Neue Online-Services für Privatanwender und Kleinunternehmen:
Verschläft Microsoft die Zukunft von Office?

von Dr. Matthias Hell

05.06.2008

Mit der Veröffentlichung der finalen Version von »Office Live Small Business« und der Verfügbarkeit von »Office Live Workspace« auf Deutsch macht Microsoft wichtige Fortschritte bei der Umsetzung seiner Internet-Strategie. Von Online-Anwendungen wie sie Konkurrent Google anbietet, will Microsoft jedoch nichts wissen.

Microsoft hat die Betaphase von Office Live Small Business beendet und präsentiert nun die finale Version des Online-Dienstes. Anders als es der Name vermuten lässt, handelt es sich bei Office Live Small Business nicht um eine Internetversion von Microsofts Office-Suite. Das Angebot zielt vielmehr darauf ab, kleinen Unternehmen den Aufbau einer Online-Präsenz zu erleichtern. So können Anwender mit dem kostenlosen Online-Service eine Webseite erstellen, geschäftliche E-Mail-Konten verwalten und eine Reihe von Geschäftsanwendungen nutzen. Abonnement- Kunden stehen zudem weitere Vertriebs- und Marketingfunktionen, eine frei wählbare registrierte Domain sowie zusätzlicher Speicherplatz für den Internetauftritt zur Verfügung.

Für Christian Mehrtens, Leiter des Geschäftsbereichs Information Worker in Deutschland, ist Office Live Small Business damit ein Musterbeispiel für Microsofts »Software plus Services«-Strategie. »Wir bieten das Beste aus beiden Welten: Unsere Kunden können produktiv sein, egal wo sie sich gerade befinden und bewegen sich doch in einer vertrauten Software-Umgebung.« An der Resonanz des Angebots könne man sehen, dass Microsoft die Bedürfnisse der Nutzer richtig erkannt habe. So hätten sich mittlerweile weltweit mehr als eine Million Kunden für Office Live Small Business registriert. »Bei der Umsetzung des Modells setzen wir zudem stark auf Partner «, erklärte Mehrtens. Wie der Office-Chef präzisierte, habe man dabei aber weniger den Fachhandel im Sinn, sondern ziele vielmehr auf Software-Entwickler, Webdesigner und ISVs, die das Angebot an die jeweiligen Kundenwünsche anpassen könnten.

Ebenfalls ab sofort verfügbar ist die deutschsprachige Version von Microsofts Office Live Workspace. Wie Günther Igl, Produktmanager Office Live, erklärt, adressiert der Service vor allem Privatanwender und Wissensarbeiter. Der kostenlose Dienst biete dabei eine Vielzahl von Funktionen, die vor allem Benutzern von Microsoft Share Point bereits bekannt sein dürften. So lassen sich mit Office Live Workspace Office- Dokumente auf ein Online-Account übertragen, von wo aus sie an jedem Rechner mit Internetverbindung verfügbar sind, mit Notizen versehen werden können und Mitarbeitern zur gemeinsamen Benutzung zugänglich gemacht werden können.

Kein Online-Office

Eine Funktion bietet Office Live Workspace jedoch nicht: Die Möglichkeit, Dokumente direkt im Webbrowser zu erstellen und zu bearbeiten. Aus strategischen Gründen bleibt Microsoft damit weiterhin hinter dem zurück, was Wettbewerber wie Google, Zoho und Adobe bereits seit längerem anbieten. »Wir werden von unseren Kunden aber auch nicht nach einer Browser-Bearbeitbarkeit von Office-Dokumenten gefragt «, erklärt Ralph Haupter, Marketingchef von Microsoft Deutschland. Vielmehr verfolge man das Ziel, Desktop-Anwendungen mit zusätzlichen Internet- Services zusammenzuführen.

Doch stellt sich für Beobachter zunehmend die Frage, ob Microsoft im Office-Bereich mit dem Motto »Software plus Services« eine durchdachte Zukunftsstrategie verfolgt oder mit dem sturen Festhalten an lizenzpflichtigen Desktop-Programmen nicht eine wichtige Entwicklung verschläft. Zumindest in den USA scheint der Software- Gigant mit Testprojekten wie dem im April gestarteten Abo-Service »Albany«, der neben den Office Live-Diensten auch die wichtigsten Office-Anwendungen umfasst, bereits ein Umdenken in die Wege zu leiten.

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