Gartner prognostiziert Kostenexplosion in Rechenzentren

von Lars Bube (lars.bube@crn.de), Bernd Reder

27.11.2009

Die Analysten von sagen den Verantwortlichen von Rechenzentren für das kommende Jahr, unter anderem wegen der steigenden Energiekosten, eine regelrechte Kostenexplosion voraus. In vielen Unternehmen sind daher dringend Maßnahmen gefordert, um die Effizienz zu erhöhen und dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Zählte früher meist alleine die Rechenleistung, wird heute zunehmend die Energieeffizienz zu einer entscheidenden Größe im Rechenzentrum.

Glaubt man den Analysten von Gartner [1], steht Unternehmen mit eigenem Rechenzentrum und ihren Verantwortlichen ein schweres Jahr bevor. Insbesondere auf Unternehmen, die nicht bereits die Effizienz ihres Datacenters deutlich verbessert haben, müssen demnach mit »Herausforderungen« in einer neuen finanziellen Dimension rechnen. Hauptursache dafür sind laut Gartner die steigenden Energiekosten, in Deutschland erhöhen die meisten Anbieter erhöhen 2010 ihre Tarife neuerlich um etwa zehn Prozent. »Unter allen Kostenblöcken eines Datacenters ist Energie der am schnellsten wachsende«, bestätigt Rakesh Kumar, Vice President Research bei Gartner.

Obwohl diese Entwicklung steigender Energiepreise nicht ganz neu ist, haben es die meisten Firmen verpasst, angemessen darauf zu reagieren. Zwar ist der Wille oft durchaus vorhanden, allerdings fehlt es vielen Unternehmen beispielsweise an Verfahren, mit denen sich der Energiebedarf im eigenen Rechenzentrum genau ermitteln, aufschlüsseln und optimieren lässt. Ohne aussagekräftige Messungen sind die meisten Projekte zur Effizienzsteigerung jedoch von vorne herein zum scheitern verurteilt, können doch ihre erzielten Sparefekte nie quantifiziert und bewertet werden. »Den meisten IT-Managern ist nicht bewusst, dass sie alleine 400 Dollar an Energiekosten pro Jahr sparen können, wenn sie nur einen einzigen x86-Server weniger einsetzen.«, konstatiert Kumar.

Vier zentrale Fragen gegen das Debakel

Gartner sieht erheblichen Nachholbedarf bei den meisten Betreibern von Rechenzentren.

Gartner hat vier Fragen formuliert, auf die IT-Manager eine Antwort finden müssen, wenn sie 2010 kein Debakel erleben wollen.

1. Gibt es ein standardisiertes Verfahren, um die Kosten des Datacenter auf einzelne Faktoren herunterzubrechen?

Anwender sollten sich laut Gartner die Mühe machen, alle Kostenelemente zu definieren und aufzulisten, die im Zusammenhang mit dem Rechenzentrum eine Rolle spielen: etwa Sach- und Personalaufwendungen, die Kosten von Services, die für andere Abteilungen zu erbringen sind, et cetera.

2. Welche einfach umzusetzenden Kostensparmaßnahmen gibt es? Hier hat Gartner folgende Tipps auf Lager: • die Hardware standardisieren und konsolidieren. Nach Angaben von Gartner-Kunden verringert das die Zahl der eingesetzten Server um 5 bis 20 Prozent. Auf diese Taktik setzt übrigens auch Dell in seinen Rechenzentren und spart dadurch Millionen Dollar (siehe Beitrag unten unter Verwandte Artikel);
• die Zahl der Datacenter verringern;
• Energie- und Kühlkosten senken, etwa durch Anheben der Temperatur auf etwa 24 Grad, um die Kühlung zu entlasten, durch Einsatz von Umgebungsluft zum Kühlen statt Klimaanlagen sowie durch Verwendung von Server-gestützten Energiemanagement-Tools. Diese können Workload auf besonders energieeffiziente Server verlagern;
• Personalkosten senken; diesem machen bis zu 40 Prozent der Gesamtkosten eines Rechenzentrums aus;
• Neuanschaffungen von Hardware hinausschieben, vor allem bei Server-Systemen. Diese, so Gartner, könnten über den Abschreibungszeitraum hinaus eingesetzt werden.

Messen ist das A und O

3. Sollte ein Messverfahren eingeführt werden, das die Energieeffizienz des Rechenzentrums misst?

Hier ein klares Ja von Gartner. Allerdings hat die Einführung solcher Monitoring-Systeme in vielen Rechenzentren eine niedrige Priorität.

4. Ist das vorhandene Rechenzentrum zukunftssicher?

Eine zentrale Frage ist in diesem Zusammenhang der Standort von Rechenzentren. Viele liegen in Regionen, die durch ein hohes Gehaltsniveau geprägt sind, etwa Handelszentren. Bei der Standortfrage auch Faktoren wie örtliche Energiekosten und das Steuerniveau (Gewerbesteuer) berücksichtigen.

Steht eine Erweiterung der Kapazitäten des Datacenters an, etwa weil ein Unternehmen expandiert, sollte der IT-Verantwortliche prüfen, ob Standort und Gebäude dafür ausgelegt sind. Ein Neubau, etwa in einer anderen Region, kann dann preisgünstiger kommen, wenn beispielsweise größere Umbaumaßnahmen erforderlich sind. Eine Richtzahl: Ein neues oder umgestaltetes Datacenter muss mindestens fünf Jahre lang den Ansprüchen des Unternehmens genügen.

[1] http://www.gartner.com/

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