Biometrie startet durch
Nahezu unbehelligt von der Krise wächst der Markt für Biometrie in Europa weiter. Marktforscher erwarten für die nächsten 5 Jahre jeweils ein durchschnittliches Wachstum von über 25 Prozent. Insbesondere die Konvergenz physischer und logischer Zugangskontrollen setzt sich dabei in immer mehr Unternehmen durch.
Sesam öffne Dich: Während nahezu die gesamte IT-Branche schwer von der Krise getroffen wurde, konnte der Markt für biometrische Produkte in Europa auch im vergangenen Jahr noch leicht zulegen und erreichte ein Umsatzvolumen von 216,1 Millionen Euro. Und damit ist das Ende der Fahnenstange für diese Zukunftstechnologie noch lange nicht erreicht. Die internationale Unternehmensberatung Frost & Sullivan [1] prognostiziert in ihrer Studie »EMEA Biometrics Market« für die nächsten fünf Jahre ein durchschnittliches Jahreswachstum von 25,5 Prozent im EMEA-Raum, bis dort 2015 schließlich die Marke von über einer Milliarde Euro Umsatz mit biometrischen Lösungen erreicht wird.
Eines der ersten Gebiete, auf dem biometrische Verfahren großflächig zum Einsatz kommen, sind dabei internationale Dokumente, die derzeit bereits durch die Spezifikation 9303 der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) sowie durch die Verordnung 2252 der Europäischen Kommission zu Pässen und Reisedokumenten vorangetrieben werden, wie Matia Grossi, Branchenanalyst bei Frost & Sullivan, ausführt: »Das Schengenvisum, dessen Vergabe die Speicherung von Fingerabdrücken voraussetzt, wird hier sicher eine wichtige Rolle spielen. In Großbritannien wird an den Flughäfen Birmingham, Gatwick, Heathrow, Manchester und Stansted außerdem bereits Einwanderungskontrolle mittels Iriserkennung praktiziert. Dieses IRIS-System (Iris Recognition Immigration System) dürfte in den nächsten drei bis fünf Jahren von anderen Flughäfen in ganz Europa übernommen werden.«. Aber auch bei biometrischen nationalen Ausweisdokumenten, Führerscheinen und Gesundheitskarten ist laut den Analysten in den kommenden drei Jahren mit einem merklichen Wachstumsschub zu rechnen.
Konvergente Zugangskontrolle als Wachstumstreiber
Lösungen wie Pässe mit biometrischen Erkennungsmerkmalen sind dabei nur ein erster Schritt hin zu einer alltäglichen Zugangskontrolle per »Hand auflegen« und ähnlichem. Ein weiteres Feld, auf dem biometrische Zugangskontrollen in den nächsten Jahren enorm gefragt sein werden, sind Zugangskontrollen zu IT-Systemen in Unternehmen und Behörden. »Es herrscht große Nachfrage nach verlässlicheren, genaueren und sichereren Möglichkeiten zur individuellen Validierung und Authentifizierung für den physischen wie für den Netzwerk-/IT-Zugang.«, bestätigt auch Grossi. »In der Folge werden in Bereichen wie physischer/logischer Zugangskontrolle, Transaktionsauthentifizierung, Zeit- und Anwesenheitskontrolle, bei Reise- und Ausweisdokumenten und Grenzkontrollanwendungen immer häufiger biometrische Technologien wie Fingerabdruck-, Gesichts- und Iriskennung eingesetzt.«
Statt der anfangs angestrebten Einzellösungen, bei denen die Biometrie konventionelle Zugangsmethoden völlig ersetzen sollte, hat sich inzwischen jedoch die Erkenntnis durchgesetzt, dass konvergente Lösungen mehr Sicherheit versprechen, ohne dabei die Komplexität für die Anwender wesentlich zu erhöhen. So wird sich etwa die Zusammenführung von physischer und logischer Zugangskontrolle mithilfe von Smartcards und ähnlichen Lösungen laut den Analysten in den nächsten Jahren zum Standard für ein sicheres Identitätsmanagement in Unternehmen und Organisationen aller Art entwickeln. Dabei werden beispielsweise Fingerabdrücke oder andere physische Merkmale in die bisherigen Kontrollmethoden wie Zugangskarten integriert. Das vereinfacht deren Handhabung, verbessert aber gleichzeitig ihre Sicherheit.
Branche muss Vorteile noch besser verdeutlichen
Doch trotz aller rosigen Zukunftsaussichten leidet auch die Biometrie-Branche unter krisenbedingten Problemen und muss noch einige Lektionen lernen. Da biometrische Anwendungen sehr kapitalintensiv sind, waren auch sie vielerorts von den Budgetkürzungen der IT-Abteilungen betroffen. So zog beispielsweise das britische Verkehrsministerium die Ausschreibungen für die Entwicklung und Implementierung eines Pilotprojekts zur Gesichtserkennung zurück, das im November 2008 in ein Komplettsystem umgewandelt werden sollte.
»Gerade in der aktuellen Situation müssen Biometrieanbieter immer wieder auf die Kostenvorteile aufmerksam machen, die ihre Produkte bieten«, rät Grossi den Anbietern deshalb. »Sie müssen ihr Produktportfolio und ihr Angebot an Mehrwertdiensten ständig an die Nachfrage anpassen und gleichzeitig für eine schnellere Investitionsrendite für die Endnutzer sorgen.«
[1] http://www.frost.com
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