Sun wehrt sich gegen Kritik an Open Office

von Dr. Jakob Jung

16.01.2009

Zum Jahreswechsel hat der Entwickler Michael Meeks mit einem Rundumschlag gegen Open Office für Diskussionen gesorgt. Die deutschen Projektleiter von Sun weisen diese Kritik zurück.

Knapp drei Millionen User haben OO 3.0 seit Oktober heruntergeladen

Es ist höchst ungewöhnlich, dass sich ein Entwickler über ein Projekt, an dem er selbst mitarbeitet, in einer so negativen Weise äußert, wie dies Michael Meeks von Novell über Open Office (OO) getan hat: Er nennt OO ein grundlegend krankes Projekt und sterbendes Pferd. Sun [1] ziehe sich allmählich zurück, der Anteil der Community-Entwickler sei verschwindend klein. Die Benutzeroberfläche sei unangenehm, die Leistung schlecht und die Software langsam. Meeks sieht deshalb die beste Lösung darin, Sun das Open Office Paket aus der Hand zu nehmen.

Alles Kritikpunkte, die Michael Bemmer, Senior Director Collaboration StarOffice/OpenOffice.org & Communication Product bei Sun, so nicht auf sich beruhen lassen will. Er weist die Kritik energisch zurück. Tatsächlich sei OO keineswegs ein sterbendes Pferd, sondern ein erfolgreiches und weiter expandierendes Projekt. Ende Januar werde die Version 3.0.1 erscheinen, im März die Version 3.1. mit neuer Benutzeroberfläche und verbesserter Performance. 2,5 bis drei Millionen Downloads pro Woche sprächen für sich, insbesondere die neue Mac-Version stoße auf hohes Interesse. Zwar sei nach einem Ansturm in der Beta-Phase die Zahl der Mac-Downloads mittlerweile auf vier Prozent der Gesamtzahl zurückgegangen, das entspreche aufs Jahr hochgerechnet immer noch einer Zahl von fünf Millionen Downloads.

Extensions aus der Community

Es sei zwar richtig, dass die Code-Basis teilweise bis ins Jahr 1985 zurückreiche, sie würde aber Stück für Stück erneuert. Einige Vorwürfe von Meeks seien schlicht falsch: »Dass nur 24 Community-Entwickler an OO arbeiten, ist absurd«, empört sich Bemmer. Gerade bei der Anpassung an neue Sprachen tun sich Community-Entwickler hervor, aktuell wird die Übertragung ins Arabische realisiert. Daneben stammen die Extensions für OO nur zum kleinen Teil von Sun, zum größten Teil aber aus der Community.

Die von Meeks vorgeschlagene verstärkte Ausrichtung auf Hacking des Programm-Codes sei mit einer strikten Qualitätskontrolle unvereinbar. Allein bei Sun sind 20 der 120 hauptberuflich mit Open Office befassten Entwickler mit Qualitätskontrolle betraut, auch die OO-Community selbst lege auf eine solche Kontrolle hohen Wert. »OO muss hohen Qualitätsansprüchen genügen, mit Hacken ist es nicht getan«, stellt Bemmer fest. Überhaupt sei man sich nur mit Novell nicht einig, in erster Linie über die Arbeitsweise. Mit anderen Partnern, die an Open Office mitarbeiten, wie Red Hat, Fedora oder dem chinesischen Red Flag, laufe die Zusammenarbeit dagegen sehr gut. Sun freue sich auch über die Beiträge von IBM und hat gemeinsam mit Big Blue die ODF-Toolkit-Union aus der Taufe gehoben.

Keine Foundation

Dagegen hält Bemmer wenig von der vom Alfresco-Manager Mark Asay ins Gespräch gebrachten Idee, die Entwicklung von OO auf eine Foundation zu übertragen. Vor drei Jahren habe auch Red Hat festgestellt, dass die Einrichtung einer Fedora Foundation keine gute Idee war und von entsprechenden Plänen Abstand genommen: »Die Situation von OO ist sehr ähnlich wie die damals von Fedora damals. Es würde damit enden, dass Sun alles für die Foundation bezahlt und dazu sind wir nicht bereit«, erklärt Bemmer.

Beim großen Bruder Star Office (SO) bietet Sun Firmen, die größere Planungssicherheit benötigen, zwar eine extrem ähnliche Code-Basis wie bei OO, aber eine transparentere Roadmap sowie die Sicherheit vor Schadensersatz-ansprüchen (Indemnification). Zu den Partnern, die SO/OO bei Unternehmen implementieren und von Sun als Migrationspartner bezeichnet werden, gehören die Systemhäuser Riess, BOS-IT, SCAI und Lean GmbH.

[1] http://de.sun.com/

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