Lazy Friday:
Gadgets – von der Wiege bis zur Bahre
Ohne Elektronik und Internet sind wir Mitglieder der postindustriellen Gesellschaft kaum noch lebensfähig. Das gilt auch für Bereiche wie Gesundheit und Kindererziehung. Wir haben einige höchst nützliche Helfer zusammengestellt, die uns durch alle Phasen unseres Daseins begleiten.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 7)
Baby Plus – die Lernhilfe für das ungeborene Kind
Der Konkurrenzkampf ist hart, ob im Kindergarten, in der Schule, später auf der Uni oder wenn es dann ins Berufsleben geht. Der Gewinner von morgen fängt daher bereits im Mutterbauch an, sich für den Dschungel da draußen zu rüsten, mit Baby Plus [1].
Dieses Gerät bombardiert das ungeborene Kind mit Tönen, die der Herzfrequenz der Mutter ähneln. Das fördert angeblich die Lernfähigkeit der oder des Kleinen.
Wer also einen Einstein v2 oder einen Aufsteiger wie Arnie Schwarzenegger heranzüchten möchte, sollte zu Baby Plus greifen. Die lächerlichen 149 Dollar sollte Ihnen die Zukunft ihres Kindes in jeden Fall wert sein.
Das Schnuller-Thermometer
Jeder, der bereits das Vergnügen hatte, Nachwuchs zu zeugen und vor allem großzuziehen, kennt eine der zentralen Herausforderungen der Baby-Phase. Nämlich die Beantwortung der Frage: »Hat sie/er nun Fieber oder nicht?« Alle Babys entwickeln ein beachtliches Talent, wenn es darum geht, Fieberthermometer auszuspucken oder aus allen dafür vorgesehenen Körperöffnungen herauszuziehen.
Da hilft nur eines: der Appell an das Lustzentrum, in Form des Schnuller-Thermometers [2]. Es ermittelt in drei Minuten die Temperatur und piepst, wenn die Messung abgeschlossen ist. Vor allem kostet der Schnulli nur 6,99 Euro. Da kann man gleich ein paar auf Vorrat kaufen, für den Fall, dass der Nachwuchs das Gerät denn doch lieber an die Wand pfeffert.
Na wo ist der Racker denn schon wieder?
In Zeiten, in denen Horrormeldungen über das Komasaufen die Runde machen, fragen sich besorgte Eltern pubertierender Racker immer wieder: »Ob unser Kleiner wohl tatsächlich beim Pfadfindertreffen ist?« oder »Warum wohl Melanie und ihre Freundinnen den Ikebana-Kurs der Volkshochschule so toll finden?«.
Da isser ja: Track your Kid zeigt den Standort des Zöglings, besser gesagt von dessen Handy, auf einer Karte an.
Erziehungsberechtigte, die Klarheit haben möchten, brauchen Track your Kid [3]. Der Service ortet das Handy und damit den Standort der Lieben. Kostenpunkt: 36 Euro im Jahr und 35 bis 50 Cent pro Ortung. Natürlich lassen sich auf diese Weise auch dubiose »Geschäftstermine« des Ehemannes oder Ausflüge von Opa und Oma in die wilde gefährliche Stadt überwachen.
Rauchen – ja bitte
In den USA gelten sie als asoziale Subjekte, bei uns, im liberalen Deutschland, wurden sie zunächst nur aus Gaststätten hinaus auf die Straße geworfen: die Raucher. Aber bald werden wohl auch wir Straßen und Biergärten von den Qualköpfen säubern.
Da bleibt den Geplagten nur der Griff zur Gamucci-Mikroelektronik-Zigarette [4]. Sie fühlt sich an wie eine Zigarette und qualmt wie eine. Allerdings stößt sie, gesundheitspolitisch höchst korrekt, nur Wasserdampf aus.
Eine Kartusche mit Tabakaroma und einem Nikotinkonzentrat im Innern vermittelt dem »Raucher« beim Zuzeln (hochdeutsch: Saugen) an der Zigarette das Gefühl von Abenteuer und Freiheit. Natürlich gibt es auch eine völlig entschärfte Version ohne Nikotin. Das wird Frau Ministerin Ulla Schmidt besonders freuen.
Stress, Stress, Stress – die Weste schlägt Alarm
Der Puls rast, Schweiß auf der Stirn, die Bewegungen werden fahrig. Kurzum, man ist – nein, nicht verliebt, sondern gestresst. Aber jetzt wird alles gut, denn Forscher vom Berliner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration [5] haben eine Stressweste entwickelt.
Die Stressweste ist mit Sensoren bestückt, welche die Zitterbewegungen der Muskeln registrieren. Sie gelten als als Indikator für hohe Belastung.
In den Stoff eingewebte Sensoren messen die elektrische Erregung der Muskelfasern und leiten die Signale zu einer Auswerte-Elektronik weiter. Je gestresster ein Mensch ist, desto eher erzeugen die Muskeln eine leichte Zitterbewegung. Diese Veränderung registrieren die Elektroden.
Schade nur, dass die Weste den Stress zwar misst, aber nichts gegen seine Ursachen tut. Wie wäre es denn mit einer Ayurveda-Massage-Weste oder einer »Weg-mit-dem-doofen-Chef«-Joppe?
Mit der Nintendo Wii zum Star-Chirurgen
Bekanntlich ist Geld im Gesundheitswesen so knapp wie bezahlbares Benzin an den Tankstellen. Wie passend, dass eine Studie ergeben hat, dass regelmäßige Benutzung der Spielekonsole Wii von Nintendo [6] die Fingerfertigkeit von Chirurgen verbessern kann. Den Versuch führten Dr. Kanav Kahol [7] und seine Kollegen von der Arizona State University durch.
Das heißt: Statt sich auf unsere Kosten in Uni-Kliniken herumzudrücken und an hilflosen Versuchskaninchen herumzuschnipseln, sollten Medizinstudenten lieber häufiger mit der Wii spielen.
Auch arrivierte Chirurgen können sich auf diese Weise in Form halten, etwa während der zahllosen Kongresse auf Hawaii, den Seychellen oder in Acapulco. Doch Vorsicht, nicht alle Wii-Spiele schulen das feine Gespür der Chirurgenhändchen gleichermaßen: »Marble Mania« ist super, »Tennis« dagegen bäh.
Fernwartung
Was früher der Marktplatz war, ist für ältere Semester heute das Wartezimmer des Arztes. Dort können sie tratschen bis zum Abwinken und alle Nuancen ihrer Krankengeschichte ausbreiten. Otto Normalbürger dagegen hasst das Wartezimmer und das ewige Herumsitzen. Intel [8]hatte jetzt ein Einsehen und bringt im nächsten Jahr den »Health Guide«.
Das System misst Blutdruck, Gewicht und ermittelt die Blutwerte. Die Daten werden dann über das Internet direkt zum Arzt geschickt. Also kein Wartezimmer mehr, keine Krankengeschichten – wie langweilig!
Ein Renner für die Alten
Im Alter lässt die Mobilität peu à peu nach: Die Knie sind im Eimer, das künstliche Hüftgelenk hält auch nicht das, was die Klinik versprochen hat, und Auto fahren soll der Senior erst recht nicht mehr.
Es drohen die drei Fs: fernsehen, futtern, fett werden. Was tun? Der agile Senior greift zum »Superfour«, dem Geländerollstuhl des Fraunhofer-Anwendungszentrums für Systemtechnik Ilmenau [9] (IITB).
Dank Profilreifen und Überschlagbügel taugt der sogar für einen Ausflug ins Gelände. Selbst Steigungen von 40 Prozent sind für den Superfour kein Problem.
Auch ein GPS-System ist mit an Bord. Das übermittelt die Positionsdaten des Gefährts an eine Servicezentrale, für den Fall, dass sich ein Senior im Gelände verfranzt und nicht mehr nach Hause findet. Ein Muss für Mitglieder der 80+-Generation.
Stilvoller Abgang – mit der E-Bestattung
Irgendwann ist unser Weg hienieden auf Erden zu Ende. Und was bleibt? Eine schäbige Urne oder ein Grab, um das sich niemand kümmert. Gottlob gibt es das Internet und damit E-Bestattungen [10]. Gegen ein geringes Entgelt können Sie Gedenkseiten erstellen lassen, inklusive Online-Kondolenzbuch und Bildergalerie.
So bleiben die lieben Verstorbenen nicht nur in den Herzen der Angehörigen lebendig, sondern auch in den Weiten des World Wide Web. Und der nächste Schritt? Vielleicht eine virtuelle Existenz auf »Second Death«.
[1] http://www.babyplus.com/
[2] http://www.neckermann.de/index.mb1?mb_f020_id=qqWZfB8isyUmCXojfG8HM_PPasDzHD8&vkh=0388&p_id=10048720&nav_id=12119731&link_id=1blSvITSENTpXpmLYe22h0LPWasaa7&ct=1
[3] http://www.trackyourkid.de/
[4] http://iwantoneofthose.com/new-arrivals/gamucci-micro-electronic-cigarette/index.html?awc=1202_1217503824_ea591f5fa547a41463ea7d7224bec3fe
[5] http://www.izm.fraunhofer.de/
[6] http://www.nintendo.com/
[7] http://haptics.eas.asu.edu/kanav/index.htm
[8] http://www.intel.de
[9] http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2006/04/Mediendienst42006Thema1.jsp
[10] http://www.e-bestattungen.de/
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