Lazy Friday:
Lazy Friday: Die witzigsten Fakes und Hoaxes aus dem Web

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

23.01.2009

Ob Apple eine »iHome« Station angedichtet wird, oder Microsoft angeblich überflüssige Dollars verschenkt: Das Internet ist ein Tummelplatz für Gerüchte und Falschmeldungen. Wir haben einige der witzigsten Lügengeschichten und –Produkte aus dem Netz zusammengetragen und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Gerüchte reisen bekanntlich schon immer schneller um die Welt, als die Wahrheit auch nur ihre Schuhe anzieht. Und seit es das Internet gibt, haben die Lügengeschichten noch mal einen Zahn zugelegt. Als erste große Falschmeldung des Internets gilt der Hoax »Good Times«, der 1997 vor einem angeblichen Mail-Virus warnte, den es jedoch nie gab. Seither sind tausende Kettenbriefschreiber, Hobbykomiker und Co auf den Zug aufgesprungen und haben eine ganze Bibliothek an Falschmeldungen im Web publiziert, die teilweise Millionen von Leuten zum Narren hielten.

So kursiert auch schon seit 1999 immer wieder ein Hoax als Kettenbrief, in dem es um die angebliche Fusion von AOL und Microsoft geht. Im Zusammenhang mit einem Beta-Test des (nicht existierenden) »Microsoft E-Mail Tracking Systems« wird Nutzern darin versprochen, während einer Testphase zwischen einem und 250 Dollar pro versendeter E-Mail von Microsoft zu bekommen. In anderen Varianten gibt es statt des Geldes auch eine kostenlose Windows-Version oder einen Besuch im Disneyland.

Microsoft hatte die Meldung zwar bereits 1999 ausdrücklich als falsch bezeichnet, dennoch ist sie in unterschiedlichen Varianten bis heute unterwegs, auch deutsche Versionen werden immer wieder verschickt. Besonders witzig wird ist allerdings eine Variante, in der zwar Intel als Fusionspartner von AOL genannt wird, die Zahlungen aber dennoch von Microsoft kommen sollen. Wer an solche Aktionen glaubt, ist bestimmt auch ein überzeugter Anhänger des Weihnachtsmannes.


Der Tourist Guy

Gerne werden einschneidende Ereignisse wie die Wahl Barack Obamas oder auch Katastrophen wie der Tsunami 2004 von Cyberkriminellen benutzt, um damit ihre verseuchten Mails an den Mann zu bringen. Doch auch Scherzbolde nutzen solche Ereignisse immer wieder für kleine Späße per Mail.

Sei es ein gefaktes Bild von der Tsunami-Welle, das bis heute um die Welt geht, oder der Tourist Guy, der sich angeblich am 11. September auf der Aussichtsplattform des World Trade Centers fotografierte, während im Hintergrund bereits ein American Airlines Flugzeug den Turm anvisiert. Obwohl das Photo schnell als Fake enttarnt werden konnte, ging es monatelang in Mails um die Welt und inspirierte unzählige Nachahmungen mit dem gleichen Touristen, etwa auf der Titanic und der Hindenburg.


Apples iHome

Doch nicht nur Geschichten werden im Web immer wieder ordentlich verändert oder gleich frei erfunden, auch Vorabberichte angeblicher neuer Produkte sorgen immer wieder für Aufsehen im Netz. Gerade Apple mit seinen Hype-Produkten ist stets ein heißer Kandidat für solche Gerüchte über angebliche neue Innovationen. Ob ein Fullscreen Video iPod, ein iWalk(man), oder der Mac Fusion: Mit einigen Bildern garniert sorgen sie immer wieder für wilde Spekulationen und Diskussionen rund um Produkte die es gar nicht gibt.

So geschehen etwa auch 2005, als im Internet kurz vor der MacWorld in San Francisco Bilder und ein Video eines angeblichen iHome Media-Centers auftauchten, das angeblich zur Messe vorgestellt werden sollte. Wochenlang diskutierten die Apple-Fans die Foren heiß um anschließend zu erfahren, dass sie nur einem Scherzbold auf den Leim gegangen waren.


Foto des Jahres: »Hai greift Armee-Hubschrauber an«

Eine weitere Fake-Geschichte, die bereits seit den späten 90ern durchs Netz geistert, ist die vom weißen Hai der angeblich einen australischen Armeehubschrauber angegriffen haben soll. Angeblich sprang demnach bei einer Übung der australischen Marine ein kapitaler Hai aus dem Wasser, um sich einen am Heli angeseilten Soldaten zu schnappen.

Um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen wurde die Geschichte zusätzlich mit einem Foto garniert, das den Angriff zeigen soll und das angeblich von GEO (in anderen Varianten wird auch National Geographic genannt) zum Foto des Jahres gewählt wurde. tatsächlich handelt es sich bei dem Foto um eine Montage und auch die Geschichte dazu ist frei erfunden.


Ein dicker Hund

Um einen wahrhaft dicken Hund handelt es sich auch bei einem weiteren Bild, das im Netz immer wieder für Aufsehen sorgt. Hercules ist demnach angeblich laut Guinness Buch der größte Hund der Welt, beinahe so groß wie ein Pferd und wiegt satte 140 Kilogramm. Selbst der Boston Herald berichtete über den Giganten, dessen Frauchen ihn angeblich »nur ganz normal gefüttert hat. Plötzlich wurde er immer größer und größer.«

Doch tatsächlich findet sich im Guinness Buch kein Rekord für Hercules: es handelt es sich dabei nur um eine geschickte Fotomontage. Genauso, wie das größte Hühnerei der Welt, das ein Fake der preisgekrönten Fotomontagenseite worth1000 [1] ist…


Tanke-Schön

Doch nicht nur Geschichten und Bilder versuchen uns im Netz immer wieder auf falsche Fährten zu führen, auch Kettenbriefe werden gerne genommen, um sinnloses rund um die Welt zu schicken. Neben den üblichen Schneeballsystemen, die den Empfängern meist Geld aus der Tasche ziehen wollen, gibt es dabei auch immer wieder Aufrufe, bei der ein oder anderen Aktion mitzumachen, um somit die Welt zu verbessern.

Einer der hartnäckigsten Vertreter dieser Variante ist der »Tank-Boykott«, der sich inzwischen auch schon seit guten acht Jahren in verschiedenen Varianten im Netz tummelt. Darin werden die Empfänger dazu aufgerufen, an einem bestimmten Tag nicht bei den großen Ölmultis tanken zu gehen, um so Druck auf die Ölgesellschaften auszuüben, der dann zu niedrigeren Preisen führen soll. Obwohl die Aktion bereits x-mal ausgerufen wurde, gibt es werde die dahinter stehenden Organisationen, noch wurde jemals ein Erfolg erzielt – schließlich dürfte es den Mineralölgesellschaften relativ egal sein, ob die Verbraucher einen Tag später tanken.


Kostenlose Laptops von Ericsson

Nicht nur Bill Gates und AOL haben laut Geschichten aus dem Internet Geld und Sachwerte zu verschenken, auch andere Firmen beglücken ihre Kunden angeblich gerne mit kostenlosen Aufmerksamkeiten. Eine der hartnäckigsten Geschichten diesbezüglich ist eine E-Mail, die dem Leser einen kostenlosen Laptop von Ericsson verspricht, wenn er sie innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt an mindestens acht Leute weiterleitet.

Angeblich möchte Ericsson damit mit dem Mobilfunkkonkurrenten Nokia gleichziehen, der ebenfalls Laptops verschenkt haben soll. Wer den Text allerdings aufmerksam liest, könnte eigentlich schnell merken, dass es sich um einen Hoax handeln muss: Die versprochenen Laptop-Modelle »T18« und » R320« sind nämlich gar keine Laptops, sondern Telefonmodelle von Ericsson, die es schon seit Jahren nicht mehr gibt.


Mentos + Cola = Explosion?

Eine weitere Geschichte, die seit Jahren ihr Unwesen im Netz treibt und immer weiter erzählt wird ist die von der explosiven Mischung aus Mentos Kaudragees und Diät-Cola. Angeblich ist demnach ein brasilianischer Junge, der gleichzeitig Mentos und Cola konsumiert hat, an einer inneren Explosion gestorben.

Wie inzwischen einige 1000 Hobby-Chemiker herausgefunden haben und auf YouTube zeigen, sind Mentos und Cola wirklich eine explosive Mischung. Durch die große rauhe Oberfläche der nur scheinbar glatten Kaubonbons wird die Kohlensäure im Getränk instabil und schäumt schnell aus. Je mehr Mentos man reinwirft, desto größer wird dieser Effekt und damit auch die Fontäne. Da es sich allerdings nur um Schaum handelt und auch der Druck nicht allzu gewaltig ist, scheint es unwahrscheinlich, dass ein Mensch an dieser Kombination sterben kann. Dennoch ist nur davon abzuraten, dieses auch auf die Probe zu stellen.

Der Taucher im Löschflugzeug

Die Geschichte, die jedoch seit 10 Jahren am häufigsten im Internet kursiert, ist die vom Taucher der von einem Löschflugzeug eingesaugt wurde und dann später im Waldbrandgebiet tot aufgefunden. Mal heißt es, die Sache habe in Australien stattgefunden, ein anderes Mal war es in Kalifornien. Selbst einige Fernsehsender haben bereits über diese Geschichte berichtet und sie dabei als wahr dargestellt, und auch in einigen Filmen (Magnolia) kommt sie vor.

Dadurch ist sie allerdings noch lange nicht wahr. Denn Löschflugzeuge saugen ihre Ladung über mehrere kleine Rohre ein, die einen Durchmesser von ca. 10 Zentimetern haben und noch dazu mit einem Gitter geschützt sind, um keine Äste oder Fische einzusaugen. Somit müsste es schon ein sehr kleiner Taucher gewesen sein…


[1] http://www.worth1000.com/

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