Ebay sperrt Angebote ohne Vorwarnung

von Dr. Matthias Hell

31.10.2008

Ebay hat den Bezahlservice Sofortüberweisung.de auf die Liste der verbotenen Zahlungsmethoden gesetzt und bereits erste Angebote mit dieser Bezahloption entfernt. »Wir wurden im Vorfeld nicht informiert«, berichtet ein betroffener Powerseller, der Eigeninteressen von Ebay hinter dem Vorgehen vermutet.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Ebay-Händler Gerd Schalow ärgert sich über die plötzliche Entfernung seiner Angebote

Ebay [1]-Profiseller Gerd Schalow ist verärgert: Der Betreiber des Ebay Fahrrad-Shops KS-Cycling [2] musste feststellen, dass das Online-Auktionshaus gewissermaßen über Nacht wahllos ein Zehntel der Angebote des Powersellers mit Platinstatus aus dem Internet entfernt hat. Der Grund: KS-Cycling bietet als Zahlungsmethode auch den umstrittenen Bezahlservice Sofortüberweisung.de [3] an, der von Ebay jetzt auf die Liste der verbotenen Zahlungsmethoden [4] gesetzt wurde. »Dabei habe ich sogar grundsätzlich Verständnis dafür, dass Ebay das Recht hat, einen Bezahldienst auszuschließen«, erklärt Schalow. »Doch wurden wir im Vorfeld nicht über die Entfernung unserer Angebote informiert.« Auch eine Aufforderung, künftig auf die Bezahloption Sofortüberweisung.de zu verzichten, habe es nicht gegeben, berichtet der Powerseller, der nun die Löschung weiterer Angebote befürchtet.

Wie Schalow im Gespräch mit Computer Reseller News berichtet, habe die Sofortüberweisung als Bezahloption für den Powerseller dabei nur eine marginale Bedeutung: »Wir bieten Sofortüberweisung.de seit einem Jahr an, doch die Kunden nehmen den Service nicht richtig an«. Umso mehr ärgert Schalow das Vorgehen von Ebay, für das er bis heute keine Begründung erhalten habe. Der Powerseller vermutet, das hinter der Löschung der Angebote handfeste Eigeninteressen von Ebay stehen: »Wahrscheinlich hat Ebay beschlossen, schleichend die Konkurrenz für den hauseigenen Bezahlservice Paypal [5] loszuwerden.« Klar ist: Nicht nur Schalow ist von der wahllosen Entfernung der Ebay-Angebote mit Bezahloption Sofortüberweisung.de betroffen, sondern auch viele andere Profiseller, unter anderem im IT-Bereich.

Ebay verweist auf Sicherheitsbedenken

Sicherheitsbedenken haben laut Ebay den Ausschlag zur Sperre für Sofortüberweisung.de gegeben

Auf Anfrage von CRN bestätigte Ebay in einem offiziellen Statement, dass man sich dazu entschieden habe, Sofortüberweisung.de auf der Liste der nicht erlaubten Zahlungsmethoden zu führen. Das Hinterlegen von PIN/TAN auf einer dritten Seite, wie es bei der Sofortüberweisung praktiziert werde, halte man aus Sicherheitsgründen für sehr bedenklich. »Durch die Notwendigkeit zur Offenlegung der PIN und TAN wird der Verbraucher dazu aufgefordert, die AGB der Banken zu verletzen, die strikt die Geheimhaltung dieser sicherheitsrelevanten Daten verlangen«, so das Unternehmen in der Stellungnahme. Zur Unterstreichung seines Standpunkts verweist Ebay auf den Bundesverband der Verbraucherzentralen, der das Bundesfinanzmnisterium aufgefordert hat, Dienste wie Sofortüberweisung.de wegen Sicherheitsbedenken zu verbieten.

Grundsätzlich anders wird der Sachverhalt bei der Payment Network AG, dem Anbieter von Sofortüberweisung.de, beurteilt: Das Argument, Ebay wolle mit dem Verbot der Sofortüberweisung seine Kunden vor dem umstrittenen Bezahlservice schützen, lässt Payment Network-Geschäftsführer Christoph Klein nicht gelten: »Unser Angebot ist legal und das muss auch Ebay akzeptieren.« Man sehe in dem Vorgehen vielmehr eine unerlaubte Schützenhilfe für Paypal. »Als Online-Plattform ist Ebay im E-Commerce Monopolist und darf andere Bezahlungsarten nicht zugunsten von Paypal diskriminieren«, so Klein.

Sofortüberweisung.de kündigt juristische Schritte an

Payment Network-Chef Christoph Klein »geht es ums Prinzip«

Weiter berichtet Payment Network-Chef Klein: »Wir haben versucht, den Streit einvernehmlich zu regeln, doch hat Ebay darauf bisher nicht reagiert.« Über einen Anwalt habe man Ebay nun eine Aufforderung zur Klärung der Angelegenheit geschickt und behalte sich darüber hinaus ein kartellrechtliches Vorgehen vor.

Sympathie erhält Payment Network dabei in Powerseller-Kreisen. »Vielleicht wackeln ja doch einmal die Paypal-Säulen«, orakelt ein Ebay-Händler im Verkäufer-Forum der E-Commerce-Plattform. »Der zunehmende Paypal-Zwang ist für Powerseller das derzeit heißeste Thema«, bestätigt auch Ebay-Verkäufer Schalow. Nach langem Zögern habe KS-Cycling vor kurzem Paypal integriert – schließlich sei das Angebot des Bezahlservices die Bedingung für die Teilnahme an dem neu eingeführten Ebay-Prämienprogramm gewesen. »Allerdings würden wir die Paypal-Option auch nicht mehr abschaffen. Bei den Kunden ist der Bezahlservice sehr gut angekommen«, berichtet Schalow.

Auch im Hause Ebay befindet sich das Thema Paypal ganz oben auf der Prioritätenliste. Während der Konzern mit seinem Auktionsgeschäft auf zunehmende Schwierigkeiten stößt (CRN berichtete [6]), hat sich das Bezahlgeschäft zum lukrativsten Geschäftszweig entwickelt. So wurde das Management von Ebay Deutschland kürzlich um 100 Stellen dezimiert und werden die Bereiche Marketing und Marketplace Development nach Zürich bzw. London abwandern. Paypal hat dagegen als einziger Ebay-Geschäftsbereich das aktuelle Köpferollen unbeschadet überstanden und plant sogar weitere Einstellungen.

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[1] http://www.ebay.de
[2] http://stores.ebay.de/ks-cycling
[3] http://www.sofortüberweisung.de
[4] http://pages.ebay.de/help/policies/accepted-payments-policy.html
[5] http://www.paypal.de
[6] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=211600097
[7] http://forum.crn.de