Angriff auf Google und Microsoft:
Cisco nimmt E-Mail-Markt ins Visier
Cisco steigt in den Markt für E-Mail-Services aus der Cloud ein. Außerdem bringt der Netzwerkriese erstmals Social Software auf den Markt. Mit dem Eintritt in die beiden neuen Marktsegmente weitet der Anbieter sein Collaboration-Portfolio deutlich aus. Die neuen Angebote sollen zu 100 Prozent über Partner eingeführt werden.
Cisco kündigt Lösungen für zwei Marktsegmente an, in denen das Unternehmen bislang noch nicht sichtbar war: Zum einen startet der Netzwerkriese einen E-Mail-Service aus der Cloud. Zum anderen bringt Cisco erstmals Social Software-Lösungen für Unternehmen auf den Markt. Mit solchen Anwendungen und Tools lassen sich virtuelle Teams bilden, Communities aufbauen oder Experten zusammenbringen, die sich jeweils um bestimmte Aufgaben oder Themen gruppieren. Mit den beiden neuen Themenfeldern will der Netzwerk-Anbieter sein bisheriges Collaboration-Portfolio, zu denen Lösungen beispielsweise für Telepresence oder Conferencing (Webex) gehören, deutlich erweitern.
Zugleich mit der strategischen Ankündigung stellt Cisco eine Reihe neuer Produkte vor, die in den kommenden Wochen auch auf dem deutschen Markt verfügbar sein werden. Dazu zählt etwa das Social Videosystem »Show and Share«, das den Aufbau von Video-Communities unterstützt. Mit dem Ausbau des Collaboration-Portfolios tritt Cisco unter anderem in Wettbewerb zu den Großen der Software-Branche wie Microsoft oder IBM (Lotus), aber auch zu Google (Apps). »Die meisten Collaboration-Lösungen kreisen um Dokumente«, beschreibt Tim Stone, Head of European Collaboration Marketing bei Cisco, das Unterscheidungsmerkmal »Bei uns steht die Kommunikation im Mittelpunkt.« Ein weiteres Plus für Cisco sei die enge technische Verknüpfung mit den klassischen Unified Communications-(UC-)Lösungen des Herstellers.
Google und Microsoft heißen auch die Wettbewerber, die Cisco mit der zweiten Neuheit, dem Cloud-Service Webex Mail, herausfordert. Den Mail-Service startet der Anbieter zunächst nur in den USA und in Kanada. In der zweiten Jahrshälfte 2010 kommt er dann wohl auch nach Deutschland. Technologisch basiert das Angebot auf einer Software des Anbieters Postpath, den Cisco im Sommer 2008 übernahm. Freilich steigt der Netzwerkriese in diesen Markt relativ spät ein. Google Mail (Gmail) ist bereits seit mehr als vier Jahren verfügbar. Microsoft startete Exchange Online im vergangenen Herbst in den USA, in diesem Frühjahr in Europa. »Nicht immer ist der Vorläufer am Ende auch der Erfolgreichste«, meint dagegen Bernd Heinrichs, Managing Director Partner Sales Group bei Cisco. Das Potenzial sei noch riesengroß. Immerhin liege die Marktdurchdringung erst bei drei, vier Prozent.
Von Ciscos Einstieg in die neuen Marktsegmente sollen auch die Partner profitieren. »Wir werden die neuen Angebote zunächst zu 100 Prozent über Partner in den Markt tragen«, kündigt Heinrichs an. Ein zusätzlicher Direktvertrieb an Großkunden sei zwar nicht ausgeschlossen. Der Schwerpunkt liege aber auf dem indirekten Vertrieb. Das gilt auch für das Cloud-Angebot Webex Mail. Dafür sieht der Channel-Chef auch bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen ein großes Potenzial. »Den Bedarf an Hosted Services, Cloud Services erkennen wir quer durch alle Marktsegmente.« Möglicherweise werde sich die breite Nutzung im Mittelstand »sogar am schnellsten durchsetzen«.
Bei der Markteinführung der neuen Lösungen stützt sich Cisco vor allem auf die Systemhäuser, mit denen der Anbieter bereits im Geschäft mit den UC-Lösungen zusammenarbeitet. Außerdem setzt Heinrichs auf Managed Services Provider wie die Deutsche Telekom, British Telecom, Orange und Verizon. Ins Geschäft kommen möchte der Manager aber auch mit Spezialisten für Collaboration-Software, die bislang Wettbewerbsprodukte vertreiben.
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