Apple Stores machen Händlern Konkurrenz:
Die dunkle Seite des Apfels

von Dr. Joachim Gartz (joachim.gartz@crn.de)

21.06.2007

Offiziell spielt der Fachhandel im Rahmen von Apples Multichannel-Strategie eine zentrale Rolle. Doch die von Apple geplanten eigenen Retail Stores sorgen für Unruhe in Händlerkreisen. Kleinere Reseller, die überwiegend an private Endkunden verkaufen, müssen in der Nähe eines Apple Stores um ihre Existenz fürchten, wie das Beispiel USA zeigt.

Auch wenn Apple nicht müde wird, die wichtige Rolle des Fachhandels immer wieder zu betonen, bedeuten die voraussichtlich im nächsten Jahr auch in Deutschland startenden Apple Stores eine weitere Stärkung des Direktvertriebs. Ein Blick auf die Apple-Szene in den USA zeigt, dass dort die Apple Stores eine Vielzahl von kleineren lokalen Händlern zum Aufgeben gezwungen haben. Möglicherweise werden eine Handvoll firmeneigene Retail Stores in einigen deutschen Großstädten nicht ganz so dramatische Konsequenzen wie jenseits des Atlantiks haben. Doch kleinere Händler klagen zudem immer wieder über Lieferengpässe bei Topsellern der Firma mit dem Apfel-Logo, die ihre Produkte offensichtlich auch gerne selbst verkauft. Besonders ärgerlich für die Partner ist es, wenn neue iPods oder Mac-Notebooks beim Media Markt oder im Apple Online Store verfügbar sind, während kleinere Partner wie zum Beispiel Reinhard Weidinger, der seit 17 Jahren einen Apple-Laden in München betreibt, außen vor bleiben. Nur wenige Kilometer von Weidingers Ladenlokal »In Time Computer« soll im nächsten Jahr der erste deutsche Apple Retail Store in bester Lage am Marienplatz seine Pforten öffnen. Weltweit betreibt Apple-Chef Steve Jobs mehr als 150 konzerneigene Läden. Die meisten befinden sich in den USA. Branchenkenner erwarten, dass Apple hierzulande mindestens fünf Stores errichten wird, unter anderem in Berlin und in Frankfurt. Apple hüllt sich zu seiner Store-Strategie in Deutschland in Stillschweigen. In den USA können Apple-Fans indes im Flagship-Store an der Fifth Avenue bereits an jedem Tag des Jahres rund um die Uhr einkaufen. Reinhard Weidinger, Inhaber von »In Time Computer«, sieht mit den geplanten Apple Stores das Ende einer Ära kommen:

»Apple hat die Händler so lange wie nötig benutzt. Seit Steve Jobs das Unternehmen führt, sind die Produkte zwar besser geworden, doch der Umgang mit dem Channel ist schlechter geworden.« Apple forciere in letzter Zeit zunehmend den Direktvertrieb. Weidinger will nicht warten, bis er eines Tages seinen Laden schließen muss, weil er mit der Konkurrenz durch Apple sowie Shop-in-Shop-Angebote bei Flächenmärkten wie Saturn nicht mehr mithalten kann. Seit vier Jahren betreibt der umtriebige Apple-Händler deshalb als zweites Standbein einen Laden für hochwertige Aktiv-Lautsprecher. Seine Kunden sind in erster Linie Studios, aber auch Privatkunden mit hohen Klangansprüchen. »Hersteller wie Adam Audio verkaufen nicht an Endkunden. Die Vertriebssituation ist so, wie sie früher einmal im Computerhandel war und die Margen sind ebenfalls wesentlich besser als beim Handel mit Apple-Produkten«, erklärt Weidinger, der sein Ladenlokal bald schließen wird und künftig Apple-Artikel nur noch unter dem Dach seines Lautsprecher-Studios verkaufen wird.

Armin Blohmann, Director Corporate Communications & Corporate Affairs bei Cancom, sieht dagegen für sein Unternehmen keine gravierenden Konsequenzen durch Apples direkte Vertriebskanäle: »Die so genannten ›Creative Professionals‹ werden ihren hohen Beratungsbedarf unserer Ansicht nach weder in einem Apple Store, noch im Apple Webstore befriedigen können. Beide Angebote sprechen vorrangig Privatverbraucher an. Das ist übrigens auch völlig legitim, um die Apple- Produktwelt in ihrer ganzen Vielfalt einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Dass andererseits reine Apple- Händler, die sich vorrangig an Privatverbraucher wenden, unter der Eröffnung von Apple Stores leiden werden, ist allerdings durchaus vorstellbar.«

Windows-Rechner für Geschäftskunden

Das Systemhaus Cancom ist der größte europäische Apple-Partner im Geschäftskundenbereich. Es bietet ein umfassendes Produkt- und Dienstleistungsportfolio aus dem Apple- und PC-Umfeld und unterhält in Deutschland 15 Niederlassungen, die über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind. Zu den Kunden zählen Großunternehmen, mittelständische Firmen sowie Mitglieder des öffentlichen Bereichs wie Universitäten, Behörden und Ministerien. Cancom beschäftigt aktuell rund 1.300 Mitarbeiter, davon rund 900 im Bereich ITDienstleistungen.

Seit vergangenem Jahr liefert Cancom auf Wunsch auch Intel-basierende Mac-Rechner mit vorinstalliertem Windows-Betriebssystem aus. Um die Kunden von den Vorteilen dieser Lösung zu überzeugen, hat Cancom einen eigenen Vertriebsbereich eingerichtet. Dieser informiert Geschäftskunden auch über die Integration von Mac- und Windows- Clients in heterogenen Netzwerken sowie im Rahmen von Server- und Storage-Architekturen.

Der Umstieg auf Intel habe laut Alexander Roth, Senior Business Manager PC Systeme – Apple bei Tech Data, zahlreiche Vorteile für die Mac-Gemeinde gebracht: Der Umstieg hat für alle Beteiligten trotz der damals sensationellen und nie für möglich gehaltenen Ankündigung viel Positives gebracht. Die ewige Gigahertz- Diskussion, mit der sich zu Power-PC-Zeiten jeder beschäftigen musste, ist seit dem Intel-Switch vom Tisch. Zusätzlich haben die Intel-Prozessoren gerade im mobilen Bereich deutliche Vorteile beim Stromverbrauch und der Performance im Vergleich zu den zuletzt von Apple verwendeten Power-PC-Chips. Und zu guter Letzt hat es Auswirkungen auf den Preis: Apple profitiert deutlich von den günstigeren Einkaufskonditionen für die Intel-Prozessoren im Gegensatz zur Vergangenheit und ist somit in der Lage, attraktivere Preise für seine Produkte zu bieten.«

Laut Martin Mayr, Apple Vendor Relations Manager bei Cancom, ist das Thema »Win-on-Mac« nach wie vor sehr aktuell: Besonders im Fokus des Kundeninteresses stehe derzeit zudem die Einführung von Adobes »Creative Suite 3«: Mayr rechnet damit, dass es durch die Verfügbarkeit des neuen Adobe-Softwarepakets zu einer deutlichen Umsatzbelebung bei Apple- Rechnern kommen wird. Für den nächsten Umsatzsschub werde die für Herbst angekündigte Einführung von Apples neuem Betriebssystem »Leopard« sorgen.

Mit einem eigenen Web-Browser für Windows-PCs will Apple darüber hinaus nun Microsoft auch im Internet Konkurrenz machen. Apple-Chef Steve Jobs präsentierte auf dem Entwicklerforum seines Unternehmens in San Francisco (World Wide Developer Conference) erstmals eine Windows-Variante des Internet-Programms Safari, die ähnlich wie die Musik- Software Itunes kostenlos über das Internet verteilt wird.

»Die eigentliche Sensation der WWDC in San Francisco war die Vorstellung des Apple-eigenen Browsers Safari 3.0 für Windows. Damit hatte wirklich niemand gerechnet. Nach Bootcamp ist diese Ankündigung ein weiterer Schritt, tief in den Windows-Markt einzudringen. Ich bin außerordentlich gespannt, ob und wie Microsoft auf die Strategie Apples reagiert«, so Gravis-Vorstand Archibald Horlitz gegenüber Computer Reseller News. Mit einem Marktanteil von knapp fünf Prozent liegt Apple im Browser-Markt weit hinter dem dominierenden Internet Explorer von Microsoft, der nach Angaben von Apple 78 Prozent Marktanteil für sich verbucht. Der Web-Browser Safari soll Programmierern auch die Möglichkeit geben, Web-basierte Anwendungen für das neue Apple-Handy iPhone zu schreiben.

Attraktive Margen mit Apple-Zubehör

Rund um den Mac und vor allem den iPod, gibt es mittlerweile Tausende von Zubehör- Produkten, die Händlern interessante Margen ermöglichen. Viele PC-Peripherie- Geräte funktionieren problemlos mit Mac- Computern und auch im Publishing und AV-Bereich existieren eine Vielzahl von Hardware- und Software-Lösungen von Drittherstellern rund um den Mac. Das Portfolio des Apple-Distributors Comline enthält eine Vielzahl von Apple-kompatiblen Geräten und Programmen für die professionelle Musik- und Videoproduktion. Neben den Broadlinern Tech Data und Ingram Micro ist Comline der dritte Apple-Distributor in Deutschland. Vor zwölf Jahren hat Comline mit »Avid Video Shop« sein erstes Videoprodukt vertrieben. Anfang 2003 erfolgte der Einstieg in den Audiobereich mit Musik-Software von Steinberg: »Nach einer Dekade ist unser Produktangebot im Videobereich schon recht komplett geworden. Im Audiobereich wollen wir dagegen noch wachsen«, so Klaus Preuschhof, Director Product Management Multimedia bei Comline. Nachdem Apple von Anfang an die Intel-Mac- Plattform voll mit Musik-Software unterstützt habe, seien nun auch alle anderen Digital-Audio-Workstation-Programme, wie zum Beispiel »Cubase« von Steinberg, voll Intel-Mac-kompatibel. Im Videoschnitt gehe die Tendenz dagegen klar in Richtung High Definition. Auch die letzte Hürde, die Ausgabe auf Blu-ray-Disk oder HDDVD, sei mit den aktuellen Softwarepake ten von Herstellern wie Apple, Avid, Canopus oder Pinnacle kein Problem mehr. Fachhändler, die ihren Umsatz im Audiound Video-Bereich steigern wollen, werden von Comline auch durch Trainings, Demo-Hardware und Open-House-Veranstaltungen unterstützt. »Der AV-Markt gehört mittlerweile nach langer Entwicklungsphase zum absoluten Kerngeschäft«, betont Harald Rapp, Geschäftsführer bei Comline.

Zu den am stärksten nachgefragten Zubehör- Produkten im Apple-Umfeld zählen hochwertige Ohr- und Kopfhörer für den iPod. »Diese werden sowohl als Upgrade für den Player als auch zum Ersatz für defekte Ohrhörer, etwa nach einem Kabelbruch, erworben «, erläutert Florian Richter, PR & Product Manager Consumer Electronics bei Creative Labs. Darüber hinaus würden Anwender verstärkt auch portable Lautsprecher und Docking-Stationen nutzen, um die Musik auf dem iPod auch am PC oder gemeinsam mit Freunden zu genießen. Die Produktkategorie portable Lautsprecher und Docking-Stationen erfreue sich ebenfalls steigender Nachfrage. In beiden Bereichen biete Creative entsprechende Produkte an. »Zudem beginnen wir in Kürze mit der Auslieferung des »Xdock wireless« an den Handel. Dieses Produkt bietet auf Grund der Wireless- und X-Fi-Technologien ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Docking-Stationen. Hier ist die Beratungskompetenz des Fachhändlers gefragt, dem sich die Chance bietet, sich vom Flächenhandel abzugrenzen und durch Kundenorientierung zusätzliche Umsätze zu generieren«, so Richter.

______________________________________

INFO

Apple Computer GmbH
www.apple.de

Cancom IT Systeme AG
www.cancom.de

Comline Gmbh
www.comline-shop.de

Creative Labs GmbH
http://de.europe.creative.com

Gravis Computervertriebsgesellschaft mbH
www.gravis.de

In Time Computer Vertriebs GmbH
www.in-time.de