Top-Manager langen weiter kräftig zu
Die Gehaltsschere zwischen Höchst- und Normalverdienern geht unverändert weiter auseinander. Weder die Diskussionen um die Top-Gehälter, noch wirtschaftliche Probleme konnten hieran etwas ändern. Es bleibt die Frage: Haben die Top-Manager zu viel Macht?
Mancher Top-Manager braucht heutzutage wohl eher einen ordentlichen Rucksack zum Abtransport seines Lohnes. (Foto: pixelio.de, Siegfried Fries)
Oberflächlich betrachtet scheint die Zeit der großen Gehaltszuwächse vorbei. Doch trotzdem wurden 2007 noch 51 Prozent der Führungskräfte mit höheren Bonuszahlungen bedacht als im Vorjahr, wobei 20 Prozent sogar einen Zuschlag von über einem Fünftel verbuchen konnten. Dies belegt eine Erhebung der Personalberatung Lachner Aden Beyer & Company [1]. Dabei waren es erneut vor allem die Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen über 200.000 Euro, die zu 39 Prozent deutlich gestiegene Sonderzahlungen verbuchten. In der Gehaltsklasse bis 100.000 Euro freuten sich bereits nur noch 15 Prozent über derartige Zuwächse.
Verbreitet ist auch weiterhin die Praxis, selbst bei sinkenden Unternehmenszahlen die Manager-Boni zu erhöhen. Ein Viertel der Unternehmen im Abwind erhöhte trotz sinkenden Umsätzen die Boni ihrer Führungskräfte, allen voran Infineon. Meist lassen die Manager ihren Unternehmen jedoch gar keine andere Wahl, wie auch Klaus Aden, geschäftsführender Gesellschafter von Lachner Aden Beyer & Company feststellt: »Den meisten Unternehmen bleibt nichts anderes übrig, als die Gehälter nach und nach weiter hochzuschrauben. Denn im Führungskräftebereich sitzen die Arbeitnehmer am längeren Hebel«.
Mit 59 Prozent vermeldeten besonders Berater- und IT-Branche im vergangenen Jahr Steigerungen ihrer Bonuszahlungen. Überraschendes Schlusslicht ist die Finanzbranche mit 48 Prozent.
Umdenken gefordert
Die ethischen Diskussionen um die Gehälter und Verantwortung von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel und seinen Kollegen haben also nicht viel bewegt, außer dem Image der Manager in der Öffentlichkeit noch weiter zu schaden. Warum etwa der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, das 20-fache von seinem Kollegen bei Adidas verdient, ist – nicht nur für den Otto Normalverbraucher - nur schwer nachvollziehbar. Dabei konnte Börsig, bedingt durch eine Verdoppelung der Vergütungen, mit 662.667 Euro eine Steigerung seiner Bezüge um satte 1.850 Prozent verzeichnen. Zwar wird die Vergütung der Manager meist an der Dividende bemessen, doch viele Unternehmen schütten trotz schlechter Zeiten ordentlich aus. Deshalb wird ein Umdenken gefordert. »Diese Entwicklung ist gesellschafts- wie wirtschaftspolitisch absolut verantwortungslos und erfordert ein Umdenken bei denjenigen, die diese Situation derzeit noch begünstigen«, erläutert Matthias Grundmann, geschäftsführender Direktor am Institut für Soziologie der Universität Münster [2], im Gespräch mit der Agentur pressetext. »Allein betriebswirtschaftlich betrachtet habe ich bei dieser Vergütungspraxis große Bedenken. Soziale Verantwortung wird hier mit Füßen getreten«.
Die »oberen« 20 Prozent der Bevölkerung verdienen in Deutschland mittlerweile knapp 35 Prozent des Gesamteinkommens in Deutschland. Noch krasser ist der Unterschied beim Vermögen: Die reichsten zehn Prozent besitzen fast die Hälfte des Vermögens. Eine ähnliche Entwicklung ist auch in den USA und den meisten anderen westlichen Demokratien zu verzeichnen.
[1] http://www.labcompany.net
[2] http://egora.uni-muenster.de/ifs
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