Die wichtigsten Smartphone-Trends 2009

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

25.12.2009

Im Bereich Smartphones gab es 2009 einige beachtenswerte Entwicklung. So versuchen Motorola und Palm ein Comeback in diesem Segment, Apple heizte der Konkurrenz mit dem iPhone 3GS ein und Android schickt sich an, eine Alternative zu Symbian und Windows Mobile zu werden.

Die Rückkehr von Motorola

Die Rückkehr von Motorola

Viele hatten Motorola, einst einer der größten Handy-Hersteller der Welt, schon abgeschrieben. Mit dem Cliq und Droid versucht das Unternehmen nun ein Comeback im Smartphone-Bereich. Die Mobiltelefone laufen unter der Open-Source-Software Android 2.0 Im nächsten Jahr will Motorola weitere Geräte mit diesem Betriebssystem vorstellen, vorausgesetzt, der Konzern kommt nicht doch noch auf die Idee, die Cell-Phone-Division zu verkaufen.


Welcome back, Motorola! Das Cliq soll die Wiedergeburt des Herstellers im Smartphone-Bereich einläuten.

Blackberry für die Massen

Einst waren Blackberry-Smartphones exklusive Spielzeuge für ebenso exklusive Business-Nutzer. Das hat sich drastisch geändert. Nach Angaben von Blackberry-Produzent Research In Motion (RIM) waren im zweiten Quartal 2009 an die 80 Prozent der Käufer der Mobiltelefone Privatleute. Kein Wunder, denn das Blackberry Curve und die zweite Auflage des Touchscreen-Modells Storm zielen auf den neuen Erzrivalen Apple.

Und ebenso wie dieser hat auch RIM 2009 einen eigenen Online-Shop für Anwendungen eröffnet. Zwar sind in der App-World von RIM eher Business-Anwendungen zu finden. Doch dass auch die eine oder andere eher legere Applikation dort Einzug gehalten hat, belegt unter anderem unser Report Von wegen seriös: Kuriose Anwendungen für das »Blackberry«-Smartphone.


Nicht nur für Anzugträger: Mit dem Touchscreen-Modell Blackberry Storm 2 spricht RIM auch private Nutzer an.

Apple rüstet das iPhone auf

Schneller, besser, ausdauernder – mit dem 3GS ließ Apple dem iPhone das angedeihen, was Autobauer dezent mit »Modellpflege« umschreiben. Die Nutzer dürften sich allerdings vielmehr darüber gefreut haben, dass der Hersteller beim 3GS und mit Version 3.0 von iPhone OS viele kleine Nickeligkeiten beseitigten, etwa die kümmerliche Copy-and-Paste-Funktion und den extremen Stromhunger.

Immerhin ist Apple mittlerweile nach Angaben der britischen Marktforschungsfirma Canalys drittgrößter Smartphone-Hersteller der Welt, mit einem Anteil von 17,8 Prozent, bezogen auf die Zahl der verkauften Geräte im dritten Quartal 2009. Und ein Ende des iPhone-Booms ist noch nicht in Sicht. Apple-Oberguru Steve Jobs wird es mit Freude hören und weitere Jünger um sich scharen.


Eine Geldkuh erster Güte: Mit dem iPhone 3GS hat sich Apple endgültig in der Riege der führenden Smartphone-Hersteller etabliert.

Android schart seine Truppen um sich

Als Google das Handy-Betriebssystem Android auf den Markt brachte, prognostizierten viele Fachleute der Software ein Debakel. Doch weit gefehlt. Mittlerweile sind zig Android-Smartphones auf dem Markt, von den G-Modellen von T-Mobile über das Cliq von Motorola bis hin zum Hero von HTC. Bis Ende des Jahres werden laut Google mindestens 20 Geräte verfügbar sein, die unter der Open-Source-Software laufen. Im kommenden Jahr wollen Sony-Ericsson und Asus/Garmin weitere »Androiden« auf den Markt werfen.

Auch was die Zahl der Anwendungen betrifft, kann sich Google Baby sehen lassen: an die 13.000 Apps sind verfügbar. Das ist zwar nur etwa ein Zehntel dessen, was Apple vorzuweisen hat, aber eine respektable Anzahl. Ein Manko, mit dem Android noch herumplagt: Den Smartphones fehlen noch Funktionen, die für Firmen wichtig sind, etwa eine hardwaregestützte Verschlüsslungen und Support für Virtuelle Private Netze (VPNs).


Auch das Hero von HTC läuft unter Android.

Die Aufholjagd von Microsoft

Bei vielen Analysten hat Microsofts Windows Mobile derzeit keinen guten Stand. Das Betriebssystem habe Marktanteile verloren; Microsoft mangle es an einer überzeugenden Strategie im Mobile-Computing-Bereich, so die Vorwürfe. Das ist übertrieben, denn viele führende Smartphone-Hersteller haben Windows-Mobile-Geräte im Programm: HTC, LG Electronics, Samsung, Toshiba et cetera.

In Version 6.5 hat Microsoft vor allem die Management-Funktionen verbessert. Das macht entsprechende Smartphones für Unternehmen interessant, speziell solche, die auf Exchange als Kommunikationsdrehscheibe setzen. Dennoch läuft Windows Mobile Gefahr, zwischen zwei Mahlsteine zu geraten: die Business-Fraktion, repräsentiert durch Blackberry, und die Mainstream-User, die eher auf das iPhone und Android setzen.

Viel wird davon abhängen, wie Windows Mobile 7 von den Nutzer angenommen wird. Diese Ausgabe der Software will Microsoft in der zweiten Hälfte 2010 lancieren.


Zwischenschritt: Windows Mobile 6.5 kam im Oktober 2009; bereits Mitte 2010 soll die 7er Version des Betriebssystems folgen.

Palm erfindet sich neu – mit dem Pre

Jahrelang dümpelte Mobile-Computing-Veteran Palm in seichten Gewässern vor sich hin. Weder mit dem betagten Palm OS noch mit Windows Mobile wollte der Durchbruch an der Smartphone-Front gelingen. Seit Anfang des Jahres steht endlich eine neue Waffe bereit: das Palm Pre mit der Systemsoftware WebOS.

Fachleute wie Nutzer zeigen sich vom Pre begeistert: einfache Bedienung, toller Touchscreen, viele hilfreiche Funktionen, speziell für Internet-User. In Deutschland bietet derzeit Telefónica o2 Germany das Gerät an. Doch leider haben sich das Pre und die Low-Cost-Variante Pixi nicht, wie erhofft, zum Rettungsanker für Palm entwickelt.

Zu lange hat der Hersteller offenkundig seine Fans hingehalten. Auch im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres schrieb die Firma rote Zahlen (85,4 Millionen Dollar) – zum zehnten Mal in Folge. In den besagten drei Monaten setzte Palm weltweit 783.000 Smartphones um, rund 5 Prozent weniger als im ersten Quartal.


Das Palm Pre und das kleinere Pixi sollen Palm zu alter Größe verhelfen.

Apps, Apps, Apps

Apple exerzierte es mit dem App-Store vor. Nun hat so gut wie jeder ernst zu nehmende Smartphone-Hersteller »seinen« Online-Shop mit Anwendungen für seine Geräte. Laut Apple haben iPhone- und iPod-User mittlerweile zwei Milliarden Programme aus dem Shop heruntergeladen. Dort sind mehr als 100.000 Apps zu finden.

Von solchen Zahlen können andere nur träumen: Für Android stehen an die 13.000 mobile Anwendungen bereit, für Windows Mobile schätzungsweise 20.000 bis 30.000 (so genau weiß das keiner, und Microsoft schweigt sich dazu aus). RIM setzte 2009 seine Blackberry-World auf, und Nokia baut auf Ovi. Damit nicht genug: Auch Samsung und Palm umgarnen die Entwickler- und Kundengemeinde.

Und hier liegt auch das Problem: Zu viele Plattformen sind des Entwicklers tot. Denn Softwarefirmen können nun einmal nicht zig Betriebssysteme parallel unterstützen. Kein Wunder, dass Visionäre wie Google bereits postulieren: Das Web ist die ultimative mobile Plattform, nicht das Betriebssystem.


Bislang unerreichtes Vorbild: In Apples App-Store sind mehr als 100.000 Anwendungen für das iPhone und den iPod Touch zu finden.

Symbian auf dem Marsch Richtung Open Source

Eine der spannenden Fragen für 2010 lautet: Was wird aus Symbian? Dank der Marktmacht von Nokia ist die Software immer noch das Handy-Betriebssystem mit der größten Verbreitung weltweit. Im dritten Quartal 2009 wurden laut Canalys weltweit rund 19 Millionen Symbian-Geräte verkauft. RIM/Blackberry folgte mit 8,5 Millionen auf Platz zwei, vor iPhone OS mit rund 7,4 Millionen.

Der Pferdefuß bei Symbian: das User-Interface ist in die Jahre gekommen und wirkt altbacken. Nun hat sich Symbian Foundation daran gemacht, der Software ein Facelifting zu verpassen. Alle sechs Monate soll eine neue Version kommen.

Die wichtigste Änderung: Symbian ist nun Open Source. Damit kopieren die Symbian Foundation und deren Muttergesellschaft Nokia das Vorbild Android/Google. Im kommenden Jahr will Sony-Ericsson das erste Smartphone auf den Markt bringen, das unter dem Open-Source-Symbian läuft.
Hält Symbian OS die Treue: Samsung mit i8910 HD.

Computerhersteller werden Smartphone-Produzenten

Das Jahr 2009 brachte den (Wieder-)Einstieg von Computerherstellern ins Smartphone-Geschäft. Neben Acer forciert auch Dell den Aufbau eines Mobile-Unternehmensbereichs. Und Lenovo kaufte seine ausgelagerte Smartphone-Sparte von einem Investor zurück.

Alle drei Firmen hoffen, mit Mobiltelefonen das große Geschäft zu machen. Doch Fachleute warnen: Bei mobilen Telefonen komme es stark auf die Software an. Viele Rechnerhersteller hätten diesbezüglich keine Erfahrung. Somit seien Reinfälle, oder besser gesagt »Lernkurven« vorprogrammiert.

Doch keine Bange: Auch die Smartphone-Hersteller zeigen sich wagemutig. Nokia hat mit dem Booklet 3G ein Netbook mit Windows7 vorgestellt. Auch HTC will in diesen Markt einsteigen. Also gilt auch hier: »Lernkurve«.


Wir können auch Netbooks: Das Booklet 3G von Nokia ist nun wahrlich kein Smartphone mehr.