Fortschritt durch Rückschritt
Trotz explosionsartig steigender Energiepreise drängen die PC-Hersteller ihren Kunden immer noch größere Stromfresser auf – von dem Hype Green-IT ist in der Praxis nichts zu sehen.
Der normale Heimanwender soll sich heute einen Quad-Core-Rechner mit 4 GByte RAM – die sein 32-Bit-Vista nicht einmal addressieren kann – einer 512 MByte Grafikkarte und 750 GByte Plattenkapazität in sein Wohnzimmer stellen. Das ist dabei nicht einmal die Gamer-Variante, denn die setzt mehrere Platten als Stripeset ein und kommt mit mindestens zwei Grafikkarten daher. Und weil das immer noch nicht reicht, sollte der technisch versierte User eine Physik-Engine nachrüsten, damit sich das spritzende Blut im Ego-Shooter gefälligst an die Regeln der Gravitation hält und nicht einfach nur so zufällig durch den 3D-Raum trieft. Das Ganze lässt sich mit komfortablen Tools übertakten, damit auch ja die Garantie erlischt und der Anwender nach sechs Monaten eine neue Büchse kaufen muss.
Realistisch betrachtet, genügt 90 Prozent der Haushalte ein 1-GHz-Pentium-III-System mit 512 MByte RAM, einer 64-128 MByte-Grafikkarte und einer 160-GByte-Platte. Das wird zwar nicht für modernste Ballerspiele ausreichen. Unterm Strich kommt der Anwender jedoch günstiger weg, wenn er sich einen simplen PC zum Arbeiten plus eine Playstation oder was Vergleichbares zum Daddeln anschafft.
Während sich der Heimanwender gerne von »Wir lieben Technik«-Angeboten einlullen lässt und doch eher zum Quad-Core tendiert, ziehen die IT-Verwalter nun die Bremse. Endlich haben sie begriffen, dass für Arbeitsplatzcomputer ganz andere Kriterien zählen wie Abwärme, Stromverbrauch und Fernwartbarkeit. Einer nicht repräsentativen Umfrage von Network Computing zufolge beabsichtigt nur ein Zehntel der befragten IT-Verwalter die Umstellung der Clients auf Vista. Dem stehen 40 Prozent entgegen, die an Konzepten zur Client-Virtualisierung und 30 Prozent, die an Lösungen für Thin-Client-Computing arbeiten.
Der Client-Trend orientiert sich an alten Designs aus der Zeit der Großrechner. An die Stelle des nahezu unfehlbaren Mainframes tritt ein Cluster aus Virtualisierungs- oder Terminalservern, welche die dummen Clients der Anwender bedienen. Der Hype »Thin-Clients« kam in den ersten 2000er-Jahren verfrüht und hat sich deshalb noch nicht auf breiter Front etabliert. Gemeinsam mit Lösungen zur Client-Virtualisierung kehren die Thin-Client stärker den je auf den Markt zurück.
Diese Ausgabe stellt in ihrem Schwerpunkt viele neue und überarbeitete Konzepte für Terminalservices, Desktop-Virtualisierung und interessante neue mobile Clients vor. Zahlreiche der getesteten Lösungen können Stom sparen und die Verwaltung erleichtern. Nur Ego-Shooter können Sie damit nicht spielen.
Ihr Andreas Stolzenberger
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