Microsoft startet Cloud-Plattform »Azure«

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

18.11.2009

Im Rahmen der Professional Developers Conference hat Microsoft seine Cloud-Computing-Plattform »Azure« gestartet. Sie ermöglicht es den Kunden, Anwendungen hochzuladen, um sie unabhängig von Gerät und Aufenthaltsort über Web oder Desktop nutzen zu können.

Rasy Ozzie bei der Vorstellung der Azure-Plattform auf der PDC. (Bild: Microsoft)

Microsofts [1] Chief Software Architect Ray Ozzie hat auf der Professional Developers Conference (PDC) in Los Angeles den Startschuss für die Windows Azure-Plattform gegeben, die ein wichtiger Teil der »Software+Services«-Strategie ist. Die Cloud Services ermöglichen es Kunden, Programme auf den Servern in Microsoft-Rechenzentren zu hosten und sie anschließend über das Web zu nutzen. Gleichzeitig stellte Ozzie in seiner Keynote auch SQL Azure vor und kündigte einige neue Windows Azure- und Windows Server-Funktionen sowie einen Marktplatz für Cloud-Anwendungen an.

In seiner Rede beschrieb Ozzie Azure als einen Teil von Microsofts Vision von »drei Bildschirmen und einer Cloud«. Die drei Bildschirme seien dabei als die verschiedenen Zugänge zu digitalem Content zu sehen, die PCs, Smartphones und weitere Geräte wie intelligente Fernseher darstellen. Die Cloud im Hintergrund könne dabei sowohl öffentlich, als auch privat im eigenen Datacenter liegen. Damit will Microsoft den verstärkten Trend zu Mischangeboten aus Online-Services und lokal installierter Software adressieren. Azure hält dafür eine breite Palette an Tools bereits, die es sowohl erlauben sollen, bestehende Software zu hosten und auf die verschiedenen Endgeräte zu bringen, als auch völlig neue Cloud-Anwendungen zu erstellen. Mehr Informationen und Entwickler-Tools für Windows Azure gibt es unter diesem Link [2] und auf dem offiziellen deutschen Launch-Event am 26. November auf der CloudConf in Stuttgart.

Erste Erfahrungen aus Deutschland

Aufbau der Azure-Plattform.

Zu den ersten Unternehmen die Azure in Deutschland einsetzen, gehört T-Systems mit der Lösung Stromboxx, einer Lösung für Smart Metering. Sie erlaubt eine intelligente Steuerung von Stromnetzen und Endgeräten, so dass Energie bedarfsgerecht eingesetzt wird und damit Kosten gespart werden. Erreicht ein solches intelligentes Netz eine kritische Nutzermasse an Geräten, kann der Anbieter Windows Azure-basierte Dienste wie das Nachfrageverhalten an die Energielieferanten geben oder viele kleine erneuerbare Energiequellen an das »virtuelle Kraftwerk« anschließen.

Auch das 1972 gegründete Unternehmen Höltl Retail Solutions GmbH, das europaweit annähernd 6.000 Kunden aus Modehandel und -industrie mit IT-Lösungen für den Handel bedient, setzt in der neuesten Generation seiner Kassensysteme bereits auf Windows Azure und Microsoft Silverlight. »Mit Windows Azure konnten wir in kürzester Zeit unsere Kassenanwendung in die Cloud bringen und damit in Zukunft deutlich mehr Kunden mit besseren Angeboten erreichen. Die Kombination aus Windows Azure, SQL Azure und Microsoft Silverlight vereint besten Bedienkomfort, hohe System-Verfügbarkeit und die einfache Verteilung von Software – weltweit«, zeigt sich Johannes Schick, Geschäftsführer der höltl Retails Solutions GmbH, begeistert.

Zudem haben auch andere IT-Dienstleister und Systemintegratoren, wie unter anderem Siemens AG, Runtime software GmbH und NeoGeo New Media GmbH, bereits kundenspezifische Lösungen auf Basis von Windows Azure umgesetzt und bieten schon Dienstleistungen rund um Cloud Computing mit Windows Azure an.

Unterstützung für Partner und virtuelle Systeme

Für Entwickler im MSDN Premium Programm bietet Microsoft jetzt ein monatliches Kontingent an Serverzeit für die Nutzung der Windows Azure Platform Services zum Entwickeln und Testen von Cloud-Anwendungen an. Entwickler erhalten hier bis zu 750 Stunden Serverzeit sowie 10 GB Windows Azure Storage und eine Million Speicher-Transaktionen pro Monat sowie Zugriff auf drei SQL Azure Datenbanken. In der MSDN Premium Subscription sind diese Leistungen laut Microsoft bereits enthalten.

Für die Partner entwickelt Microsoft mit dem Online-Marktplatz »PinPoint« eine Möglichkeit, ihre Cloud-Anwendungen zu vertreiben. Darüber arbeitet man auch an einem neuen Informations- und Maklerdienst mit dem Codenamen »Dallas« (bisher nur als Community Technology Preview (CTP) verfügbar), der Entwicklern und Nutzern den Zugriff auf Daten und Inhalte für jede Plattform erlaubt. Zu den Contentanbietern gehören derzeit beispielsweise Associated Press, NASA, NAVTEQ, National Geographic TOPO! und die Vereinten Nationen.

Auf der PDC kündigte Microsoft zudem an, künftig auch virtuelle Systeme auf Windows Azure zu unterstützen. Damit wird es den Kunden erleichtert, virtualisierte Infrastruktur auf lokal installierten und Cloud-basierenden Systemen zu betreiben. Dabei ermöglicht es Entwicklern die gerade fertig gestellte Windows Identity Foundation, einen sicheren und einfachen Zugang zu Cloud-basierten und lokal installierten Anwendungen zu realisieren.

[1] http://www.microsoft.com/de/de/default.aspx
[2] http://www.microsoft.de/windowsazure

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