Surfen gegen die Demenz

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

16.10.2008

Während Bildungsspezialisten die Verdummung der Generation Google durch ihren hohen Internetkonsum kritisieren, zeigt eine neue Studie aus den USA jetzt ein ganz anderes Bild: Demnach fördert surfen sogar die Leistungsfähigkeit des Gehirns und beugt dem schleichenden Verfall der grauen Zellen vor.

Glaubt man ihrem Namensgeber, ist die Generation Google alles andere als fit in der »Birne«

Forscher der kalifornischen Universität von Los Angeles (UCLA [1]) haben jetzt herausgefunden, dass das Surfen im Web einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns hat. Demnach wirkt regelmäßiger Internetkonsum der biologischen Rückentwicklung der Kapazität des Gehirns entgegen, die sich mit zunehmendem Alter in einem schlechteren Gedächtnis und einer langsameren Verarbeitungsgeschwindigkeit äußert. Während der regenerative Effekt des Surfens deshalb auch bei älteren Menschen umso deutlicher ausfällt, sollten aber auch die Web-Kids ruhig weiter surfen – zur Prophylaxe: Die Beschäftigung mit dem Internet sei ein gutes Training, auch um solchen Erscheinungen langfristig vorzubeugen, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des American Journal of Geriatric Psychiatry [2].

Mit diesen Ergebnissen werden die ewigen Schwarzmaler, die eine völlige Degeneration der Menschheit durch das Web befürchten, eines Besseren belehrt: »Unsere Studie bestätigt, dass die Internet-Technologie durchaus positive Effekte auf die menschliche Gesundheit haben kann. Sie hilft etwa dabei, unsere Gehirne aktiv zu halten«, zitiert CNN [3] den UCLA-Professor und verantwortlichen Studienleiter Gary Small. Vor allem für Menschen mittleren und hohen Alters sind diese Ergebnisse ermutigend: sie können das Surfen im Web regelrecht als Trainingsmethode einsetzen, um einer Reduktion des Leistungsvermögens ihres Gehirns vorzubeugen. »Im Internet nach Informationen zu suchen, ist für das Gehirn ein komplexer Entscheidungsprozess, der seine Funktionen deutlich verbessert«, stellt Small fest. Dabei würden Hirnregionen aktiviert, die selbst beim Lesen unbeteiligt bleiben.

Web ist nicht alles

Auch andere Forscher kommen zu ähnlichen Ergebnissen und bestätigen die positiven Effekte der Internetnutzung: »Es ist prinzipiell so, dass manche Tätigkeiten das Gehirn mehr fordern als andere. Das Surfen im Internet ist sicherlich etwas, das in dieser Hinsicht einige Herausforderungen für die Nutzer bereithält«, ergänzt Alexander Maye, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Neurophysiologie und Pathophysiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. So erfordere die Nutzung des Webs beispielsweise ein Mindestmaß an Orientierung und eine schnelle Auffassungsgabe. »Einen Zusammenhang zwischen dem Internetsurfen und einer gesteigerten Hirnaktivität halte ich deshalb für plausibel«, so Maye.

Wer aber nun glaubt, damit einen Freischein für unendliches surfen zu haben, irrt. Denn wie so oft, kommt es auch hier auf die richtige Mischung an: »Die Beschäftigung mit dem Internet alleine reicht sicherlich nicht aus, um etwaigen Leistungsverlusten des Gehirns im Alter vorzubeugen«, stellt Maye klar. Mindestens ebenso wichtig sei unter anderem der reale Kontakt zu anderen Menschen.

[1] http://www.ucla.edu/
[2] http://ajgponline.org/
[3] http://www.cnn.com/

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