Abhängigkeit verringern:
Ebay-Profiseller sind verunsichert

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Dr. Matthias Hell

15.08.2008

Ein neues Bewertungssystem, strengere Sanktionen – seit Anfang des Jahres hat Ebay die Anforderungen an seine Profi-Verkäufer deutlich angehoben. Die in den USA gestartete Zusammenarbeit mit dem Etailer Buy.com sorgt nun für weitere Verunsicherung.

Sieht die Ebay-Neuerungen kritisch: Ex-Selectronica-Geschäftsführer Martin von Hermanni

Die Pleite des Ebay [1]-Powersellers Selectronica sorgte vor einigen Wochen für Aufsehen: Seit rund sieben Jahren war das Unternehmen auf der E-Commerce-Plattform aktiv. Mit einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro hatte es sich zum größten Powerseller Europas entwickelt. Doch als sich negative Käuferbewertungen häuften, reagierte Ebay knallhart: Das Online-Auktionshaus sperrte die Verkäuferkonten von Selectronica.

Für den ehemaligen Selectronica-Geschäftsführer Martin von Hermanni ist Ebay damit mit Schuld am Niedergang des Unternehmens. Denn die Leistungen des Powersellers seien über die Jahre hinweb nicht viel anders geworden: »Radikal verändert hat sich jedoch die Art und Weise, wie Ebay dieselbe Leistung bewertet«, so von Hermanni gegenüber Computer Reseller News.

Zwar gehen Branchenbeobachter davon aus, dass der inzwischen ins Visier der Justiz geratene Powerseller Selectronica sein geschäftliches Scheitern wesentlich selbst verschuldet hat. Aber es gibt auch kritische Stimmen zu den seit Anfang des Jahres bei Ebay eingeführten Neuregelungen. So schreibt ein Ebay-Verkäufer: »Wenn man sich die aktuellen Gebührenstrukturen von Ebay mal etwas genauer anschaut, lässt sich der Gedanke an Wucher kaum vermeiden.«

Used-IT-Anbieter Michael Harlander will sich nicht von Ebay abhängig machen

Unklarer Kurs

Harlander äußert den Verdacht, dass die Ebay-Führung den eingeschlagenen Kurs nicht vollständig durchdacht habe. So habe das Unternehmen die neutralen Bewertungen inzwischen wieder aus der Kalkulation des Zufriedenheitswertes entfernt. »Offensichtlich wurden viele der neuen Regelungen in noch nicht ausgereiftem Zustand eingeführt«, so der Ebay-Powerseller.

Viele Händler stellen sich nun die Frage: »Wo geht es bei Ebay hin?« Auf der einen Seite hat das Online-Auktionshaus Anfang des Jahres ein Prämienprogramm für Powerseller eingeführt. Auf der anderen Seite erschweren die Neuregelungen die Arbeit vieler Profi-Verkäufer. Wiederholt hat Ebay bekundet, das Geschäft mit Privatauktionen stärken zu wollen. Nun startete es aber in den USA eine Kooperation mit dem Etailer Buy.com. Dies brachte auf einen Schlag fünf Millionen zusätzliche Festpreisangebote auf die Ebay-Plattform.

Auch wenn Profiseller-Chef Stephan Zoll eine ähnliche Aktion für Deutschland derzeit ausschließt, sind viele Händler alarmiert. Michael Harlander hält es durchaus für möglich, dass Ebay künftig öfter mit Retail-Partnern zusammenarbeiten und auch selbst eine aktivere Rolle einnehmen werde. Für den Unternehmer ist die Konsequenz klar: »Ebay bleibt ein wichtiger Verkaufskanal für Harlander. Um jedoch eine Abhängigkeit von Ebay zu vermeiden, werden wir unsere anderen Verkaufskanäle stetig ausbauen.«

Mit freundlicher Genehmigung von Computer Reseller News [2]

[1] http://www.ebay.de/
[2] http://www.crn.de

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