Merkel unterstützt AMD im Kartellstreit gegen Intel
AMD will Intel durch die Übernahme des Grafikchipherstellers ATI Technologies weitere Marktanteile abjagen und sich künftig ebenfalls als Plattform-Anbieter positionieren. Die Fusion ist nun auch juristisch abgeschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel verspricht, das Unternehmen im Kartellstreit gegen Intel zu unterstützen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Durch die nun abgeschlossene Übernahme von ATI, die zu einer Neuordnung auf dem Chipmarkt führt, stärkt sich AMD [1] im Kampf um Marktanteile gegen den Branchemprimus Intel. AMD wird voraussichtlich Ende 2008 gemeinsam mit den Spezialisten von ATI integrierte Plattformen auf den Markt bringen, bei denen CPU und Grafik besser abgestimmt sein sollen. AMD-Chef Hector Ruiz erhebt indes schwere Vorwürfe gegen den Marktführer bei x86-Prozessoren: »Intel hält Kunden davon ab, AMD-Produkte zu kaufen.«
Obwohl bei den Endkunden durchaus eine Nachfrage nach Systemen mit AMD-Prozessor besteht, sind diese hierzulande zum Beispiel in den Elektronikmärkten der Media Saturn Holding nicht erhältlich. Ruiz beschuldigt Intel seine starke Marktposition durch illegale Geschäftsmethoden zu verteidigen. Die europäische Kommission bereitet derzeit eine formelle Anklage gegen Intel vor.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat anlässlich eines Festaktes zum zehnjährigen Bestehen des AMD-Standortes Dresden erklärt, dass die Bundesregierung AMD beim Kampf um faire Bedingungen auf dem Chipmarkt unterstützen werde, um zu gewährleisten, »dass es keine Diskriminierung gibt«, so Merkel.
»Intel hält Kunden davon ab, AMD-Produkte zu kaufen«
AMD Deutschland-Chef Jochen Polster erläutert gegenüber Computer Reseller News: »Wenn Sie sich etwa öffentliche Ausschreibungen ansehen, muss sichergestellt werden, dass diese neutral bleiben. In einigen Fällen ist dies immer noch nicht der Fall. Es werden teilweise bei den Systemanforderungen noch nicht Leistungsklassen angegeben, sondern CPUs spezifiziert.«
ATI Europa-Chef Peter Edinger ergänzt: »Im Grunde wollen wir nur das bestehendes Recht konsequent durchgesetzt wird und illegale Abmachungen unterbunden werden.« Offen bleibt jedoch welche Möglichkeiten die EU-Wettbewerbshüter haben, damit AMD-Systeme künftig auch bei Media Markt- und Saturn erhältlich sind. Polster betont, dass AMD unabhängig vom jetzt in Brüssel anhängigen Wettbewerbsverfahren, seine Marktposition gegenüber Intel auf jeden Fall erheblich verbessert habe. Langfristiges Ziel von AMD sei ein Weltmarktanteil von rund 30 Prozent. Während Intel bereits jetzt Quad-Core-Chips anbietet, wird AMD allerdings erst im nächsten Sommer Vierkern-CPUs auf den Markt bringen. Auch die Dominanz von Intel bei x86-CPUs hat AMD bisher nicht ernsthaft gefährden können. Intel erzielte 2005 einen Jahresumsatz von rund 39 Milliarden Dollar. AMD und ATI kommen nun auf einen gemeinsamen Umsatz von knapp acht Milliarden Dollar und 15.000 Mitarbeiter. AMD verspricht sich nach der Übernahme von ATI künftig auch im Markt für digitale Unterhaltungselektronik verstärkt Fuß zu fassen: »AMD wird verstärkt in den Consumer Electronics Markt kommen. Mit Ausnahme von AMD live waren wir bisher ja nicht im CE Markt präsent«, so Polster. ATI verfügt dagegen über langjährige Erfahrungen mit Grafikchips für CE-Produkte wie Flachbild-TV-Geräte, Settop-Boxen oder Spielkonsolen. Aufgrund der unterschiedlichen Kanäle für CPUs, Chipsätze und diskrete Grafiklösungen werde es jedoch vorerst keine gemeinsamen AMD-ATI-Channelprogramme geben. »ATI bleibt als Grafikmarke inklusive dem bewährten, indirekten Vertriebsmodell erhalten«, versichert ATI-Chef Peter Edinger.
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