Apple wird spießig: »Jesus« vom iPhone verbannt

von Lars Bube (lars.bube@informationweek.de), Bernd Reder

13.05.2009

Der jüngste Skandal um eine Baby-Schüttel-Applikation hat bei Apple offenbar Spuren der Vorsicht hinterlassen. Jetzt wurde auch dem Spiel »Me So Holy«, in dem iPhone-Besitzer den Jesus geben können, die Aufnahme in den App-Store verweigert.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Religiöse Beleidigung, oder nur ein harmloser Scherz: Me so Holy

Offenbar hat das jüngste Skandälchen um das Baby-Schüttel-Programm »Baby Shaker« für iPhones (siehe Bericht [1]) Spuren bei Apple [2] hinterlassen. Im April war die Software, bei der man ein virtuelles Baby auf dem Smartphone durch kräftiges Schütteln des Geräts ruhig stellen muss, nach einigen Protesten wieder aus dem App-Store entfernt worden. Jetzt sind die Verantwortlichen etwas hellhöriger und versuchen, die Anwendungen bereits vorab noch besser auf mögliches Konfliktpotential zu prüfen.

So erteilte Apple jetzt etwa der neuen Anwendung Me So Holy [3] erst gar keine Freigabe mehr. Das kleine Programm erlaubt es dem Nutzer, sein eigenes Photo in ein Bild von Jesus, einem Engel oder Figuren aus anderen Religionen, etwa Krishna, einzufügen. Dieses persönliche »Heiligenbildchen« lässt sich dann anschließend mit einem mehr oder weniger sinnigen Kommentar versehen als Email verschicken, in Facebook einbinden, oder auch als Hintergrundbild verwenden. Apple befürchtet jedoch, dass damit die religiösen Gefühle anderer verletzen könnte und verzichtet deshalb darauf, die Anwendung im App-Store anzubieten.

Apple wird spießig

Der Autor von Me So Holy, Benjamin Kahle, zeigte sich von der Ablehnung überrascht und wirft Apple nun Zensur vor. Enttäuscht klagt er darüber, dass ausgerechnet Apple »als kreatives und frei denkendes Unternehmen« eine Fun-Anwendung wie Me So Holy aus dem App-Store verbannt habe. Dabei habe ihm auch Apple zuerst bestätigt, dass seine Applikation an sich keinen anstößigen Inhalt biete. Dennoch war die Gefahr einer neuerlichen Protestwelle den Apple-verantwortlichen wohl zu groß. »Sex, Urin und Darmentleerung scheinen niemanden zu stören, aber eine harmlose nicht gewalttätige, an die Religion angelehnte Anwendung scheint es zu tun«, so Kahle.

Überhaupt stellt sich derzeit die Frage, nach welchen Kriterien Apple die Programme für den Store filtert. So war bis vor wenigen Tagen etwa auch ein Programm zum hacken von iPhones im App-Store zu finden. Auch eine andere Software des Entwicklers von Me So Holy ließ Apple problemlos zu. Mit dem »Animalizer« lassen sich ebenfalls Personenfotos auf fremde Köpfe montieren – allerdings nur auf solche von Tieren.

[1] http://www.networkcomputing.de/apple-setzt-sich-mit-baby-schuettel-software-fuer-das-iphone-in-die-nesseln/
[2] http://www.apple.com/de/
[3] http://www.mesoholy.com/

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