Facebook bleibt Neonazis treu

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

15.05.2009

Im Streit um Gruppen und Mitglieder, die den Holocaust leugnen, bleibt Facebook weiterhin stur und zeigt ein mehr als peinliches Selbstbild: »Den Holocaust zu leugnen, verstößt nicht gegen unsere Nutzungsbedingungen.«

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Auf Facebook finden sich hunderte solcher Profile für den Namen Adolf Hitler, auf denen Neonazis ihre unzweifelhaften Botschaften austauschen (siehe markierter Kasten).

Es ist ein äußerst unschönes Bild, das Facebook derzeit in einem Streit um renitente Holocaustleugner und Neonazis unter den eigenen Nutzern abgibt. Zwar wurden nach lautstarken Protesten, die auf einen offenen Brief auf der Seite boo_company [1] folgten, einige der auffälligsten Gruppen geschlossen. Die Mehrzahl der Unbelehrbaren kann jedoch ungehindert weiter ihre, in vielen Ländern unter Strafe stehende, Geschichtsverdrehung betreiben. Der jüdische Facebook-Chef Mark Zuckerberg hält sich zwar mit Kommentaren bisher weitgehend zurück, während seine Mitarbeiter sich aber in der Verteidigung der Nazi-Profile gegenseitig überbieten.

Der »Dotcomtod«-Nachfolger Boocompany fordert von Facebook unter anderem das »Entfernen aller Links zu externen Seiten oder Angeboten von Dritten, die in Deutschland einen Straftatbestand nach § 130, § 86, § 86a oder § 189des Strafgesetzbuches (StGB) darstellen«, sowie eine »Aufnahme der oben aufgeführten Straftatbestände in die Nutzungsrichtlinien von Facebook Deutschland unter "Verbotene Handlungen"«. Genau da liegt für Facebook der Hund begraben: Die eigenen Filter sortieren solches Material bisher nicht aus, da sie das Netz schlicht nicht verbietet. Stolz auf den eigenen Starr- und Stumpfsinn erklärte ein Sprecher von Facebook auf eine entsprechende Anfrage gar: »Den Holocaust zu leugnen, verstößt nicht gegen unsere Nutzungsbedingungen.«.

Telekom storniert Werbung

Auch eine jüdischgläubige Facebookmitarbeiterin stellt sich inzwischen vor die Informationsfreiheit des Sozialen Netzes für Neonazis. Produktmanagerin Ezra Callahan führte gerade den jüdischen Chef als Argument dafür an, dass das Unternehmen keine Gruppe bevorzugen oder benachteiligen dürfe. Auch kontroverse Ideen müssten diskutiert werden dürfen. Der Holocaust ist für sie nur eine unter vielen Tragödien der Menschheit, die nicht mehr Aufmerksamkeit als andere, gerade solche aus der jüngsten Vergangenheit, erfahren dürfe.

Nachdem Facebook seinen Werbekunden mit dieser sturen Haltung offenbar auch nicht garantieren kann, dass ihre Anzeigen nicht neben Neonazi-Inhalten auftauchen, hat die Telekom bereits mit sofortiger Wirkung ihre in dem Sozialen Netz geschalteten Werbungen wegen »rechtsextremer und antisemitischer Einträge« gestoppt. Während die Holocaustleugner Facebook also weiter als Plattform missbrauchen können, bleiben die Regeln der Community in einer anderen Sache eisern: Bilder von stillenden Frauen, auf denen Teile der Brustwarzen zu sehen sind, werden weiterhin ausgefiltert. Solange die Neonazis also keine Kinder füttern, können sie in aller Ruhe mit ihrer Hetze weitermachen, wenn es nach Facebook geht.

[1] http://www.boocompany.com/index.cfm/content/story/id/15780/

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