Lazy Friday: Nervenfutter für Netzwerker

von Andreas Stolzenberger (ast@nwc.de), Bernd Reder

08.01.2009

Nach den Feiertagen ist wieder »Action« im Büro angesagt. Um sich an den rauen Umgangston in der Arbeitswelt zu gewöhnen, bietet sich ein kleines Online-Match über das Firmen-LAN an. Hier einige Klassiker, die den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben erleichtern.

Nach zwei Wochen des Herumsitzens mit Familie, Plätzchen, Christstollen und opulenten Mittagsmahlzeiten fühlt sich der Arbeitsalltag vertraut, aber irgendwie auch erstaunlich fremd an. Bereits am Ende der ersten oder zweiten Arbeitswoche 2009 brauchen viele von uns eine erste Auszeit.

Bislang nutzen die meisten das lokale Netzwerk und den PC im Büro nur für rein produktive Zwecke. Dabei steckt ein wesentlich größeres Potenzial in dieser Kommunikationsinfrastruktur. Wir zeigen Ihnen, wie Sie und ihre Kollegen die Ethernet-Leitungen in den Wänden ihres Büros auch ganz anders unter Spannung setzen können - sofern es Betriebsvereinbarung und Netzwerk-Administrator zulassen.

Wir haben in mühsamer und aufreibender Recherche auf den folgenden Seiten die besten LAN-fähigen Computerspiele zusammengetragen

Wir kommen nicht in friedlicher Absicht

»Lebe lange und in Wohlstand« gibt es nur bei den Weicheiern von Star Trek, die stets zuerst höflich fragen, bevor sie das Feuer eröffnen. Das pazifistische Verhalten à la Mr. Spock ist bei dem Ego-Shooter Alien Arena [1] völlig deplatziert. Hier packen fiese Marsianer großkalibrige Waffen aus, und ballern alles nieder, was sich bewegt -- erst schießen, nie fragen. Die Aufgabenstellung für den Spieler ist simpel: Eliminieren Sie mehr Gegner als alle anderen Mitspieler.

Dieses Tool hilft bei der - politisch völlig unkorrekten - Stress- und Konfliktbewältigung im Büroalltag. Lassen Sie ein wenig Dampf ab und konzentrieren Ihre Firepower auf diejenigen Mitarbeiter, die Ihnen seit Monaten auf den Keks gehen.

In der Arena ist der Tod natürlich nicht von Dauer. Wurden Sie einmal in ihre schleimig-grünen Einzelteile zerlegt, stehen Sie an anderer Stelle wieder auf, als wäre nichts gewesen: Sie müssen nur schnell eine neue Wumme finden, bevor Sie ihr Rechnungsprüfer erneut ins Visier nimmt.

Alien Arena setzt auf einer Unreal-Tournament-ähnlichen Engine auf und bringt vergleichbare Waffen und Levels mit. Als Spieler können Sie gegen Computergegner oder Ihre Kollegen im LAN antreten. Ein gemischter Modus mit realen und computergesteuerten Feinden ist ebenfalls möglich.

Die Engine bietet unterschiedliche Spielarten für das gegenseitige Auslöschen einzelner Spieler oder Teams. Das Beste daran: Alien-Arena ist Open-Source-Software und als solche kostenlos aus dem Internet zu beziehen. Die Macher haben auch an den Systemwildwuchs im Unternehmen gedacht und stellen Versionen für Windows-, Macintosh-OS-X- und Linux-Rechner zum Download bereit.

Der watschelnde Roboter, gesteuert vom Kollegen, hat keine Chance. Ihre Phaser haben das Ziel erfasst, und jetzt heißt es »Feuer frei!«

Wer bremst, zerschellt

Im Filmklassiker »Tron« von 1982 saugt das böse Master-Control-Programm den aufsässigen Programmierer Flynn mit Hilfe eines Lasers in das Großrechnersystem. Dort angelangt, muss sich unser Held mit guten und bösen Programmen auf dem Spielraster herumschlagen und das MCP »herunterfahren«.

Ein Klassiker bei Tron ist das Lichtrenner-Spiel: Dabei jagen die Akteure mit den Motorrad-ähnlichen Maschinen ihre Kontrahenten in Lichtmauern.

In Armagetron [2] nehmen auch Sie das Lenkrad eines Lichtrenners in die Hand. Dann rammen Sie Ihre Kollegen sowie Computergegner, die seltsame Namen wie »Outlook« oder »Excel« tragen, in die Lichtbarrieren. Wer wagemutig ganz dicht an den Wänden der Gegner entlang rast, bekommt ein paar extra km/h spendiert und kann seine Gegner besser ausmanövrieren -- vorausgesetzt, er behält bei der hohen Geschwindigkeit die Kontrolle über seine Osram-Ducati.

Auch Armagetron ist Freeware und kann kostenlos für Systeme mit Windows, Mac OS X, Linux oder BSD über das Internet heruntergeladen werden. Bei LAN-Spielen übernimmt eine beliebige Workstation den Server-Part. Alternativ offeriert der Hersteller einen Dedicated-Server.

Wem die Action in Armagetron nicht ausreicht, holt sich im Spielefachhandel »Tron 2.0« aus dem Jahr 2003. Das beamt den Spieler 20 Jahre nach der Handlung des Films in den Großrechner, wo er allerhand Abenteuer bestehen, virenverseuchte Programme löschen und ebenfalls Light-Cycles fahren muss. Auch Tron 2.0 ist LAN-fähig und erlaubt neben Lichtrenner-Jagden auch Duelle mit der Datendisk.

Die Lichtrenner hinterlassen zwar keinen Feinstaub, doch den Lichtmauern in ihrem Gefolge sollte der Spieler fernbleiben.

Ab über die Wolken

Deutlich friedlichere Szenarien stellen Flugsimulatoren dar. Wer ausreichend Zeit und Geduld aufbringt, kann die Welt in einer Boeing 747, einem F16-Jagdbomber oder einem Segelflieger umrunden. Das Programm Flightgear [3] simuliert die Welt der Fliegerei mit einer großen Auswahl an Flugzeugen, Flughäfen und Terrains.

Auch Flightgear ist Freeware und für viele Betriebssysteme verfügbar. Eine große Community entwickelt fleißig Erweiterungen und Flugzeugmodelle für den Simulator. Wer möchte, kann also mit einem Airbus A-380, Alpha-Jet, Gleitschirm, Ufo oder einem fliegenden Teppich an den Start gehen. Interessant, woher die Programmierer das exakte Flugverhalten der letzten beiden Modelle kennen!

Zudem lassen sich aus dem Internet die Terrain-Maps für die komplette Welt herunterladen und in den Simulator integrieren.

Selbstverständlich ist Flightgear LAN- und Internet-fähig. Mehrere Spieler können wahlweise Formationsflüge üben, beispielsweise mit sechs Jumbos über dem Siegestor in München. Auch ein Modus, bei dem ein Spieler als Lotse die Routen der fliegenden Mitstreiter kontrolliert, ist implementiert.

Der Simulator erfordert allerdings, dass sich Spieler genauer mit dem Programm, der komplexen Steuerung und den vielen Optionen auseinandersetzen. So ist das Fliegen einer F16 erwartungsgemäß schwierig. Wer nach dem Start in München auf Alpenkurs geht und vergisst, den Nachbrenner auszuschalten, zerschellt beispielsweise an der Zugspitze.

Mit der Cessna auf dem Weg zu einem Überflug des Flughafens San Francisco in geringer Höhe. In der realen Welt würde Sie die amerikanische Luftwaffe bei einem solchen Manöver abschießen. Sie könnten ja ein Terrorist sein!

Advent, Advent, die Hütte brennt

Ein Simulationsspiel der etwas anderen Art stammt von der weniger bekannten Softwareschmiede Sixteen Tons Entertainment aus Tübingen. Bei Emergency 4 [4] verwaltet der Spieler die Hilfskräfte einer Stadt, angefangen bei der Feuerwehr über den Rettungsdienst, die Polizei bis hin zum Technischen Hilfswerk. Dazu stehen ihm Einsatzkräfte und Fahrzeuge der vier Dienste zur Verfügung.

Sobald etwas in der Stadt passiert, erhält der Spieler von der Leitstelle eine Nachricht und muss mit den passenden Kräften zum Einsatz ausrücken. Für gelöste Aufgaben gibt es Credits, von denen sich der User weitere Fahrzeuge kaufen kann.

Neben regulären Einzelspielen in einer Kampagne, besonderen Katastropheneinsätzen, lässt sich EM4 über das LAN oder Internet spielen. Bis zu vier Teilnehmer können in einem Szenario als gleichberechtigte Einsatzleiter agieren. Jeder Spieler kann dabei alle Fahrzeuge kommandieren.

Besonders gut lässt sich EM4 im Netzwerk bedienen, wenn jeder Mitspieler in Absprache mit den Kollegen einen oder zwei Dienste oder besondere Einsatzfahrzeuge übernimmt.

Immer diese Raucher: Eine weggeworfene Kippe entzündete den Blumenkübel. Zwei Strahlrohre löschen den Brand und ersäufen die Geranien.

Rien ne vas plus

Bridge zocken die Großmütter, Schafkopf kapieren nur die Bayern, Solitär hat ausgedient, und Black Jack war schon immer langweilig.

Wer gepflegt »karteln« will, wendet sich der Texas-Hold'em-Variante von Poker zu. Wie immer geht's mit fünf Karten um das höchste Blatt, und der Royal Flush lässt die Kasse klingeln.

Texas Hold‘em macht aus dem klassischen Zocker-Krimi, bei dem jeder Spieler mit versteinerter Miene hinter seinen eigenen fünf Trümpfen sitzt, ein gruppendynamisches Card-Sharing-Event. Jeder Teilnehmer darf gerade mal zwei Karten sein Eigen nennen. Auf fünf offenen Karten im »Flop«, »Turn« und »River« haben alle Zocker Anspruch. Wer mit den eigenen Luschen und drei Karten aus dem Pott das beste Blatt hat, zieht den Kontrahenten die Hosen aus.

Texas Hold'em hat leider einen schlechten Ruf. Zu viele dubiose Online-Kasinos versuchen, die privaten Gelegenheits-Spieler zunächst mit freien Spielrunden anzulocken, um sie später an virtuelle Tische mit echten Euros zu zerren und über Paypal oder die Kreditkarte auszunehmen.

Für die Pokerfreude zwischendurch gibt es jedoch das frei verfügbare PokerTH [5]. Auch bei diesem Programm handelt es sich um eine Open-Source-Software, die unter Mac OS X, Windows und Linux läuft.

Der Spieler tritt gegen maximal sechs Gegner an. Via LAN oder Internet »beamen« sich Freunde und Kollegen an den grünen Tisch. Wenn nicht genug echte Zocker zur Verfügung stehen, lassen sich die freien Plätze mit Computergegnern ausfüllen.

Leider fehlen Optionen zum Asse-aus-dem-Ärmel-ziehen, ebenso wie der Colt unterm Tisch, um Falschspieler Saloon-gerecht vom Tisch zu entfernen.

Mit dem Full-House in der Hand jagt das »All-In« die Mitspieler vom Tisch.

Eckhaaaart, die Russen kommen!

Die UdSSR droht zu zerfallen. Das passt zwei hoch dekorierten Generälen nicht in den Plan, sodass sie den Lauf der Zeit ändern. Mit einer Zeitmaschine reisen sie in die Vergangenheit und entsorgen Albert Einstein. Kein Einstein, keine Atombombe und auch kein militärischer Vorteil der Amerikaner – so die Theorie.

Zurück in der Gegenwart, scheint der Plan aufzugehen. Die Sowjetunion existiert noch, und beide Generäle sind höher dekoriert als zuvor. Doch das Land befindet sich im Krieg mit den europäischen Alliierten.

Und dann kommt auch noch das »Reich der aufgehenden Sonne« daher und attackiert Mütterchen Russland mit allerhand sonderbarer Kriegsmaschinerie. Zum Schluss – wie immer fast zu spät – greifen auch noch die Amerikaner ein und unterstützen die Alliierten.

So stellt sich dem Spieler die Startsituation in Command & Conquer - Alarmstufe Rot 3 [6] dar. In drei Kampagnen arbeitet der Spieler als russischer, alliierter und asiatischer Kommandant. Auf der 3D-Karte muss er Ressourcen ausbeuten, Truppen ausrüsten, Fahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge bauen und seine Gegner dem Erdboden gleichmachen.

Das Game-Play hält sich an die Regeln altbekannter Strategiespiele im Stil von Age of Empires, Warcraft, Siedler und natürlich der früheren Command-and-Conquer-Folgen.

Bei RA3 (Red Alert 3) kommt es jedoch stark darauf an, den Gegnern die richtigen Waffen entgegenzustellen. Einheiten zur Infanteriebekämpfung haben keine Chance gegen Flugzeuge und umgekehrt. Der Spieler muss seine Waffen klug wählen und einsetzen, wenn er gewinnen möchte.

Bereits die Basismissionen erlauben ein kooperatives Vorgehen von zwei vernetzten Spielern. Dazu gibt es natürlich den Netzwerkmodus, bei dem alle Teilnehmer in mehreren Koalitionen gegeneinander antreten.

Aber Achtung: Eine gepflegte Tracht Prügel mit acht Kontrahenten im LAN kann schon ein paar Stunden dauern. Zudem sollten die Spieler nicht vergessen, vor der Schlacht die nötige Marschverpflegung bereitzustellen.

RA3 trumpft mit einer guten Grafik und vielen Optionen auf. Dazu gehören die gezielt einzusetzenden Truppen sowie »Geheimprotokolle« und Helden-Charaktere. Sehr nett sind auch die vielen amüsanten Video-Zwischensequenzen mit Hollywood-Stars wie Tim Curry, Jenny McCarthy oder Jonathan Pryce.

Der Stolz der russischen Marine: Jagdboote, die mit Spinnenfüßen an Land herumlaufen und gegnerische Gebäude wegblitzen.

[1] http://icculus.org/alienarena/rpa/
[2] http://www.armagetronad.net/
[3] http://www.flightgear.org/
[4] http://www.emergency4.de/
[5] http://www.pokerth.net/
[6] http://www.alarmstuferot3.de/