Kritik an sozialen Netzwerken:
Ausgerechnet Google als Datenschützer
Die Google-Gründer warnen vor einer Überhandnahme der Datenspionage im Internet. Besonders attackieren sie den enormen Hunger der sozialen Netzwerke nach Nutzerdaten für Werbezwecke.
Dass Daten im Internet nicht besonders sicher liegen, ist eine Erkenntnis, die sich mittlerweile durchgesetzt haben sollte. Verschiedenste Seiten und Dienste sammeln Nutzerdaten, bis die Server rauchen. Sie halten die Informationen oft über Jahre gespeichert und reichern die Profile immer weiter an. So können sie dem Nutzer spezifische, auf ihn zugeschnittene Werbung präsentieren. Personalabteilungen googeln nach den Namen neuer Bewerber und begutachten gleich noch deren Einträge und Bilder in StudiVZ und Co.
Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page fordern mehr Datenschutz im Web - außer von Google selbst.
Mit Sergey Brin und Larry Page haben sich jetzt ausgerechnet die Gründer der Suchmaschine Google deutlich gegen diese Datensammelwut ausgesprochen. Sie sehen dadurch gar den Ruf der gesamten Internetbranche in Gefahr. Besonders greifen die Beiden dabei die sozialen Netzwerke an. Diese jagen ihrer Meinung nach zu aggressiv nach Daten, analysieren diese und missbrauchen sie für gezielte Werbung und Vermarktung.
Somit würden die Nutzer schnell das Vertrauen in Anbieter aus dem Netz verlieren und alle anderen für die schwarzen Schafe der Branche mitbestrafen. »Wir sind auf das Verbrauchervertrauen angewiesen, ansonsten machen wir kein Geschäft«, gibt Page in einem Interview mit der Financial Times (UK) zu bedenken.
Keine Probleme haben Brin und Page dagegen bei Googles eigener Datensammlung, auch nicht nach dem Kauf von Doubleclick mit seinen riesigen Datenbanken. Etwas anders sieht das jedoch mancher Datenschützer, besonders in Europa. Mehrfach wurde Google hier bereits kritisiert.
Einige Datenschützer fordern sogar, den Such-Multi zu zerschlagen. Eine österreichische Studie kommt sogar zu dem Ergebnis, Google werfe »den Schutz der Privatsphäre auf dem Müllhaufen der Geschichte«. Somit scheint die Argumentation von Brin und Page ein wenig paradox. Sie hinterlässt den faden Beigeschmack, dass hier jemand vor allem seine eigene Weste reinwaschen will, indem er auf die Fehler anderer zeigt.
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