Experten warnen vor erhöhter Gefahr durch Wirtschaftsspionage
Die weltweite Krise zwingt derzeit viele Unternehmen zu Einsparungen und Entlassungen, sowohl in der Entwicklung, als auch bei der Sicherheit. Der Datensicherheitsexperte Utimaco rechnet deshalb in diesem Jahr mit einer deutlichen Zunahme der Daten- und Wirtschaftsspionage gegen deutsche Firmen.
Datendiebe haben in Krisenzeiten Hochkonjunktur
Schrumpfende Umsätze und Gewinne durch die aktuelle Krise zwingen derzeit weltweit die meisten Unternehmen dazu Kosten einzusparen und die Konsolidierung voranzutreiben. Und ein Ende der Talfahrt ist derzeit nicht in Sicht – im Gegenteil: Während das Stimmungsbarometer des ifo-Weltwirtschaftsklimas auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren fiel, erwarten auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) für das laufende Jahr einen Absturz Deutschlands und anderer Industrieländer in die Rezession. Gleichzeitig kämpft auch China mit dem niedrigsten Wirtschaftswachstum seit Jahren, während Russland den Verfall des Rubels, die schmerzlichen Dollar-Investments und den Einbruch des Ölpreises beklagt.
Besonders in Ländern und Branchen, die keinen technologischen Vorsprung zu verteidigen haben, wird der Rotstift dabei meist zuerst in Bereichen wie der Forschung und Entwicklung angesetzt, die keinen unmittelbaren Nutzen für einen erwünschten schnellen Wachstumseffekt haben. Dadurch verlieren diese Unternehmen jedoch an Marktdynamik und Kompetenz, die schwer wieder aufzuholen sind. Das wiederum könnte einige Unternehmen dazu bewegen, sich das nötige Know-how eben auf anderem Wege zu besorgen, befürchtet der Datensicherheitsexperte Utimaco [1] und rechnet deshalb für 2009 mit einem deutlichen Anwachsen der Wirtschaftsspionage.
Gefahrenherde Russland, China und eigene Mitarbeiter
»Gerade aus China und Russland rechnen wir deshalb mit einem massiven Anstieg der Wirtschaftsspionage-Aktivitäten«, erklärt Markus Bernhammer, Executive Vice President Central and Eastern Europe der Utimaco Safeware AG in Oberursel. »Diese Länder wollen den mühsam aufgebauten Anschluss an die führenden Industrienationen auf keinen Fall verlieren und werden alles dafür tun. Die Hemmschwelle zur Wirtschaftsspionage wird jedenfalls deutlich sinken, auch in anderen Ländern.«.
Doch auch hierzulande bringen Entlassungen eine erhöhte Spionagegefahr mit sich. Sei es durch eine Überlastung des IT-Personals, die zu einer vernachlässigten Sicherheit führt (siehe Informationweek-Bericht [2]), oder durch eigene frustrierte Mitarbeiter, denen gekündigt wurde, oder die sich mit sensiblen Informationen andernorts empfehlen wollen. Gestohlene USB-Sticks oder Festplatten, gehackte Laptops, Einbrüche in Netze, Abhören von Internet-Verbindungen, Lesen von E-Mails oder eingeschleuste Trojaner, Viren und sonstige Malware gehören hier zu den Klassikern. »Natürlich verhalten sich die allermeisten Mitarbeiter tadellos, trotzdem sollten Unternehmen damit rechnen, dass Gefahr nicht nur von außen, sondern vermehrt auch von innen, von den eigenen Arbeitsplätzen drohen kann«, sagt Wilfried Karden, Projektverantwortlicher beim Innenministerium Nordrhein-Westfalen.
Über 50 Milliarden Euro Schaden pro Jahr
Utimaco rät deutschen Unternehmen daher, sich nicht nur gegen Angriffe von außen, sondern auch von innen zu rüsten und eine umfassende Sicherheitsstrategie zu entwerfen, die firmenweit implementiert wird und alle erdenklichen Gefahren berücksichtigt. Im Zweifel sind dabei auch solche Gefahren zu berücksichtigen, die durch treu geglaubte Mitarbeiter entstehen, wenn diese schwach werden. »Viele Unternehmen haben erschreckenderweise völlig unzureichende Sicherheitskonzepte, weil sie die Probleme in ihrer Tragweite nicht erkennen oder sogar verdrängen«, beklagt Bernhammer. »Dieses Vogel-Strauß-Verhalten kann aber, besonders angesichts der aufkommenden Rezession, fatal werden.«.
Bereits heute gehen die Experten davon aus, dass zwischen 20 und 40 Prozent der deutschen Unternehmen bereits Opfer von Wirtschaftsspionage geworden sind und beziffern den jährlichen Schaden hierzulande auf rund 50 Milliarden Euro pro Jahr.
[1] http://www.utimaco.de/
[2] http://www.informationweek.de/news/showArticle.jhtml?articleID=212902406
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