einer Virtualisierung abdecken kann. Aber deswegen sollte Virtualisierung nicht als Selbstzweck diskutiert werden. Vielmehr sollte es von vielen als ein Tool verstanden werden, das man benutzt, um effizienter zu werden.«

Jürgen Schelbert, Produktmanager Storage bei Dell

Jürgen Schelbert, Produktmanager Storage bei Dell: In Einzelfällen habe Dell einen ganz pragmatischen Ansatz, um vor allem Mittelständler zu überzeugen. Denn hier seien Budgetthemen und -fragen die vordringlichsten Punkte. »Wenn ein Kunde noch unschlüssig ist, führen wir zunächst ein Assessment durch«. Das gehöre zu dem Ansatz von Dell, auch zunehmend Dienstleistung anzubieten. »Die Überraschung ist dann oft groß, welche brachliegenden Systemressourcen und unbenutzten Speicher sich auf einmal in einer virtualisierten Lösung freischaufeln lassen.«

Frank Herold, Manager Presales and Consulting für Central-Europe bei Quantum

Frank Herold, Manager Presales and Consulting für Central-Europe bei Quantum: »Wenn wir von heutigen TCO-Modellen sprechen, dann geht es nicht darum: Wie differenziere ich mich in einer ganzheitlichen Lösungsdarstellung? Wenn ein Kunde heute ein Problem hat, dann ist eine TCO-Betrachtung sehr komplex. Das gibt es kein festes Raster und kein Excel-Sheet mehr. Da stecken dann zwei, drei Tage Arbeit drin.« Und dann, stelle sich besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen noch die Frage: »Sehen sie den Mehrwert und refinanziert sich das für das Unternehmen?«

[1] http://www.ami.com/
[2] http://www.datacore.de/
[3] http://www.dell.de/
[4] http://www.flane.de/
[5] http://www.fujitsu-siemens.de/
[6] http://www.hds.com/de/
[7] http://www.ibm.de/
[8] http://www.netapp.com/
[9] http://www.quantum.com/de/