Microsoft stößt Hosting-Partner vor den Kopf
Der Software-Hersteller Microsoft senkt die Preise für die Business Productivity Online Suite und Exchange Online deutlich. Damit setzt der Software-Riese seine Hosting-Partner massiv unter Preisdruck.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Microsoft sorgt mit seiner Preispolitik für Partner-Frust
Harter Preisschnitt bei Microsoft [1]: Der weltgrößte Software-Hersteller senkt die monatlichen Gebühren für seine Business Productivity Online Suite (BPOS) von 15 auf zehn Dollar. Exchange Online, Bestandteil der BPOS, wird sogar um die Hälfte billiger. Der monatliche Preis pro Nutzer reduziert sich von zehn auf fünf Dollar. Das setzt die Hosting-Partner von Microsoft, die ebenfalls Exchange als Service anbieten, unter massiven Druck durch den Hersteller. Denn die Konditionen für Service Provider-Lizenzen, die Hosting-Unternehmen von Microsoft für den Betrieb der Software erwerben müssen, ändern sich nicht. Unter den Voraussetzungen können diese Unternehmen aber mit dem stark reduzierten Preis für Exchange Online keinesfalls konkurrieren.
1&1 Internet [2] beispielsweise bietet Microsoft Exchange für 12,99 Euro pro Monat und Nutzer an. Da die Preissenkung für Microsofts eigenen Dienst nach Informationen von Computer Reseller News auch für den deutschen Markt gilt, ist der ebenfalls in den USA präsente Hosting Provider, auch hierzulande direkt betroffen. »Die Entscheidung von Microsoft hat uns überrascht, und wir haben uns nicht darüber gefreut«, sagt Andreas Maurer, Sprecher von 1&1 Internet, auf Anfrage von CRN. Das Management habe bislang aber noch nicht entschieden, wie das Unternehmen auf die neuen Microsoftpreise reagiere.
Deutlicher wird Ernesto Fries Urioste, Gründer des Düsseldorfer Hosters Mesh [3]: Microsoft verstehe es sehr gut, »die Hosting-Partner zu verunsichern und vor den Kopf zu stoßen«. Entgegen aller früheren Aussagen habe der Hersteller seine Online-Services schon beim Launch vor gut einem Jahr »zu recht günstigen Preisen« angeboten. Nun werden diese Preise noch einmal reduziert. Auf der anderen Seite erkennt Fries an, Microsoft investiere viel Zeit und Geld in die Unterstützung von Hostern und zeige »stets das gleiche Commitment zu den Partnern«. Deshalb setzt der Manager darauf, dass der Anbieter nun auch beim Lizenzabkommen für Service Provider nachbessert: »Von Preissenkungen können nur alle profitieren.«
Nicht zuletzt heizt Microsoft mit dem Schritt den Preiskampf in einem hart umkämpften Markt an. Tatsächlich hatte der Software-Riese erst eine Woche zuvor bei einer Ausschreibung der Stadt Los Angeles gegenüber Google [4] den Kürzeren gezogen: Die Verwaltung wählte Google Apps inklusive Gmail als Ersatz für ihre bisherige Groupware-Lösung. Dabei ging es immerhin um 30.000 Mailboxen. Für Apps zahlen Unternehmen pro Nutzer 50 Dollar im Jahr. Allerdings bestreitet Microsoft, die Preissenkung sei eine Reaktion auf die Konkurrenz. Vielmehr habe das Unternehmen »dank der schnellen Akzeptanz durch Kunden, weltweiter Skaleneeffekte und Effizienzverbesserungen durch neue Software wie den Exchange Server 2010« die Kosten für den Betrieb der BPOS senken können.
[1] http://www.microsoft.com/germany/
[2] http://www.1und1.de/
[3] http://www.mesh.eu/
[4] http://www.google.de
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