Wachstumsraten von knapp zehn Prozent:
SAP-Outsourcing trotzt der Krise
Entgegen den allgemeinen Rückgängen im SAP-Geschäft kann Outsourcing in diesem Jahr deutlich zulegen. Selbst in den reifen Märkten Westeuropas erwarten die Analysten von PAC in diesem Jahr ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Davon profitieren SAP-Partner wie TDS oder Itelligence.
Die Krise hat inzwischen auch SAP erreicht, und damit auch den Channel der Walldorfer. Nicht nur der Lizenzvertrieb leidet sichtbar unter der Investitionsflaute im Markt, sondern auch das Service-Geschäft geht laut Prognose der Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) in diesem Jahr in Europa um 2,5 Prozent zurück. Von diesem Negativtrend koppelt sich ein Segment, nämlich Outsourcing, erfolgreich ab: Selbst in den reifen Märkten Westeuropas werden Services zum ausgelagerten Betrieb von SAP-Anwendungen um acht bis neun Prozent zulegen, in fast allen anderen Regionen wachsen sie sogar zweistellig.
Prinzipiell erklärt sich die Nachfrage durch die klassischen Vorteile des Outsourcings wie die klare Zuordnung von definierten Leistungen und vereinbarten Gebühren sowie die Entlastung des Anwenders von IT-Aufgaben, die nicht zu seinem Kerngeschäft gehören. Gerade in der Krise versprechen sich Unternehmen vor allem aber Kostenersparnisse, wenn sie den Betrieb ihrer SAPSysteme an einen Dienstleister abgeben. Dadurch entsteht zusätzliches Marktpotenzial für SAP-Partner, die wie Itelligence oder TDS über Rechenzentren verfügen, in denen sie Kundenapplikationen hosten.
»Wir sehen momentan eine große Nachfrage nach Outsourcing- Dienstleistungen«, bestätigt Thomas Jürgens, Geschäftsführer IT Consulting bei TDS in Neckarsulm, die PAC-Einschätzung. Auch Herbert Vogel, Vorstandsvorsitzender von Itelligence, rechnet damit, »dass Outsourcing überproportional wächst. Gerade jetzt beobachten wir bei Kunden besonders großes Interesse an diesem Thema.« Beide Dienstleister konzentrieren sich vor allem auf den Mittelstand, zu dem der SAP-Definition zufolge Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 500 Millionen Euro gehören.
Auf künftiges Wachstum sind die Anbieter jedenfalls vorbereitet. So nahm TDS vor wenigen Wochen den ersten Spatenstich für ein neues Rechenzentrum am Hauptsitz Neckarsulm vor. Itelligence weihte bereits vor einem Jahr das dritte Rechenzentrum am Standort Bautzen ein. In der Lausitz verfügt das Bielefelder Systemhaus außerdem über eine Grundstücksfläche für drei weitere Rechenzentren. Im Geschäftsjahr 2008 lag der Anteil des Outsourcing-Geschäfts am Umsatz der Ostwestfalen bei 35 Prozent. In den kommenden Jahren möchte Itelligence-Chef Vogel den Anteil um weitere zehn Prozent steigern, um unabhängiger vom Lizenz- und Consulting- Geschäft zuwerden. »Wir spüren, dass in der Krise Outsourcing an Bedeutung gewinnt. Allerdings muss man innovativ aufgestellt sein, um damit auch Geld zu verdienen.«
Flexibles Abrechnungsmodell
TDS kommt bereits jetzt auf einen Outsourcing-Anteil von 70 Prozent. Und der könnte sich weiter vergrößern. »Wir sind bestrebt, weitere Kunden ins Outsourcing zu bringen«, kündigt Consulting-Chef Jürgens an. Dabei spricht der Manager nicht nur davon, Anwendungen für Kunden zu hosten. Ebenso wie Itelligence bietet TDS auch Application Management an: die Betreuung von Systemen, die weiterhin beim Kunden laufen. Beide Spielarten des Outsourcings stehen aber, wie die Analysten von PAC betonen, unter starkem Kostendruck. Denn Hosting und Application Management werden von Anwendern inzwischen als Commodity-Dienstleistungen angesehen. »Damit werden Anbieter austauschbar, und eine Differenzierung ist nur noch über den Preis beziehungsweise innovative Preis- und Abrechnungsmodelle möglich«, folgert PAC-Experte Tobias Ortwein.
TDS hat auf diese Anforderung mit einem flexiblen Abrechnungsmodell reagiert, das auf fixen und variablen Komponenten basiert. Dabei hängen die variablen Bestandteile von der Zahl der Transaktionen und dem benötigten Speicherplatz ab. Die Strategie, mit der große Dienstleister wie Accenture, HP/EDS und IBM dem Kostendruck begegnen, indem sie Rechenzentrumskapazität nach Osteuropa oder Asien verlagern und einen Teil der Services dort erbringen, funktioniert im Mittelstand allerdings nicht: Der typische deutsche Mittelständler möchte sein SAP-System in regionaler Nähe gehostet wissen und erwartet einen deutschsprachigen Support, wie Vogel und Jürgens übereinstimmend berichten.
»Bei 99 Prozent unserer Kunden ist die Projektsprache Deutsch«, betont Jürgens die Notwendigkeit einer regionalen Betreuung. Ganz allgemein betrachtet der Geschäftsführer den direkten Draht, den Anwender zum TDS-Management haben, und die Ansprache der Kunden auf Augenhöhe als entscheidende Wettbewerbsvorteile, die mittelständisch geprägte Dienstleister den Branchenriesen voraushaben. Das bestätigt auch Vogel: »Kunden haben vor allem mit der Anonymität bei den großen Outsourcing-Anbietern Probleme. « Eine individuelle Betreuung der Kunden und Verständnis für deren Geschäft nennt er als wesentliche Merkmale, mit denen sich mittelständische Anbieter von großen Playern, die ihre Hotlines von Indien aus betreiben, differenzieren können.
Kein Kostenvorteil durch Offshoring
Grundsätzlich zweifelt TDS-Manager Jürgens die Kostenvorteile an, die sich durch Near- und Offshoring ergeben sollen. »Wir können die Services in unseren deutschen Rechenzentren genauso effizient erbringen, wie das beispielsweise in Rumänien oder Indien möglich ist.« Auch die Individualprogrammierung von Add-ons oder Schnittstellen lässt sich nach seiner Überzeugung nicht praktikabel in andere Länder verlagern, weil gleiche Aufgaben in unterschiedlichen Kulturkreisen oft anders interpretiert werden. »In der Produktentwicklung kann Offshoring sinnvoll sein. Wir reden in unserem Geschäft aber über Projekte.«
TDS betreut zwar keine internationalen Konzerne. Nichtsdestotrotz ist Globalisierung kein Fremdwort für die Schwaben. »Wenn ein Mittelständler sein Geschäft globalisiert, können wir ihn dabei unterstützen.« Dabei kommt TDS entgegen, dass der Dienstleister seit 2007 zu Fujitsu gehört und die weltweiten Strukturen des japanischen Technologieriesen nutzen kann. Eine auffällige Parallele zu Itelligence: Seit 2007 hält der japanische ITKKonzern NTT Data die Mehrheit an dem Bielefelder Systemhaus. Ebenso wie TDS profitieren auch die Ostwestfalen beim Ausbau ihres internationalen Geschäfts von den Strukturen des Mutterkonzerns.
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INFO
Itelligence AG
Königsbreede 1, 33605 Bielefeld
Tel. 0521 91448-0, Fax 0521 91445-100
www.itelligence.de [1]
TDS Informationstechnologie AG
Konrad-Zuse-Straße 16, 74172 Neckarsulm
Tel. 07132 366-01, Fax 07132 366-1000
www.tds.de [2]
[1] http://www.itelligence.de
[2] http://www.tds.de
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