Chinesische Regierung belohnt Porno-Surfer

von Dr. Matthias Hell

07.12.2009

In ihrem Kampf gegen pornographische Web-Inhalte setzt die chinesische Regierung jetzt auf die Hilfe der Internetnutzer: Wer eine trotz Chinas »großer Firewall« zugängliche Sex-Seite meldet, soll eine lukrative Belohnung erhalten.

China: Internetsurfer auf der Suche nach Sexseiten

So wenig Skrupel Chinas Führung bei ihres »Wild-Ost-Kapitalismus« zeigt – wenn es um die Bewahrung des konservativen Menschenbilds der kommunistischen Machthaber geht, werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Da Pornographie die »körperliche und geistige Gesundheit der Jugend« gefährde, versucht China bereits seit längerem entsprechende Webinhalte herauszufiltern und Suchmaschinenbetreiber wie Google oder das im Reich der Mitte populäre Baidu dazu zu bewegen, Seiten mit sexuellen Inhalten nicht aufzulisten. Doch im Unterschied zur Chinesischen Mauer bleibt das World Wide Web durchlässig und lassen sich auch im prüden China noch genügend Erotikseiten finden.

Um das zu ändern setzt die chinesische Regierung nun auf die Mithilfe der Internetnutzer: So richtete das staatliche Zentrum für illegale Internet-Aktivitäten eine Telefonhotline ein, bei der Chinesen anzügliche Netzinhalte melden können. Für die Hilfe winkt dabei eine lukrative Belohung. Wer als Erster auf eine Sex-Webseite hinweist, erhält eine Prämie von 1.000 bis 10.000 Yuan (99 bis 987 Euro). Wie die Behörde meldet, seien bereits in den ersten 24 Stunden mehr als 500 Anrufe eingegangen.

Doch mag man die Erfolgsmeldung der staatlichen Nachrichtenagentur nicht so ganz glauben: So hatte sich eine vor einigen Monaten eingerichtete Hotline zur Meldung von Korruptionsfällen als Misserfolg herausgestellt. Der Grund lag in der mangelnden Anonymität: Wer bei der Beschwerdestelle Missstände melden wollte, musste seinen Namen und seine Telefonnummer melden – im kritikscheuen China keine ungefährliche Angelegenheit. Ob die »Porno-Prämie« mehr Erfolg zeigt, bleibt daher abzuwarten. Vielleicht ist so manchem Chinesen seine persönliche (sexuelle) Freiheits-Oase im Internet auch einfach mehr als jede Prämie wert.