Düsteres Rekordjahr 2009
Das Jahr der Krise neigt sich zu Ende, die Krise allerdings noch nicht. Sie hinterlässt deutliche Spuren, wo man nur hinschaut: Bei Kreditversicherungen, Arbeitsgerichten, in der Lohntüte und selbst die Superreichen leiden unter Schwund.
Frikadellen-Urteile & Co
In der Wirtschaftskrise gehen Arbeitgeber besonders streng mit ihrem geschätzten Personal um. Schon der Verzehr eines Brötchens vom Firmenbuffet – ob mit oder ohne Fleischbeilage - reicht oft aus für eine fristlose Kündigung, wie uns der Bauverband Westfalen gezeigt hatte. Folgen solcher Bagatell-Kündigungen: Die Arbeitsgerichte müssen derzeit mit einer Flut von Klagen zurechtkommen.
Das hat auch Auswirkungen auf die Rechtsschutzversicherer: Die Versicherungen rechnen 2009 mit rund 680.000 Arbeitsrechtsschutzfällen – 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihre Bilanzen werden dadurch um mehr als 500 Millionen Euro zusätzlich belastet, meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV.
Forderungsausfall erreicht Rekordhöhe
Die Rekordmarke bei Firmeninsolvenzen wird wohl erst 2010 erreicht
Knapp 34.000 Unternehmen, 15 Prozent mehr als im Vorjahr, werden im Krisenjahr 2009 voraussichtlich insolvent sein. Die Höhe der offenen Forderungen wird sich dabei auf 58 Milliarden Euro belaufen und das Rekordhoch von 2002 übertreffen, als das Volumen der Forderungen insolventer Unternehmen damals 51,8 Milliarden Euro betragen hatte.
Noch düsterer wird laut Kreditversicherer Euler Hermes 2010 werden. Dann soll die Zahl der Firmeninsolvenzen nochmals um über 9 Prozent auf knapp 34.000 Fälle steigen. Dass die Unternehmen 2010 »nur noch« 45 Milliarden Euro offene Forderungen hinterlassen, ist ein schwacher Trost. »Der Ausfall von Forderungen gepaart mit einem Rückgang des Auftragsvolumens trifft vor allem mittelständische Unternehmen mit voller Wucht und kann selbst gesunde Unternehmen in einen gefährlichen Insolvenzstrudel reißen«, beobachtet Gerd-Uwe Baden, Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG.
Kreditversicherer stark belastet
Kein Warenversand ohne Kreditversicherung - Zahlungsausfall reißt tiefe Löcher in die Kasse der Kreditversicherungswirtschaft
Durch die steigende Zahl von Insolvenzen rechnen die Kreditversicherer 2009 mit einem versicherungstechnischen Verlust von rund 300 Millionen Euro. Dies bedeutet: Schäden und Kosten im Verhältnis zu den Prämien steigen auf 120 Prozent. Diese Quote (Combined Ratio) lag 2008 noch bei 87 Prozent.
Von einem Rückzug der Kreditversicherer aus der für den Handel wichtigen Warenkreditversicherung, wie uns viele IT-Firmen versichern, will Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dennoch nichts wissen. »Die Kreditversicherer haben sich nicht flächendeckend aus ganzen Branchen zurückgezogen. Sie stehen zu ihren Kunden«, beteuert Hoenen.
Weniger Jobs
Zahl der offenen Stellen geht zurück, auch in der IT-Branche
Im dritten Quartal 2009 gab es in Deutschland 832.000 offene Stellen, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das waren 166.000 weniger als ein Jahr zuvor. In den Bereichen Metall, Maschinenbau, Elektrotechnik und Fahrzeuge ging die Zahl der offenen Stellen am stärksten zurück – bundesweit um rund 60 Prozent. Deutliche Zuwächse gab es dagegen bei den sozialen Dienstleistungen, aber auch im Bereich Bau. Das Arbeitsplatz-Angebot sinkt und dennoch bleiben in der Informationstechnologie (IT) Fachkräfte gesucht. Das ist das Ergebnis einer Studie des Branchenverbands Bitkom, die in Berlin veröffentlicht wurde.
Auch in der IT-Branche ist die Zahl der offenen Stellen binnen Jahresfrist von 45.000 auf 20.000 gesunken. Laut Branchenverband BITKOM suchen 61 Prozent der IT-Unternehmen mit offenen Stellen Fachleute, die an der Planung, Entwicklung und Installation von Software-Lösungen arbeiten. Es bestätige sich der Trend, dass die Firmen überwiegend Mitarbeiter mit einer hohen Qualifikation benötigen, sagte BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer.
Armes Uecker-Randow
Inflationsbereinigt stagniert die Kaufkraft der Deutschen - bestenfalls
Real haben die Deutschen dieses Jahr mehr Geld in der Tasche. Die GfK rechnet mit einem frei verfügbaren Nettoeinkommen von im Durchschnitt 18.946 Euro pro Kopf, einschließlich Staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld oder Renten. Das sind zwar 210 Euro oder 1,1 Prozent mehr als 2008. Allerdings wird das Plus durch die Inflation »aufgefressen«, die Kaufkraft stagniert bestenfalls.
Übrigens: Der Hochtaunuskreis in Hessen, Heimat vieler Spitzen-Banker und hoch dotierter Vertreter der Konsultations- und Heilsindustrie, löst mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 27.590 Euro pro Kopf den bisherigen Spitzenreiter Kreis Starnberg (27.413 Euro) an der Spitze ab. Uecker-Randow bleibt der ärmste Landkreis der Republik: Die Einwohner dort haben im Schnitt 13.730 Euro zur Verfügung.
Milliardärsschwund
Wenn Ihnen in einem Aldi-Markt bei Fürth eine elegant gekleidete Dame mit fahlem Gesicht begegnet, könnte das die arme verarmte Quelle-Erbin Frau Schickedanz sein. Die Wirtschafts- und Finanzkrise kehrt nicht nur in Hütten, sondern auch in Palästen ein, um ein schönes Bild aus der Arbeiterlyrik des 19. Jahrhunderts aufzugreifen. Die Zahl der Milliardäre ist laut Forbes 2009 um ein Drittel auf 793 Personen gesunken.
Karl Albrecht, Aldi-Süd-Gründer, ist Deutschlands Superreichster
Und die, die noch im Club der Supereichen verblieben sind, geht es schlecht wie nie: Denn das Gesamtvermögen dieser Eliten ist um die Hälfte auf 2,4 Billionen Dollar gesunken.
Mit einem Vermögen von 40 Milliarden Dollar ist Microsoft-Gründer Bill Gates 2009 wieder am mexikanischen Telco-Milliardär Carlos Slim Helu (35 Milliarden Dollar) vorbeigezogen. Ärmster Superreicher der Top-10 ist der Chef des Modehändlers Zara, Amancio Ortega, der es auf 18,3 Milliarden Dollar bringt.
Der reichste Deutsche, Aldi-Süd-Patriarch Karl Albrecht, belegt mit 21,5 Milliarden Dollar Platz sechs der zehn reichsten Personen der Welt.
Boom-Branche im Krisenjahr 2009
Nur Bares ist Wahres: Krisengewinner sind die deutschen Pfandleihhäuser
Jede Krise kennt auch Gewinner. Die deutschen Pfandleihhäuser gehören dazu. In den ersten neun Monaten 2009 stiegen die vergebenen Darlehen um fast 10 Prozent auf 355 Millionen Euro. 1,45 Millionen Verpfändungen registrierte der Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZdP).
»Unsere Darlehen sind durch Gold und andere Sachwerte gesichert«, sagt dessen Präsident Joachim Struck. Kein Wunder: Tragen doch neun von zehn Kunden Gold, Juwelen und Uhren in die Pfandhäuser. Jener, der Optionsscheine oder Lehman-Zertifikate beleihen will, bleibt indes in der Kreditklemme.
- 1. Seite: Düsteres Rekordjahr 2009
- 2. Seite: Forderungsausfall erreicht Rekordhöhe
- 3. Seite: Kreditversicherer stark belastet
- 4. Seite: Weniger Jobs
- 5. Seite: Armes Uecker-Randow
- 6. Seite: Milliardärsschwund
- 7. Seite: Boom-Branche im Krisenjahr 2009
» Newsletter abonnieren
Täglich aktuelle News und Hintergründe für Fachhändler, ITK-Hersteller, Distributoren und aus der Online-Welt.
» Tipp der Redaktion
Acer rockt die Eifel
Rund um den Nürburgring dröhnten einmal nicht die Rennmotoren: Beim Acer Kick-off 2012 brachten stattdessen Bässe und Gitarrensoli die Eifel zum Wackeln. Über 600 Acer-Partner rockten zum Ausklang des Partner-Events im Eifel Stadl zu Live Musik oder ließen sich im Rockstar-Outfit fotografieren.
Die besten Multifunktions-Farblaser ab 300 Euro
Im Gegensatz zu den ultrabilligen Tintenstrahl-Einsteigerdruckern, die oft schon unter 100 Euro zu haben sind, sollte die Investition in einen Multifunktions-Laserdrucker schon etwas besser überlegt sein. Wir sagen Ihnen, welcher Laser sich besonders für welchen Zweck lohnt.
Cisco zurück auf Wachstumskurs
Cisco ist zurück auf der Überholspur. Nach einem radikalen Stellenabbau und einer stärkeren Fokussierung hat der Netzwerkriese im zurückliegenden Quartal sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich ausgebaut.
» Bilderstrecken
» Meistgelesene News
Ist Ihrer auch zu breit?
Die linke Fahrspur ist in vielen Autobahn-Baustellen nur für Fahrzeuge mit maximal zwei Meter Breite zugelassen. Jetzt warnt der ADAC: 67 Prozent der Neuwagenmodelle sind breiter als zwei Meter! Wer nicht nachmisst, riskiert ein Bußgeld.
Chefs versagen im zwischenmenschlichen Umgang
Vielen Führungskräften fehlt es an Empathie im Umgang mit ihren Mitarbeitern und sie erfüllen ihre Aufgaben nicht effektiv. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Development Dimensions International (DDI).
