Anwendungstuning:
Leistungsschau der Leistungsanalyse
APM-Tools wollen nicht nur den Status-Quo der Programm-Performance in Berichten und Zahlen fixieren, sondern durch Trendanalysen auch auf künftige Probleme hinweisen. Die Real-World Labs haben untersucht, wie treffend fünf dieser Werkzeuge die wahren Ursachen finden.
Die Disziplin Application-Performance-Management hat schon mehrere Jahre auf dem Buckel und ist in der Vergangenheit ein wenig aus dem Blickfeld des Interesses gerückt. Das wird sich aber allein schon deshalb ändern, weil Software-on-Demand als Modell zusehends an Bedeutung gewinnt. Wer solche Services anbietet, will und muss belegen, dass er und seine vermietete Anwendung die versprochene Leistung erbringen. Auch Forrester Reseach ist von dieser Produktkategorie überzeugt und meint, dieser Markt werde bis Ende dieses Jahres ein Volumen von mehr als 2,1 Milliarden Dollar erreichen. Die Real-World Labs haben daher insgesamt fünf solcher Lösungen einem Test unterzogen: das »Vantage 10« von Compuware, den »Service Director Version 8« von Indicative Software, den »AppManager 7« von Netiq, die »SuperAgent Appliance« von Netqos und »Nimbus« von Nimsoft.
Ein sechstes APM-Produkt von Quest wird Anfang kommenden Jahres untersucht. Im Vordergrund der Analyse stand, wie gut die APM-Lösungen existierende Anwendungen unterstützen und wie schnell und treffend sie die tatsächlichen Probleme isolieren. Außerdem war wichtig, ob die Tools Anwendungen auch über weitgespannte Netze hinweg kontrollieren können. Dabei wurde auch geprüft, ob die Tools klassische Konstellationen wie Cluster und Failover-Situationen richtig verstehen. Schließlich wurde bewertet, wie intelligent und sanft sich die APM-Konzepte in eine existierende Management-Installation integrieren.
Service-Director von Indicative Software
Als erstes Produkt im Test musste der »Service Director« seine Stärken und Schwächen zeigen. Die Lösung, nun in Version 8, folgt einem Single-Produktansatz. Dadurch will der Hersteller die Komplexität und die Kosten– verglichen mit traditionellen APM-Suites – gering halten.
So setzt er beispielsweise bei der Datensammlung auf eine Kombination aus Import und agentenlosen synthetischen Transaktionen. Der Service-Director zapft bereits existierende Agents genauso an wie klassische Systemagents. Er folgt dabei einer servicezentrischen Methodik, welche die Gesundheit und Leistung einer Anwendung als Ganzes betrachtet. Damit muss der Anwender nicht mehr selbst entscheiden, welche Monitoring-Methode er umsetzen möchte.
Die Konfiguration des Service-Directors geht leicht und schnell von der Hand. Um ein Service-Modell zu erstellen, muss der User lediglich bereits definierte Templates – im Test Microsoft-SQL-Server, Cisco-Switch und Microsoft-IIS-Webserver – per Drag & Drop zusammenziehen und noch die nötigen Authentifizierungsdetails angeben. Der Hersteller hat bereits Hunderte von Templates für verschiedene Netzwerksysteme und Webdienste entwickelt, so dass er die meisten gängigen Services bereits abdeckt.
Auch die Business-Service-orientierte Sicht des Tools auf die Leistung der Programme konnte überzeugen. Statt auf Paket- oder Byte-Ebene zu beginnen, interpetiert Indicative die Performance von oben nach unten. Die Messdaten werden also gleich als Ganzes in eine allgemeine Statusanzeige überführt. Auf diese Weise können Firmen die Leistung der Anwendungen tatsächlich aus Service-Sicht begutachten und verwalten. Auch die Produkte anderer Hersteller können das. Bei Indicatives Lösung ist es aber nicht nötig, dazu die Daten manuell zu verknüpfen und so diese Service-orientierte Darstellung zu gewinnen. Der Administrator muss, wie bereits angedeutet, lediglich per Drag & Drop die entsprechenden Field-Component-Templates in ein logisches Service-Grouping zusammenbringen.
Die Berichtsfunktionen und das dazugehörige Interface entsprechen den Erwartungen. Der User darf eine Reihe von Echtzeit- und historischen Berichten festlegen, die dann Leistungsspitzen und -abfälle in grafischer Form wiedergeben. Trends lassen sich als Abweichungen von der Baseline darstellen. Wer will, darf die Daten auch in ein anderes System exportieren.
Die Wahl treffen
Der Hersteller unterstützt neben den Anwendungen im Test auch J2EE, Microsoft .Net, Citrix, Peoplesoft und SAP. Sie werden wie alle Applikationen über die Library eingebunden, in der mehr als 2000 verschiedene Monitoring-Templates enthalten sind. Falls für eine Komponente doch kein Template existiert, kann die IT-Abteilung hierfür ein generisches Template einsetzen. Dieses wird dann einen allgemeinen Aspekt überwachen, sei es ein TCP-Port oder einen bestimmten Systemwert, der per SNMP abgerufen wird.
Es war leicht, mit dem Service-Director in der Testinstallation eine Baseline zu berechnen. Das Tool hat recht schnell einige Leistungsabfälle ausgemacht, die einige überlastete Netzknoten verursachten. Außerdem hat die Lösung die Ursache hierfür isoliert, indem sie die entsprechenden Messwerte in den eigenen Metriken hervorhob. Damit lagen genügend Informationen vor, das sich der Fehler in Echtzeit beheben ließ. Falls der Service-Director aber nicht auf alle Anwendungen angesetzt ist, wird er wohl kaum in der Lage sein, die tatsächliche Ursache des Problems zu finden. Trotzdem wird er der IT-Abteilung ausreichend Indizien liefern, mit der sie eine gute Diagnose erstellen kann.
Raum für Verbesserungen
Indicative hat noch keinen vollwertigen Web-Client entwickelt, so dass der Operator an die Konsole gebunden ist, will er alle Funktionen und Daten einsehen. Die Event-Liste ist ebenfalls verbesserungswürdig. Es wäre hilfreich, wenn der User eingehende Daten anhand vom mehr Feldern filtern könnte. Die Event-List sollte der Hersteller außerdem intelligenter in die Service-Sicht integrieren. Da beide – Event-List und Service-Ansicht – im gleichen Screen auftauchen, wäre es sinnvoll, wenn durch einen Klick auf einen Dienst automatisch nur die dazugehörigen Events in der List auftauschten. So könnte der Administrator mit einem Blick alle Ereignisse überschauen, die tatsächlich nur den einen Dienst betreffen, statt selbst die Event-List manuell filtern zu müssen.
Diese Kritikpunkte schmälern den guten Gesamteindruck des Service-Directors aber nur marginal, zumal das Tool mit anderen starken Funktionen punktet. So beherrscht das Werkzeug eine Autodiscovery-Funktion, mit der es aktive Web- und Netzwerkservices selbstständig identifiziert. Dabei erkennt der Service-Director auch individuelle Attribute, also nicht nur den Cisco-Router, sondern auch seine Interfaces und Ports. Den gleichen tiefen Blick wirft das Tool auf Anwendungen wie Websphere, Weblogic und .Net, so der Hersteller. Wie gut dem Service-Director dies in der Praxis gelingt, wurde aber nicht untersucht.
Indicative gab an, dass ein typischer Anwender mit rund 5000 Leistungstests beginne. Einige der großen Kunden nutzen bereits bis zu 80000 Tests. Der Durchschnittspreis liegt bei knapp 300 000 Dollar für Software, Maintenance und das Setup – wobei letzerer Posten auf Grund der einfachen Installation sicher den kleinsten Teil ausmacht.
Superagent von Netqos
Als zweites APM-Produkt musste die »SuperAgent Appliance« ihr Können beweisen. Die Box von Netqos misst die Anwendungsleistung, indem sie TCP-Pakete auf ihrem Weg durch das Netz beobachtet. Die Appliance, Bestandteil der »Performence Center Suite«, hat sich dabei Folgendes vorgenommen: Sie will eindeutig zeigen, wie gut ein Service aktuell arbeitet, den das Netz dem Enduser offeriert. Zudem legt sie offen, was gerade in dem Netzwerk passiert.
Wie genau und ausführlich die Berichte der Appliance ausfallen, hängt aber von der Natur des Problems ab. Falls ein Fehler vorliegt, dessen Ursache in Netzwerkbelangen zu finden ist, so hat die Appliance dies wunderbar isoliert und exakt benannt. Bei Leistungseinbußen, an denen jedoch Server die Schuld trugen, haben die Alerts nur angedeutet, dass der Fehler dort zu suchen ist. Denn ohne einen SNMP-Agenten fehlen der Appliance signifikante Host-Details. Falls der Administrator eine wichtige Anwendung überwachen möchte, die ihrerseits keinen generischen SNMP-Agenten unterstützt, sollte er vom Superagent Abstand nehmen.
Ihren wahren Wert zeigt die Box in den Händen eines Netzwerk-Ingenieurs, der Engpässe im LAN und WAN beheben will. Er kann per Drill-Down bis auf Paketlevel in die Daten eintauchen. Die Appliance kann zwar auch Berichte für die Vorstandsebene erstellen, dies ist aber nicht ihre Stärke. Ihre abstrahierten Reports erreichen schnell eine solche Detailtiefe, dass die meisten CIOs und IT-Generalisten darin zu ertrinken drohen.
In den meisten Installationen wird der Verantwortliche mehrere Superagents aufsetzen müssen. Netqos unterstützt fünf Collectoren pro Management-Konsole und bis zu drei Management-Konsolen pro Performance-Center. Die Lizenzen für die Box werden dabei per Appliance berechnet. Der Hersteller gibt an, dass sein Superagent bis zu 1 GBit/s an Verkehr über das Span-Interface verdaut.
Leicht aufgesetzt
Die Installation der Appliance war leicht und schnell abgeschlossen. Es ist ein wenig Vorarbeit nötig, damit all jene Ports, auf denen die zu überwachende Anwendung läuft, ihre Daten tatsächlich auch an den Span-Netzwerk-Port weitergeben.
Einmal im Betrieb, war es simpel, die Monitoring-Funktionen einzurichten. Die Anwendungen werden manuell definiert, indem der User die Parameter zu Collector, Netzwerk, Server und Applikation spezifiziert. Der Superagent kann verschiedene Programmtypen überwachen, darunter auch Applikationen, die über eine TCP/IP-Port-Range laufen. Dazu gehören unter anderem Peoplesoft, Oracle oder Lotus-Notes. Aber auch die Leistung von Web- und FTP-Diensten sowie TCP-Control-Port-Applikationen, bei denen alle Daten über einen bestimmten Port transferiert werden, protokolliert die Box im Detail.
Wer die Messparameter nicht manuell definieren möchte, kann mit dem Superagent erst einmal plump Informationen im Netz sammeln und dann aus den Messergebnissen automatisch eine Liste aller gefundenen Anwendungen generieren. Danach muss er diesen Einträgen noch einen Collector für das Monitoring und Reporting zuweisen.
Netqos hat zudem zwei Zusatztools entwickelt, einmal den »Reporter Analyzer«. Dieser Verkehrsanalysator extrahiert aus den vom Superagent gesammelten Daten mehr Details. Das zweite Werkzeug »NetVoyant« liefert Host- und andere Leistungsdaten, die es mit Hilfe von SNMP-Abrufen einsammelt. Keins der Add-ons wurde im Test untersucht.
Alles im Blick
Der Superagent kann alle Elemente in einem einzigen View aggregieren. Im Test war es daher möglich, den Web-, SQL- und Applikationsserver sowie das Netzwerk in einer einzigen Ansicht zusammenzufassen. Die Box hat dort nicht nur die Anwendungen und ihre Leistung dargestellt, sondern auch alljene spezifische Komponenten, die Einfluss auf die Performance nahmen.
Beim Sammeln und Berichten hat die Appliance solide Ergebnisse hervorgebracht, da sie den Datenfluss sowohl inbound als auch outbound auswertete. Mit den so gewonnenen Informationen hilft der Superagent dem Administrator gewiss, spezifische Ursachen für Leistungseinbußen zu finden.
Im Test musste der Superagent einen SQL-Server überwachen. Für diese Plattform wurde ein recht strenger, daher empfindlicher Grenzwert aufgesetzt. Die Box sollte sofort Alarm schlagen, sobald die Leistung des Servers auch nur leicht abfiel. Die Appliance hat dann tatsächlich alle Schwankungen gemeldet und mit Hilfe ihrer Aggregierungsfunktionen genügend Informationen ausgespuckt, in denen sie ausführte, welche anderen Komponenten durch den Leistungsabfall in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Die Grenzwerte selbst beziehen sich immer auf individuelle Komponeten, auch wenn der Administrator die Systeme in einem View zusammengezogen hat. So wird er also einmal über das träge Antwortverhalten der Webanwendung und des Weiteren über einen Leistungsabfall des SQL-Servers informiert, ohne dass die Lösung diese zwei Events in Kontext zueinander setzt. Der User muss diesen selbst herbeidenken. Allerdings liegt in dieser abhängigkeitsbezogenen Korrelation gewiss die größte Herausforderung für den gesamten APM-Markt.
Wer mit dem Superagent den Server und seine Auslastung bei CPU, Speicher etc. im Blick haben will, muss darauf hoffen, dass für diese Plattform ein SNMP-fähiger Agent eines Drittherstellers verfügbar ist. Dann kann die Appliance dessen Information entweder per automatischer Abfrage (bei Grenzwertverstößen) oder manuell initiiert abrufen und in ihre Analyse einbinden. Im Test hat die Box CPU, Speicher, Disk- und Prozessinformationen per SNMP abgerufen.
Bricht die Leistung einer Anwendung einen der Grenzwerte, warnt der Superagent den Administrator per SNMP oder E-Mail. Setzt die Firma ein Performance-Center ein, kann die Box auch mit externen Quellen interagieren. Deren Daten kann die Appliance dann neben den Netqos-eigenen Informationen darstellen.
Der Listenpreis für eine Box liegt bei knapp 38500 Dollar. In einer großen Installation kostet die Masterkonsole 39500 Dollar plus 22500 Dollar für jeden zusätzlichen Collector. Das Performance-Center ist im Preis enthalten.
Appmanager von Netiq
Netiq ist bereits seit Jahren auf dem APM-Gebiet aktiv. Seine Lösung »AppManager 7«, Bestandteil der »AppManager Suite«, versucht einen schwierigen Spagat. Sie will einerseits bedienerfreundlich bleiben, andererseits flexibel genug sein, damit der User das Tool an seine Infrastruktur anpassen kann.
Das Werkzeug benutzt Agents, die die Leistung gängiger Anwendungen überwachen, analysieren sowie Fehler diagnostizieren. Hier punktet Netiq bei der Bedienungsfreundlichkeit. Um den Reiz des Wekzeugs zu steigern, liefert der Hersteller optional Module für bestimmte Plattformen aus. Darunter für Websphere von IBM, SQL-Server von Microsoft, Oracle und den ESX-Server von Vmware. Im Test wurde auch das »Analysis Center« von Netiq untersucht. Dieses Werkzeug wertet die gesammelten Daten detailliert aus und erstellt daraus komplexe Berichte.
Mit wenigen Handbewegungen
Bei der Installation der Agents will Netiq so wenig Aufwand wie möglich produzieren. Der Administrator darf über eine zentrale Konsole festlegen, auf welche Plattformen die kleinen Tools distribuiert werden sollen. Leider muss die Konsole dazu Mitglied in einer Active-Directory-Domain sein, was im Test aber nicht der Fall war. Daher mussten die Agents nach althergebrachter Weise per Hand installiert werden.
Das Ende-zu-Ende-Monitoring des Appmanagers hat überzeugt. Das Tool hatte eine mehrstufige Anwendung zu überwachen, wozu es synthetische Transaktionen und Agents einsetzte. Damit ist es ihm gelungen, nicht nur die Leistung des gesamten Transaktionsprozesses, sondern auch der einzelnen daran beteiligten Plattformen zu messen. Dazu zählten etwa die Webserver und die Datenbanken im Backend.
Die so genannten Knowlegde-Scripts sind dabei das wichtigste Element der Monitoring-Technik von Netiq. Diese auf VB oder Pearl basierenden Skripts instruieren die Agents, wie diese welche Daten zu sammeln haben. Der Hersteller hat bereits eine Zahl wichtiger Parameter über Grenzwerte festgelegt, die typische Leistungsprobleme aufdecken, und so das Setup dieser Skripte vereinfacht. Die Thresholds darf der User nach eigenem Gusto anpassen, wobei die Defaultwerte im Test oft wunderbar passten.
Der Appmanager deckte geschickt auch dann spezifische Leistungsprobleme auf, wenn diese von verschiedenen voneinander unabhängigen Komponenten verursacht wurden. Er hat die Ursachen dabei in den Kontext der logischen Anwendung gestellt. Das Tool hat auch einzelne Probleme erkannt, unter anderem, dass ein einzelner Prozess in einer größeren synthetisch erzeugten Transaktionskette fehlschlug. Wer diese Alarme in den Zusammenhang stellen will, muss aber manuelle Arbeit investieren. Der dazu nötige Konfigurationsprozess erinnerte im Test an den Bau eines »Visio-Diagramms« der Anwendung, bei der Icons die zu überwachenden Objekte repräsentieren. Wie schwierig dies in der Praxis sein wird, hängt natürlich direkt davon ab, wie verschachtelt und kompliziert die zu überwachende Anwendung und Infrastruktur sind.
Die Frage der Pflege
Die Service-Mappen im Appmanager 7 – grafische Darstellungen des Netzes, der Anwendung oder der Dienste – erlauben es der IT-Abteilung, Abhängigkeiten der Anwendungen voneinander zu illustieren. Diese Karten helfen dabei, Ursachen zu isolieren und den logischen Ablauf der Anwendungsprozesse abzubilden.
Im Test wurde eine recht einfache Map aufgesetzt, die system-, netzwerk- und anwendungsbezogene Metriken miteinander verknüpfte. Individuelle Fehler wurden so im Kontext der Anwendung als Ganzes dargestellt. Damit wurden kritische Warnmeldungen an der entsprechenden Stelle im Service-Flow grafisch angezeigt und damit gleich die Quelle des Problems eindeutig sichtbar.
Leider muss der Verantwortliche diese Maps manuell aufsetzen. Dazu muss er nicht nur alle an der Anwendung beteiligten Komponenten kennen, sondern auch ihre Abhängigkeiten voneinenander. Netiq nennt ihre Maps zwar »selbstpflegend«. Der Hersteller geht wohl davon aus, dass sich weder Anwendung noch Infrastruktur großartig ändern. In der Praxis wird der Administrator die Service-Maps aber aktualisieren müssen, da sich vor allem geografisch verteilte Anwendungen definitiv von Zeit zu Zeit verändern. In einem dynamischen Netzwerk ist die Pflege dieser Charts sicher noch anstrengender. Falls das Unternehmen auch noch plant, in gewissen Bereichen Server zu virtualisieren, wird das Spiel »finde den Server« gewiss noch schwerer. Denn die Virtual-Maschine (VM) wandert von einem zum anderen physischen Host, die IP- und Routinginformationen dagegen nicht. Die Leistungsstatistiken und die entsprechenden Maps sollten die virtuellen Maschinen und ihre Dynamik entsprechend richtig einordnen können. So sollte eine Map konsistent bleiben, auch wenn einer VM aktuell fremde Ressourcen zugewiesen wurden.
Das Analysis-Center-Tools konnte gefallen, weil es in seinen detailierten Berichten das Web-Antwortverhalten der synthetischen Transaktionen in ihren einzelnen Stufen darstellte. So haben die Reports auch den Gesundheitszustand der Datenbank, der Webserver und der Anwendungen beschrieben. Die einzelnen Graphen lassen sich so fein gliedern, wie es die Rohdaten hergeben.
Mehr Details eingefangen
Bei der Qualität der gewonnen Informationen spielen die Agents des Appmanagers eindeutig ihre Vorteile gegen agentenlose oder auf Appliance basierende Konzepte aus. Unternehmen müssen entscheiden, ob sie ein Stück Leistung auf den Hosts und einen größeren Managementaufwand für den den größeren Wissensgewinn in Kauf nehmen wollen.
Die Service-Maps des Tools haben überzeugt. Würden diese Darstellungen automatisch aufgesetzt und selbstständig aktualisiert, wäre das Werkzeug unschlagbar. Da dem nicht so ist, bleibt zu befürchten, dass Firmen diese Funktion in der Praxis nur selten in voller Pracht nutzen werden.
Unter dem Strich ist der Appmanager mit anderen auf Agents setzenden APM-Produkten pari. Die Zahl der unterstützten Plattformen ist jedenfalls sehr lang. Lizenziert wird das Produkt pro Server, wobei der Preis bei rund 1000 Dollar pro Server beginnt.
Vantage 10 von Compuware
Der Hersteller Compuware beherrscht nahezu alle Verfahren, Messdaten einzusammeln. Sein »Vantage 10« unterstützt synthetische Transaktionen, Server- und Applikations-Agents, agentenlose Abfragen und Probes, die Verkehr abtasten.
Jede Version von Vantage – » ServerVantage«, »NetworkVantage« und »ClientVantage« – arbeitet standalone, bindet sich aber auch sanft in die zentrale Webkonsole »VantageView« ein. Dieses Werkzeug legt auch die Konfiguration für die Reports fest und zeigt alle Alarme der separaten Monitoring-Datenbanken der Vantage-Lösungen an.
Tatsächlich sind die Monitoring-, Alarm- und Berichtsfunktionen der beste Teil in der Suite. In dem Web-GUI darf der User das Echtzeitmonitoring und historische Berichte aufsetzen, die sowohl alle Datenquellen als auch Messmethoden berücksichtigen. Diese einzelnen Elemente lassen sich auch per Policy an spezifische User und Rollen koppeln.
Compuware folgt außerdem einem Dashboard-Konzept, das die Leistungsdaten und Alerts aller überwachter Clients, Netzwerksegmente und Server darstellt. Im Test wurden einige dieser Dashboards konfiguriert und dann mit Berichten verlinkt, die bereits vorher generiert worden waren. Diese Verknüpfungsoption ist sehr machtvoll. Allerdings hinterließen diese Dahsboards im Vergleich zu den Portals einiger Konkurrenten einen statischen Eindruck.
Komplettlösung
Der Vantage-Server läuft nur auf Windows-Plattformen, SQL und dem IIS. Die Agents und das Remote-Monitoring ohne Agent unterstützen aber nahezu alle Unix-Versionen und Mainframes. Synthetische und echte Transaktionen werden von der Webanwendung hin zu jeder anderen Plattform gemessen, die Probes von Vantage können jede Verkehrsart auswerten.
Die Version 10 des Produkts, dessen Preis bei rund 50000 Dollar beginnt, hat ein End-to-End-Monitoring für Webanwendungen hinzubekommen. Dafür hat der Hersteller ein Java/.Net-Werkzeug integriert, dass die Arbeitsweise einer Anwendung aus Sicht des Endusers bewertet. In Version 10 verknüpft der Hersteller den Leistungsabfall einer Applikation mit den davon betroffenen Usern. Zu diesem Zweck hat er das Werkzeug »Business Impact Monitor« entwickelt. Außerdem hat der Anbieter das Event-Management für bestimmte Installationen wie VoIP, Oracle-Forms und Websphere-MQ verbessert, damit er deren Ereignisse besser versteht und seine Lösung sich enger in externe Systeme einbindet.
Da die Suite aus so vielen Einzelkomponenten besteht, ist die Installation nicht ganz so leicht wie beim Mitbewerb. Wer diese Produkte kauft, sollte das Deployment weise planen und die Architektur daraufhin ausrichten, wie viel Last jede einzelne Probe, jeder Agent oder Collector erzeugen wird und zu verkraften hat. Compuware unterstützt Unternehmen hierbei mit Professionell-Services.
Die Architektur ist komplex, dadurch aber auch flexibel und skalierbar. So könne ein »ServerManager«bis zu 1000 Agents unterstützen, wobei der User auch mehrere dieser Servermanager implementieren darf. Ihre Ergebnisse und Reports lassen sich dann über das Tool Vantageview einsehen. Bei der Datensammlung ist Compuware das kompletteste System in Test. Wie skalierbar die dreistufige Architektur aus Agent, Controller und Konsole am Ende ist, wurde aber nicht untersucht.
Laufen und sammeln
Das synthetische Transaktionsmonitoring ist in zwei Phasen geteilt, damit Vantage sowohl Business-Service- als auch technisch orientiert arbeitet. So dürfen Business-Verantwortliche eigene Regeln festlegen, mit denen sie geschäftsrelevante Transaktionen in den Anwendungen überwachen. Vantage unterstützt sie dabei mit einem Guide, der sie bei der Festlegung dieser Rules Schritt für Schritt begleitet. Die technisch Zuständigen können dann mit dem entsprechenden »QACenter«-Tool die jeweilige Transaktion via GUI aufzeichnen und mit ein wenig Skripting die Grenzwerte konfigurieren. Im Test hat Compuware bei der Definition ein wenig geholfen, indem der Hersteller Prüfpunkte in den Skripten einbettete, die den Fortschritt einer Transaktion aufzeichneten.
Der Serveragent in der Suite hat automatisch alle verfügbaren Counter bei der Hardware und der Anwendung identifiziert. Dazu gehörten unter anderem die Speicherauslastung, fehlgeschlagenen Authentifizierungsversuche oder Datei-Uploads. Im Test wurde eine Kollektion aus mehreren Countern und statischen Grenzwerten nebst Regeln für die Alarmierung definiert. Danach folgte die Konfiguration von Sample-Intervallen und eines Zeitplans für die Intervalle. Dies alles funktionierte problemlos. Allerdings muss der User immer wieder Prozessnamen oder IDs für die Monitoringaufgaben eintippen, eine mühsame Angelegenheit. Andere Produkte wickeln dies viel geschickter mit Discovery-Prozessen und einer darauffolgenden Auswahl ab.
Nimbus von Nimsoft
Dieser Hersteller visiert größere Unternehmen an, verkauft sein APM aber zu Preisen weit unter denen der dort beheimateten Mitbewerber. Nimsoft konzentriert sich auf Echtzeit-Monitoring und Reporting, Service-Level- Agreement-Definitionen (SLA) und Ende-zu-Ende-Messungen des Antwortverhaltens. Alle diese Metriken zeigt er in einem Dashboard an, das sich an Business-Services und Wünsche der für Operations zuständigen Abteilungen anpassen lässt.
Bei der Sammlung der Leistungsdaten vertraut der Hersteller bei seinem Tool »Nimbus« auf eine Kombination aus Agents und Polling. Im Default werden Microsoft-Exchange, IIS und die ADS mit Nimbus-Agents überwacht, wobei der Anbieter gern von »Probes« spricht. Versionen für Websphere, Citrix und SAP sind verfügbar. Das Tool zeichnet aber auch die Leistung einiger spezieller Funktionen von Windows, Unix und Linux genauso auf wie die gängiger Datenbanken und des Netzwerks.
Ausgerollt
Die Installation von Nimbus war leicht. Das Tool war im Test das einzige, das die Leistungsdaten automatisch in Web-Dashboards darstellte.
Die SLA-Reporting-Engine ist robust und flexibel. Mit ihr darf der User SLAs für bestimmte Applikationen per Hand aufsetzen, indem er Gruppen von überwachten Komponenten in einem inhaltsreichen Service-Abbild zusammenfasst. Er darf die Leistung der SLAs abhängig machen von Geschäftszeiten und gewisse Zeiten ausschließen, darunter beispielsweise die Maintenance-Fenster. Nimbus kann auch eine bestimmte Komponente ausklammern, sei es in einem Zeitfenster oder innerhalb einer Gruppe von Elementen, die einem bestimmten SLA unterliegen. Diese feinstufige Engine hilft IT-Abteilungen dabei, Anwendungen kontrolliert und vor allem gezielt aus dem Monitoring zu nehmen, um sie beispielsweise zu aktualisieren. Dies passiert oft, leider sind nur wenige APM-Werkzeuge in der Lage, dies so intelligent zu berücksichtigen.
Sobald sich etwas auf Seiten der Netzkomponenten, Server oder Anwendungen verändert, muss der User dies manuell in der Service-Ansicht nachzeichnen. Es enttäuscht schon, dass Nimbus noch nicht mit CMDBs spricht und so die Service-Modelle nicht automatisch mit Hilfe der dort abgelegten Asset-Informationen und Konfigurationen aufbaut. Es ist zwar relativ simpel, die Views in Handarbeit anzulegen. Aber wie bei dem Tool von Netiq muss der Administrator auch hier die Anwendung, alle ihre Komponenten und Abhängigkeiten voneinander kennen, damit die Service-Views auch gut funktionieren.
Direkte Ansprache
Im Test wurden einige Probes aufgesetzt, die die Leistung grundlegender Systemparameter wie die CPU-Belastung, Speicher- und Festplattennutzung sowie einige kritische Prozesse messen sollten. Auch spezifische Probes für IIS und MS-SQL wurden implementiert. Nimbus musste ferner die Applikationsverfügbarkeit beobachten, wozu das Tool mehrere Messverfahren einsetzte. Dazu gehörten ICMP-Pings und komplexe synthetische Transaktionen. Alle diese Methoden arbeiteten einwandfrei.
Die gesammelten Imformationen lieferten einen Einblick in die Ende-zu-Ende-Leistung der Anwendungen und legten zudem die Netzperformance offen. Dies, kombiniert mit der SLA-Engine, hat ein übersichtliches und aussagekräftiges Bild der tatsächlichen Leistung der geschäftskritischen Applikationen gezeichnet.
Die Probes selbst werden mit bereits definierten Grenzwerten ausgeliefert, die sich leicht anpassen lassen. Die Architektur von Nimbus greift auf ein Publish/Subscribe-Modell für die Datenkommunikation zurück. Dahinter verbirgt sich folgendes Schema: Sobald eine Anwendung in der Nimbus-Domain frische Daten mitzuteilen hat, wird sie diese automatisch an alle Subscriber weitergeben. Mit dieser einzigartigen Funktion reduziert der Hersteller den Overhead bei der Kommunikation der Nimbus-Komponenten untereinander. Die einzelnen Veröffentlichungsregeln und Subscriptions sind übrigens über die Management-Konsole oder das Web-Interface konfigurierbar.
Der Preis des Produkts liegt für die im Test untersuchte Version bei etwa 20000 Dollar. Darin enthalten sind das Werkzeug, synthetische Transaktionen und Probes für IIS, MS-SQL, Windows-Server und Netzwerk-Device-Monitoring.
pm@networkcomputing.de
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