Positives Jahresendgeschäft im Visier:
Der ITK-Channel trotzt der Wirtschaftsflaute

von Samba Schulte (samba.schulte@crn.de), Dr. Michaela Wurm

25.09.2008

Die ITK-Branche ächzt unter den deutlich verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in diesem Jahr. Doch nach der schwachen ersten Jahreshälfte rüstet sich der Channel nun trotzig-optimistisch für ein starkes Jahresendgeschäft. Die Umsatztreiber des Geschäfts werden Notebooks, Netbooks und hochwertige Consumer Electronics sein.

Die düsteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und ein zunehmend massiver Preiskampf setzen in diesem Jahr allen ITKAnbietern zu. Kein Wunder, dass auch die Ausblicke der Marktforscher für dieses Jahr ebenfalls düster ausfallen. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels (HDE) erklärt: »Nur noch ein gutes Viertel der Betriebe rechnet mit einem Umsatzplus im zweiten Halbjahr, 36 Prozent erwarten einen Rückgang.« Nicht viel mehr Hoffnung machen die Marktanalysten der GfK in Nürnberg. So seien neben Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel vor allem die Befürchtungen einer schwächeren Konjunkturentwicklung ausschlaggebend für eine gedämpfte Konsumstimmung. Immerhin: Beide Marktforscher sehen die ITK-Industrie in der zweiten Jahreshälfte auf einem deutlich besseren Weg. »Der Einzelhandel mit elektronischen Erzeugnissen blickt mehrheitlich mit positiven Erwartungen auf die zweite Jahreshälfte«, räumt Genth ein. Zu den Gewinnern zählt der HDE-Chef den Online- Handel, insbesondere Unternehmen, die sowohl über einen stationären Laden und über das Internet Waren vertreiben. Die GfK-Marktforscher prognostizieren fürs laufende Jahr ebenfalls ein leichtes Plus in den Bereichen Audio/Video, Foto, IT und Telekommunikation. Allerdings müsse der Fachhandel bei teilweise anhaltenden Preissenkungen mehr Stückzahlen als im Vorjahr umsetzen.

Tatsächlich bleiben die Erwartungen der IT- und CE-Branche für das Jahr 2008 durchaus positiv. Der Branchenverband Bitkom erhöhte seine Umsatzerwartung für das Jahr 2008 von 1,6 Prozent auf 1,8 Prozent (siehe auch Seite 35). Der deutsche Markt für IT, TK und digitale Unterhaltungselektronik soll danach ein Volumen von 145,5 Milliarden Euro erreichen. Den Löwenanteil trägt die Informationstechnik mit einem Umsatzplus von 4,2 Prozent auf 66,6 Milliarden Euro bei. Der Umsatz mit digitalen Consumer Electronics soll um 5,4 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro zulegen. Rückläufig ist laut Bitkom lediglich der Umsatz mit TK-Produkten.

Ein positiver Trend für das diesjährige Weihnachtsgeschäft zeichnete sich bereits auf der vergangenen IFA ab, die traditionell als Ordermesse gilt. Sie verzeichnete dieses Jahr Zuwächse von mehr als zehn Prozent bei den Ausstellern und ein Plus von zehn Prozent beim Ordervolumen auf insgesamt über drei Milliarden Euro. Dementsprechend zufrieden zeigten sich die meisten Aussteller mit der Resonanz der Händler und dem Auftragsvolumen. Von »deutlich mehr Besuch vor allem von unseren internationalen Handelspartnern und mehr Aufträge als im Vorjahr« berichtete Frieder C. Löhrer, Vorstandsvorsitzender der Loewe AG. Bei Elektronikhersteller Philips sorgte die rege Ordertätigkeit der Fachhändler und Einkäufer in diesem Jahr zu Auftragseingängen in dreistelliger Millionenhöhe, so Hendrik Köhler, Leiter der Philips-Sparte Consumer Lifestyle. Laut Norbert Kotzbauer, Geschäftsführer Metz, wurden verstärkt wertige Produkte nachgefragt. »Das durchschnittliche Bestellvolumen pro Händler ist deutlich höher als 2007, so dass wir im Auftragsvolumen auf der IFA 2008 zulegen konnten.«

Vorsichtig optimistisch gestimmt

Im Consumer-Business zählen auch in diesem Jahr die digitalen UE-Produkte zu den Weihnachtsrennern: Florian Freyer, Geschäftsführer von Freyer IT-Handel, sieht vor allem bei iPods und Zubehör Wachstumsbereiche. Obwohl Freyer nur ein begrenztes Sortiment an UE-Produkten führt, berichtet er von erhöhter Nachfrage nach Produkten, wie iPhones und Spielekonsolen. Im IT-Bereich würden verstärkt Widescreen-Monitore nachgefragt. Jürgen Schneider, Vertriebsleiter des Spezialdistributors DexxIT, rechnet jedoch mit sinkenden Preisen im Consumer Electronics- Segment: »Full HD-Beamer beispielsweise werden immer günstiger, Einsteigergeräte sind schon für unter 1.500 Euro zu haben.« Profitable Geschäfte böten jedoch hochwertige Lösungen.

Grundsätzlich ist der Tenor trotz der anhaltenden Wirtschaftsflaute und der damit einhergehenden Verunsicherung unter den Anbietern vorsichtig optimistisch gestimmt. Mit Findigkeit lässt sich gar aus manchen Negativtrends Positives gewinnen: Man sehe auch, dass steigende Energiepreise die Konsumlaune dämpfen und die Inflation anheizen, erklärt Oliver Haubrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verbundgruppe Electronic Partner. »Deshalb setzen wir in den kommenden Monaten einen Schwerpunkt auf das Thema Energie- Effizienz, denn wir sehen, dass die Verbraucher zunehmend Unterstützung in diesem Kompetenzfeld wünschen.« Das Wachstum für die kommenden Monate habe man gut organisiert.

Netbooks treiben PC-Markt

Wegen der anhaltend hohen Nachfrage nach Notebooks zeigen sich auch PC-Hersteller und Händler optimistisch für das vierte Quartal 2008. »Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach mobilen PCs im Jahresendgeschäft weiter ansteigen wird. Das positive Feedback unserer Vertriebspartner in den vergangenen Wochen deutet auf einen sehr erfreulichen Verlauf des vierten Quartals hin«, berichtet Dirk Thomaere, General Manager Toshiba Europe GmbH, Computersysteme DACH. Wachstumstreiber sind laut Thomaere die Consumer- Geräte: »Kostengünstige Einsteigergeräte und Netbooks, die auch mit kleineren Budgets finanziert werden können, werden die Nachfrage weiter ankurbeln. Außerdem erwarten wir im Marktsegment der 16- und 17- Zoll-Notebooks erhöhte Zuwachsraten. « Auch Acer-Chef Stefan Engel rechnet mit einer steigenden Nachfrage bei den Netbooks und den Notebooks: »Notebooks ersetzen zunehmend die stationären Desktop-Modelle.« Der Trend der Einkaufspreise der Komponenten in US-Dollar werde abwärts gehen, allerdings nicht rasant. »Da die Preise stark vomDollar beeinflusst werden, könnte dessen weitere Stärkung zu steigenden Preisen führen«, sagt Engel.

Vor allem bei Notebooks könnte es durchaus zu Engpässen kommen, fürchtet Thomaere: »Bereits heute prognostizieren Medien die Verknappung von einigen Komponenten wie beispielsweise Gehäuse. Wir verzeichnen seit ein paar Wochen eine enorme Nachfrage nach Toshiba- Notebooks. Wenn dieser Trend anhält, kann es in einigen Segmenten zu Engpässen kommen.« Deswegen dürfte sich auch der starke Preisverfall in den kommenden Monaten deutlich abschwächen: »Bleibt es bei der erfreulich hohen Nachfrage nach mobilen PCs, werden sich die Preise kurzfristig stabilisieren, das heißt, die momentan gesetzten Preispunkte bleiben bestehen, ohne dass ein Technology Refresh vollzogen wird. Die erhöhte Nachfrage nach Netbooks, die eine Verlagerung von Komponenten in andere Segmente zur Folge haben kann, wird sich ebenfalls auf die Preisgestaltung auswirken. Allokationen könnten darüber hinaus auch das Netbook-Geschäft betreffen: »Im Markt verzeichnen wir Engpässe im Netbook-Segment hinsichtlich der CPU-Verfügbarkeit«, sagt der Acer Geschäftsführer. Hier müsse man sich frühzeitig absichern: »Wir haben uns einen entsprechenden Material-Supply gesichert, so dass wir auch weiterhin eine steigende Nachfrage bedienen können «, versichert Engel.

Starke Geschäfte im Business-Segment

Ähnliche Erwartungen haben auch die von CRN befragten Händler. »Wir erwarten eine – derzeit schon spürbare – erhöhte Nachfrage nach Notebooks«, erklärt Ronny Steinhagen, Geschäftsführer des Nürnberger Systemhauses IT Works. Der Spezialist für Mobile IT konstatiert einen besonders starken Trend »weg vomfesten Arbeitsplatz«. Gründe sind laut Steinhagen die Zurückhaltung der gewerblichen Kunden beim Windows- Betriebsystem Vista und die Einführung der neuen Intel-Plattform »Montevina«: »Systeme mit der Vorgänger-Plattform›Santa- Rosa‹ sind derzeit im aggressiven Abverkauf. « Engpässe erwartet er bei Projektkunden, die den Wechsel zu Montevina verschlafen haben. »Aktuell eingepflegte Modelle werden knapp und die Neuen sind noch nicht getestet und freigegeben. Hier und da wird es Situationen geben, in denen Projektkunden noch Maschinen mit der Santa-Rosa-Plattform, wegen Imagekompatibilität ordern werden.« Aus diesen Gründen erwartet er einen deutlich gebremsten Preisverfall im Business-Segment: »Wir erwarten kaum bis minimale Preissenkungen im B-2-B-Markt.«

Überhaupt rechnen die im Business-Segment aktiven Fachhändler mit einem starken vierten Quartal. »Wir arbeiten intensiv für die öffentliche Verwaltung, hier werden Projekte oft erst im vierten Quartal vergeben. Wir erwarten daher einen positiven Schub für den Umsatz in den verbleibenden drei Monaten des Jahres«, erklärt Winfried Materna, Geschäftsführer des Dortmunder Systemhauses Materna.

Besonders erfreulich entwickle sich laut Materna das Geschäft mit Lösungen und Dienstleistungen im Bereich IT-Service-Management. »Auch investieren die Unternehmen wieder verstärkt in die Optimierung ihrer IT, was die Nachfrage nach solchen Leistungen fördert«, führt der Systemhaus- Chef aus. Heimo Adamski, Regional Director CE bei SMC Networks, geht von einer grundsätzlich hohen Nachfrage für IT-Infrastruktur aus. »Das spiegelt sich in einer steigenden Anzahl von Projektanfragen wider, die Bereiche 10G und VDSL werden weiter stark ansteigen«, sagt Adamski.

Laut der aktuellen »IT-Budget«-Studie der CRN-Schwesterzeitschrift »Informationweek « investiert in diesem Jahr fast jede fünfte deutsche Firma in IT-Projekte zur Optimierung von Geschäftsprozessen. Die Studie belegt die Belebung im Business-Segment: Die IT-Investitionen in Deutschland steigen auch in diesem Jahr an. Der Anteil der Unternehmen, die 2008 mehr für Informationstechnologie ausgeben wollen, stieg auf 36,2 Prozent (Vorjahr 35,5 Prozent). Gleichzeitig sank der Anteil der Sparwilligen von 18,8 auf 18,1 Prozent. Besonders erfreulich zeigt sich die Entwicklung beim Investitionsverhalten der Behörden: Die öffentliche Hand gehörte 2007 mit einem Anteil von knapp 28 Prozent zu den größten Sparern, während 2008 nur noch knappe acht Prozent angeben, künftig weniger zu investieren. Dagegen stieg der Anteil der Investitionsfreudigen von gut 27 auf über 37 Prozent. Neben Maßnahmen zur Umstrukturierung und Optimierung der IT stehen Dokumentenmanagement-Projekte (17,9 Prozent), Software-Migrationen (14,8 Prozent), Server- und Storage-Projekte (13,1 beziehungsweise 10,9 Prozent) bei den befragten IT-Entscheidern deutscher Unternehmen hoch im Kurs. Befragt nach der Anschaffung von IT-Produkten und -Lösungen geben die deutschen Firmen an, dass sie in diesem Jahr vor allem in Storage (34,4 Prozent), Mobile Lösungen (27,2 Prozent) sowie Security (25,1 Prozent) investieren wollen.