Frei verfügbare Top Level Domains kommen noch 2009

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

18.05.2009

In den letzten Jahren haben allerlei kreative Namensschöpfungen Einzug im Web gehalten. Doch auch wenn etwa die Endung .tv eindeutig nach Fernsehen klingt, haben die meisten Suffixe eigentlich einen völlig anderen Ursprung, als oft vermutet wird. Noch in diesem Jahr soll es auch erstmals die Möglichkeit geben, eigene Top Level Domains (TLD) zu beantragen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Heimat der .tv-Domains: Die Insel Tuvalu

Nachdem die Anfänge des Internet insbesondere von .com Domains geprägt waren, gibt es inzwischen einen ganzen Katalog an möglichen Endungen für Webseiten. Seit 1999 gibt es etwa auch die Endung .tv, wie sie insbesondere von Fernsehsendern wie NBC (www.nbc4.tv), Sat 1 (www.sat1.tv) oder RTL (www.rtl.tv) gerne genommen wird. Doch auch wenn es auf den ersten Blick völlig logisch klingt, so hat der Suffix .tv an sich eigentlich nichts mit den Fernsehsendern zu schaffen. Vielmehr ist es die Endung für das kleine Inselkönigreich Tuvalu im Pazifik. Auch das bei Radiosendern besonders beliebte .fm (z.B.: Radio Gong: www.gong.fm)stammt nicht von der Frequenzbezeichnung, sondern ist einfach nur die Endung der Föderierten Staaten von Mikronesien.

Oft sind es dabei nicht einmal die Staaten selbst, die das Marketing-Potential ihrer Suffixe erkennen und heben, sondern kreative Unternehmen. »Die geschickte Nutzung von Assoziationen bei der Webadresse ist eine von vielen kreativen Marketingmöglichkeiten im Web.«, erklärt Bernd Beiser, Geschäftsführer der NetNames [1] GmbH. Vielen Unternehmen sei jedoch noch gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten für sie in den Top Level Domains stecken. »Aus unserer Erfahrung wird diese Möglichkeit jedoch von vielen Unternehmen und Unternehmern noch vernachlässigt. Sogar ein DJ könnte geschicktes Marketing betreiben und sich für seinen Onlineauftritt die Länderdomain von Dschibuti .dj sichern«, so Beiser weiter. Eine Karte aller bisher verfügbaren TLDs finden Sie hier [2].

Auf dem Weg zur privaten Domainkennung

Ein weiterer typischer Fall einer oft missverstandenen Domainkennung ist .ag. Auch wenn eine Unternehmenswebseite darauf endet, heißt das nicht unbedingt, dass das Unternehmen auch eine AG ist, wie oft vermutet. Tatsächlich gehört das .ag nämlich den karibischen Inseln Antigua und Barbuda, die es zur Vermarktung freigegeben haben. So besitzt inzwischen auch fast jeder DAX-Konzern eine .ag Adresse. Erst seit 2008 gibt es auch die Endung .me, die sich zwar hervorragend für persönliche Seiten eignet, eigentlich jedoch auf Montenegro hinweist. Auch wenn unter den 622.000 einwohnern die wenigstens über einen Internet-Anschluss verfügen, erzielen die .me-Domains immer wieder Höchstpreise bei der Versteigerung, insbesondere unter amerikanischen Unternehmen (z.B: love.me).

War man bisher also weitgehend auf die kreative Umdeutung bestehender Ländersuffixe angewiesen, so soll sich das noch dieses Jahr grundlegend ändern: Nach einem Beschluss der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers ICANN aus dem Juni 2008 sollen nämlich künftig auch beliebige Domains für eigene Zwecke beantragt werden können. Eine große Chance insbesondere für Unternehmen, meint Beiser: »Bislang ist .com als Kürzel für das Wort commercial die einzige wirklich kommerzielle Top Level Domain. Dies wird sich durch die Einführung der neuen generischen TLDs schnell ändern. Markeninhaber werden bald die Möglichkeit haben, sich ihren Brandnamen als Suffix zu sichern. Eine Gelegenheit, die sich kein Unternehmen entgehen lassen sollte. Sie können sich so schon im Vorfeld vor einem möglichen Missbrauch und einem damit oftmals verbundenen kosten- und zeitaufwendigen Rechtsstreit schützen. Vor allem aber bieten eigene Markensuffixe ein sehr großes Potential an umfassenden Marketingkampagnen und SEO-Strategien.«

[1] http://www.netnames.com
[2] http://www.netnames.com/platinum/Domain+name+management/Global+ccTLD+map2

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